23.11.2012

Bistumsversammlung der Diözese Magdeburg erarbeitet praktische Vorschläge für die Gemeinden

Ideen für konkretes Christsein

Mit einem Treffen von 400 Vertretern aus den Pfarreien, Einrichtungen und Verbänden sowie der Diözesanleitung ist in Magdeburg am 17. November 2012 die im Mai des Vorjahres begonnene Bistumsversammlung beendet worden. Die Teilnehmer konnten konkrete Impulse und Vorschläge für ihren Alltag in den Gemeinden und kirchlichen Institutionen und Verbänden mitnehmen.

 
Während der Bistumsversammlung wurde in Regional-Gruppen auf die konkrete Situation der Gemeinden vor Ort geschaut. Das Bild zeigt Vertreter der Pfarrei St. Klara Delitzsch einschließlich der Verantwortlichen der Kindertagesstätte, des Altenpflegeheimes, des Caritas-Hilfeverbundes Eilenburg und des Fokular-Zentrums Zwochau. Fotos: Eckhard Pohl  

Magdeburg. Ein Seminarkonzept zum Finden eigener Begabungen, Ideen für das Familiengebet, ein informatives Brettspiel zum Reformationsgedenkjahr, aber auch Impulse für die Begegnung mit homosexuellen Paaren und die Bitte an Ortsbischof Gerhard Feige, sich für den Diakonat von Frauen einzusetzen – die Liste der Ideen, Modelle und Anregungen ist vielfältig und lang, die von den zehn Arbeitsgruppen (AG) bei der Bistumsversammlung der Diözese Magdeburg am 17. November in der Bischofsstadt vorgestellt wurde. Die AGs hatten seit Eröffnung der Bistumsversammlung im Mai 2011 zu zehn inhaltlichen Brennpunkten im Bistum gearbeitet. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgelegt.

Verlangt wird etwa ein Paradigmenwechsel: Es gelte, nicht mehr nur von den Pfarreien her zu denken, sondern andere pastorale Orte wie offene Angebote stärker zu fördern. Ausdrücklich wurde hier die Offene Kirche St. Moritz in Halle als mögliche „Konkathedrale für Nichtchristen“ hervorgehoben. Denn es sei nötig, „die Begegnung mit Menschen außerhalb der Kirchen zu suchen, die uns helfen, verständlich von Gott zu reden, damit Gott in unserer Zeit hörbar, verstehbar, erfahrbar wird“. Angesichts der demografischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt ermutigt eine AG dazu, bewusst die Situation kleiner christlicher Gemeinschaften vor Ort anzunehmen und zu gestalten.

Die AG „Gemeinsames Priestertum stärken …“ erprobte selbst ein Charismen-Seminar, das die AG nun Gremien und Gruppen empfiehlt, die miteinander Begabungen bei sich entdecken wollen. Auf der Grundlage erprobter Projekte lädt einer weitere AG mit 22 Steckbriefen zu konkretem christlichen Engagement ein und zeigt Wege auf, wie es gelingen kann, als Christ leidenschaftlich und prophetisch Gesellschaft mitzugestalten. Die AG „Frauen tragen Kirche“ erwartet in naher Zukunft: „Frauen werden vor Ort ermutigt, qualifiziert und begleitet, Andachten, Wort-Gottes-Feiern und Beerdigungen zu leiten.“ Sie werden  „auf allen Bistumsebenen mit Leitungsaufgaben betraut“.

 
Die Arbeitsgruppe „Als Christ leidenschaftlich Gesellschaft prophetisch mitgestalten“ ermutigt zu konkretem christlichen Engagement.  

Konkrete Impulse, wie in der Familie im Kontrast zum Alltag der Sonntag begrüßt werden kann, hat eine weitere Gruppe zur Nachahmung bereitgestellt. Zusammengetragen wurden auch Gedanken und konkrete Erfahrungen, wie im Bistum christliche Spiritualität wachsen kann. Zudem zeigen fünf konkrete Ideen auf, wie sich ökumenische Bildung und Begegnung fördern lässt. So wurde zum Beispiel eine Arbeitsbeschreibung für den Ökumenebeauftragten im Pfarrgemeinderat formuliert.

Angesichts pluraler Lebens- und Beziehungsformen (homosexuelle Paare, wiederverheiratete Geschiedene ...) in der modernen Gesellschaft und auch unter Christen wurden vier Ideen für von Wohlwollen geprägte Gespräche  und Begegnungen erarbeitet, darunter Bildungsveranstaltungen für Menschen in verschiedenen Lebens- und Beziehungsformen einschließlich der Erschließung des Evangeliums für die Teilnehmer. Im Kontext von Überlegungen zu Möglichkeiten des Wachsens im Bistum wurden fünf Thesen der Hoffnung formuliert.

Nach der blitzlichtartigen, bunten Präsentation der Ergebnisse waren die Teilnehmer eingeladen, die Ideen vor dem Hintergrund ihrer konkreten Gemeindesituaton zu bedenken und erste Schritte zu formulieren. Nicht zufällig war der Tag unter das biblische Motto „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade“ gestellt. Anregungen dafür sollte auch ein fiktives Gespräch zwischen einem kritischen Realisten (Markus Konkolewski vom Ordinariat) und einem Einordnenden, der auch hoffnungsvolle Aspekte sieht (Ulrich Lieb, Leiter des Fachbereichs Pastoral) über die Situation im Bistum bieten. Dabei kamen ernüchternde, aber auch ermutigende Fakten zur Sprache. So wird die Zahl der Katholiken im Bistum Magdeburg voraussichtlich binnen fünf Jahren von jetzt 88 000 auf 80 000 im Jahr 2017 (70 000 im Jahr 2025) sinken. Dann werden nur noch rund 60 Priester im aktiven Dienst sein. Derzeit bestehen 44 Pfarreien, an deren Zahl bis auf weiteres festgehalten werden soll, wie Bischof Feige betonte. Dennoch stünde das Bistum im weltweiten Vergleich mit seinen personellen und materiellen Ressourcen relativ gut da und könne zudem auf Unterstützung anderer Diözesen hoffen.

Bischof Feige erinnerte in seinem kurzen Impulsreferat an die Notwendigkeit von Priesterberufungen. Zugleich müsse das Allgemeine Priestertum aller Gläuben als Ermutigung verstanden werden, Ehrenamtlichen viel mehr als bisher zuzutrauen. Wort-Gottes-Feiern und andere Gebetszusammenkünfte vor Ort werden in Zukunft eine größere Rolle spielen. Wichtig sei auch ein weiteres ökumenisches Zusammenrücken. Notwendig sei ein lebendiges Glaubenszeugnis und nicht Aktionismus. Die Gemeinden und Einrichtungen bräuchten selbstverständlich ein „Profil, das sich am Evangelium ausrichtet, müssen zugleich aber interessant und offen sein für Außenstehende“.

Eckhard Pohl

 

Nachgefragt

„Aus unseren Möglichkeiten etwas machen!“

     
Joanna Zernecke, Gardelegen   Thomas Lohfink, Naumburg   Monsignore Thomas Dornseifer, Paderborn  

„Ich bin froh, dass ich bei der Versammlung dabei bin“, sagte Joanna Zerneke (52). „Ich hatte mir eigentlich nicht allzuviel versprochen“, so die Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Pfarrei St. Hildegard in Gardelegen. „Aber ich bin überrascht: Die Vorstellung der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen (AG)war abwechslungsreich und bot Besinnliches, Nachdenkenswertes und auch einige Ideen. Manches war mir jedoch noch zu wenig konkret.“ Gut deutlich geworden sei aber, dass die Probleme in den Gemeinden recht ähnlich sind. Und es sei deutlich geworden: „Wir dürfen nicht nur nach hinten schauen, sondern müssen aus dem, was da ist, aus unseren Möglichkeiten etwas machen!“

Auch Thomas Lohfink (55) empfindet die Vorschläge der zehn AG nachdenkenswert. Emotional habe ihn persönlich besonders der Beitrag der Gruppe „Frauen in unserem Bistum“ bewegt. Als Caritas-Sozialarbeiter sei ihm zunächst nicht recht klar gewesen, was die Bistumsversammlung mit seiner Arbeit zu tun habe. „In den Ausführungen des Bischofs wurde aber deutlich, dass er unsere Arbeit als Teil des kirchlichen Auftrages schätzt und wir ein Kristallisationspunkt sein können“, so der Koordinator der Caritas-Dekanatsstelle Naumburg.

„Ich finde es sehr gut, dass es in den zurückliegenden eineinhalb Jahren gelungen ist, Modelle und Bilder für das Leben der Gemeinden, Verbände und kirchlichen Einrichtungen zu entwickeln“, sagte Monsignore Thomas Dornseifer aus Paderborn. „Denn es fehlen oft Ideen und Bilder, mit denen man umgehen, sich auseinandersetzten und daran abarbeiten kann“, so der Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Generalvikariat Paderborn, der als Gast an der Versammlung teilnahm. Hier habe die Bistumsversammlung Wichtiges geleistet.

Mehr zur Bistumsversammlung der Diözese Magdeburg: http://www.bistum-magdeburg.de