15.12.2016

Anstoß 51/2016

Abenteuer

„Abenteuer, da steckt das Wort Advent drin!“ Das klang in meinen Ohren neu. Advent. Das heißt übersetzt doch „Ankunft“, oder nicht? Auf Englisch, so erklärte Erzbischof Koch in einer Predigt, heißt Abenteuer [adventure]. Da steckt das Wort Advent buchstäblich drin.

Abenteuer im Advent. Im Besinnungsrausch Glaubensabenteuer eingehen. Bei einer engagierten Predigerin, Christine Caine, fand ich einen ähnlichen Gedanken. Ihre Anregungen begleiten mich durch diesen Advent. Sie stellt fest, es scheint im Glauben oft  gewaltige, abschreckende Aufgaben zu geben. Alle, die sich darauf einlassen, machen sich lächerlich. So muss es doch ziemlich verrückt gewirkt haben, als Noah in der Wüste ein Riesenschiff, seine berühmte Arche baute. Oder als Josua die Mauern der Stadt Jericho umrundet, insgesamt siebenmal. Und David, der später so berühmte König, sah garantiert lächerlich aus, als er sich dem Kampf gegen den übermächtigen Goliath stellte. Wie muss sich Maria als schwangere Jungfrau gefühlt haben! Was haben die Mitgefangenen gedacht, als Paulus und Silas im Gefängnis waren, in Ketten gelegt, und Gott laut lobten? Schließlich, wie überaus demütigend und enttäuschend muss es gewirkt haben, als Jesus am Kreuz hing. Derart am toten Punkt angekommen ist auch das Glaubensabenteuer vorbei. Wie unsagbar schwer ist es, genau diesen Moment unter dem Kreuz auszuhalten. Und dennoch passiert unter dem Kreuz der Drehmoment.
Erst am Kapitulationspunkt scheint mein Ego endlich alle Machbarkeitsvorstellungen aufzugeben. Was jetzt passiert, ist für mich nur im Glauben zu fassen. Die hier Genannten hatten einen kleinen Entscheidungs-Vorsprung. Sie haben sich schon im Vorfeld, also vor der Einsicht des Egos, selbst nichts mehr machen zu können, auf Gottes Auftrag eingelassen. Vielleicht passieren dadurch so überraschende Dinge. Noah, seine Familie und viele Mitgeschöpfe wurden von der Flut gerettet. Da stürzten in Jericho die stärksten Mauern der antiken Welt in sich zusammen. David besiegte überraschend Goliath. Maria hat Jesus, den Erlöser der Welt, geboren. Paulus und Silas wurden aus dem Gefängnis befreit. Jesus ist auferstanden und hat den Tot, besiegt.
Das Abenteuer mit Gott beginnt, indem ich den Auftrag Gottes annehme, auch wenn ich ihn nicht genau verstehe. Dann kann Gott ganz erstaunliche Dinge wirken. Auch überraschende Freude.  Eine innere, echte Freude,  die Grenzen menschlicher Möglichkeiten übersteigt. Der Prophet Jesaja (52,9) beschreibt eindrücklich: „Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems!“
Jesajas Aufruf verspottet nicht das Elend. Seine Worte sind ja gerade an alle unschuldigen und zu Unrecht leidenden Menschen gerichtet, mit dem Eingreifen Gottes unbedingt weiter zu rechnen. Er spricht damit ein wirklich adventliches Prophetenwort. Er kündigt die Ankunft des Erlösers der Welt nicht nur an, sondern will uns dessen vergewissern. Wir dürfen das Haupt aufrichten. „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.“ (Jes 52,7) Wenn wir diese Verheißung mit dem Herzen suchen und im Leben umsetzen, ist Advent auch immer ein Abenteuer!.

Lissy Eichert, Berlin

Kommentare

Gerhard Trimborn Kaiserstr.28 40764 Langenfeld Liebe Lissy, Danke für den schönen Text!Hat mir gut gefallen Wünsche Dir noch einen schönen restlichen Advent! Liebe Grüße Gerhard (P.S. ich bin einer der katholischen Pastöre, die in diesem Jahr zu ihren Priesterjubiläum bei Euch zu Besuch waren)