12.02.2013

Anstoss 7/2013

Alles ist da!

In den letzten Wochen habe ich – nach Abschluss einer großen Arbeit – meinen Computer, mein Büro und in diesem Zusammenhang auch mein Zimmer daheim aufgeräumt.

Ich nahm die einzelnen Gegenstände in die Hand und musste dann entscheiden, was ich wegwerfen und was ich behalten wollte.
Manche Dinge sind einfach schön und deswegen will ich sie aufbewahren: Ein buntes Band in Erinnerung an eine Fahrt nach Helfta, ein Schlüsselanhänger von einem Frauentreffen, eine mir geschenkte Kerze.  
Auch viele Papiere – privates wie berufliches – sind mir wertvoll: ein handgeschriebener Brief eines Freundes, wichtige Protokolle einer Arbeitsgruppe, Gedichte oder Geschichten für mich privat. Doch im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass „aufräumen“ nicht heißt, die Dinge von A nach B zu schichten, sondern auch manches wegzuwerfen...
Für mein Büro wendete ich folgende Faustregel an: Was nicht in den letzten fünf Jahren benutzt wurde, kann verschenkt oder weggeworfen werden. Begründete Ausnahmen sind möglich.
Mit dieser Devise im Hinterkopf machte das Aufräumen geradezu Spaß. Ich erlebte, wie die vielen Dinge, die ich für den Bedarfsfall gehortet hatten, sehr an Masse verloren. Doch dieses Weniger war geradezu befreiend: Ich habe nicht den Eindruck, etwas verloren zu haben, sondern umgekehrt: Ich weiß jetzt, wo ich etwas finde. Ich habe einen besseren Überblick und Durchblick.
Beim Aufräumen und Sortieren ist mir außerdem etwas passiert, womit ich nicht gerechnet habe: Ich habe wichtige Unterlagen gefunden, von denen ich fest überzeugt war, sie seien für immer weg. Ich hatte sie mehrmals im falschen Stapel gesucht und schon alle Hoffnung aufgegeben. Statt dessen hätte ich einfach nur an einer anderen Stelle suchen müssen!
Solche Erfahrungen lassen sich ohne Mühe auch auf andere Lebensbereiche übertragen: Ignatius spricht davon, dass das Gebet helfe, „sein Leben zu ordnen“. Dabei ist eigentlich schon alles da, es geht nur darum, das Leben besser wahr zu nehmen und dann besser zu organisieren. Ich stelle mir vor, dass ich, so wie ich ein Regal im Büro von oben bis unten ausmiste, auch mein Leben ordnen kann: eine Beziehung verbessern, eine schlechte Gewohnheit minimieren, sich (mehr) Zeit für sich selbst nehmen, sich (mehr) Zeit für Gott nehmen...
Die Fastenzeit, die am vergangenen Mittwoch begonnen hat, könnte eine Zeit sein, in der wir Christen versuchen, unser Leben (noch besser) zu ordnen... Man könnte einfach irgendwo anfangen und dann diesen oder jenen Lebensbereich entrümpeln.
Sr. Susanne Schneider, Missionarinnen Christi, Kontaktstelle Orientierung Leipzig