15.10.2020

Christlicher Hospizdienst in Dresden

Dezent christlich

Der Christliche Hospizdienst in Dresden gehörte Anfang der 1990er Jahre zu den sächsischen Vorreitern, die sich für eine gute Begleitung Sterbender einsetzten. Mit der Eröffnung eines stationären Hospizes am 7. Oktober ist die Landeshauptstadt dagegen unter den Schlusslichtern.

Johannes Bittner im Raum der Stille des Marien-Hospizes.    Foto: Dorothee Wanzek

 

Als letzte deutsche Landeshauptstadt hat nun auch Dresden ein stationäres Hospiz. Bis zu zwölf Patienten können im Marien-Hospiz gut umsorgt ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, sofern dies bei ihnen zu Hause nicht möglich ist. Das katholische Krankenhaus St. Joseph-Stift hat damit den letzten Mosaikstein in der Versorgung sterbenskranker Menschen gesetzt, der die vorhandenen Angebote der Palliativstation, des Brückenteams zur ambulanten intensivmedizinischen Versorgung, der Akademie für Palliativmedizin und Hospizarbeit sowie des vom Christlichen Hospizdienst betriebenen Tageshospizes ergänzt.
Dass Dresden trotz des unbestritten großen Bedarfs erst so spät ein stationäres Hospiz erhält, ist nach Auskunft von Dr. Reinhard Goerl dem hohen finanziellen Risiko geschuldet. Nicht nur für den Bau, sondern auch für die laufenden Betriebskosten müsse der Träger eines Hospizes einen beträchtlichen Eigenanteil aufbringen. Goerl gehört zum Ärzteteam der Palliativstation des St. Joseph-Stiftes, das künftig auch für die ärztliche Versorgung der Hospizbewohner bereitsteht. Patienten werden im Hospiz in der Regel erst dann aufgenommen, wenn die Behandlung im Krankenhaus abgeschlossen ist. Bisher hätte das katholische Krankenhaus seine Patienten in andere, bis zu 80 Kilometer entfernte Hospize entlassen müssen. Gerade für Angehörige und Freunde sei es mitunter belastend gewesen, über solche Entfernungen hinweg den Kontakt zu halten.
Großen Wert legt das Team des Marien-Hospizes um Johannes Bittner darauf, Menschen aller Religionen und Weltanschauungen Offenheit zu signalisieren. Auf eine Hauskapelle und auf eindeutig christliche Symbolik haben die Planer deshalb verzichtet. Es gibt einen „Raum der Stille“ , dessen Gestaltung mit einer großen goldglänzenden Scheibe an der Wand und zwei zusammengefügten Halbkugeln in der Mitte des Raumes vielfältige Assoziationen zulässt. Im Foyer empfängt die Besucher eine schlichte geschnitzte Mutter-Kind-Skulptur, ohne typische Attribute, die für eine Muttergottes-Darstellung kennzeichnend sind. „In Geborgenheit lässt du mich wohnen“ ist daneben zu lesen, für mit der Bibel Vertraute als Psalmzitat zu erkennen. Geplant ist, dass die Seelsorger aus dem benachbarten Krankenhaus auf Wunsch der Bewohner auch ins Hospiz kommen werden.
Das Marien-Hospiz befindet sich im obersten Stockwerk des neu entstandenen Maria-Merkert-Hauses gegenüber dem St. Joseph-Stift. In den unteren Stockwerken sind sowohl Beratungsräume der Caritas, als auch Arztpraxen und Ladenräume angesiedelt.

Informationen unter: www.marienhospiz-dresden.de

Von Dorothee Wanzek