14.09.2017

Tagung in Leipzig

AfD und Christsein – unvereinbar?

Auf einer Tagung in Leipzig wurde eine Studie ausgewertet, die das Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland mit der katholischen Soziallehre vergleicht.


In der Flüchtlingspolitik könnten die Gräben nicht tiefer sein. Doch beim Familienbild, in der Sexualerziehung und in der Gender-Debatte gibt es auch Übereinstimmungen. Ob und inwieweit sich das Grundsatzprogramm der Partei Alternative für Deutschland (AfD) mit der katholischen Soziallehre vereinbaren lässt, hat eine sozialethische Studie untersucht. In Auftrag gegeben wurde sie von den Bevollmächtigten der katholischen Bischöfe gegenüber den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Am 9. September luden die Katholischen Akademien der Bistümer Magdeburg, Erfurt und Dresden-Meißen zu einer Tagung nach Leipzig, um die Ergebnisse der Studie zu diskutieren. Titel der Veranstaltung: „AfD und Christsein. (Un-)vereinbar?“
Das Fazit der Theologin Marianne Heimbach-Steins, Professorin für christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster und eine Autorin der Studie: „Dieser Geschichtspessimismus, dem jegliche Zukunftsvision fehlt, der weder ein Gottvertrauen noch ein Zutrauen gegenüber der Welt aufbringt, lässt sich nicht mit einer auf universelles Handeln und Gestalten ausgerichteten Kirche verknüpfen.“ Die auf das Deutschtum fixierte nationalistische Bevölkerungspolitik der Partei, so Heimbach-Steins weiter, passe nicht zur katholischen Soziallehre.
Eine Programmatik, die sich über Feindbilder definiere, sich Zukunftsfragen verweigere und Religionsfreiheit für Muslime beschränken möchte, erfüllt auch nach den Maßstäben des katholischen Theologen Andreas Lob-Hüdepohl alle Kriterien einer rechtspopulistischen Partei. Der Populismus an sich sei, so das Mitglied des Ethikrates, durchaus ein legitimes Mittel, Politik zu gestalten. Die AfD jedoch sei anti-pluralistisch, anti-liberal, und betrachte Intellektuelle und das Establishment als „Volksfeinde“.

Keine Diskussionskultur bei Anhängern der AfD
Die Sozialwissenschaftlerin Maren Behrendsen hat die Netzpolitik der AfD untersucht und stellte die Aktionsformen der Partei in den sozialen Netzwerken vor. AfD-Anhänger trügen ihre Debatten in den Internetforen aus, von einer Diskussionskultur könne man allerdings nicht sprechen. „Die Beteiligten befinden sich in einer Filterblase: Von außen kommt nichts rein, man bestätigt sich nur wechselseitig seine gemeinsame Überzeugungen.“
Zwei Podiumsdiskussionen gingen der Frage nach, wie eine Gesprächskultur zwischen AfD und Kirche aussehen könnte. „Mit dem Landesvorsitzenden der AfD, Björn Höcke, sprechen wir nicht“, stellte der Leiter des Katholischen Büros Erfurt, Winfried Weinrich, klar. „Aber im Gespräch mit AfD-Abgeordneten im Thüringer Landtag bemühen wir uns um eine sachliche Ebene.“
Der Pfarrer und Buchautor Sven Petry, Ex-Ehemann von Frauke Petry, sagt, er habe mit der AfD lange Zeit am Frühstückstisch gesessen. Die persönliche Entfremdung, die sich für ihn daraus ergab, ziehe sich durch viele weitere Familien in diesem Land. Dennoch gehe es darum, „den Einzelnen, der noch schwankt, mit seinen Ängsten und Irritationen im persönlichen Gespräch zu erreichen“.

Von Andreas Öhler