11.10.2018

Bischof Ulrich Neymeyr besucht Erfurter Telefonseelsorge

Ein verborgener Dienst

Ein Bischof soll regelmäßig sein ganzes Bistum visitieren. Dass dabei nicht nur Gemeinden im Fokus stehen, zeigte der Besuch von Bischof Neymeyr bei der Erfurter Telefonseelsorge. Ein Termin, der ihn dankbar machte.

Bischof Ulrich Neymeyr mit der Vorstandsvorsitzenden der Erfurter Telefonseelsorge, Pfarrerin Tabea Schwarzkopf (rechts), und Stellenleiterin Uta Milosevic. | Foto: Matthias Burkert

Womit kann man einen Bischof beeindrucken? Die 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Erfurter Telefonseelsorge schafften es mit ihrem Engagement. Sie haben im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen in der Woche Zeit für alle Anrufer in Krisen.
Die Mitarbeiter der „Ökumenischen TelefonSeelsorge Erfurt“  und die Vorstandsmitglieder hatten den ersten Besuch von Bischof Ulrich Neymeyr in der Geschäftsstelle in Erfurt mit Spannung erwartet. Bei einem Rundgang durch die Räume machte er sich vor Ort ein Bild von der Ausstattung der Diensträume, wie auch von der inhaltlichen Arbeit.
An diesem Nachmittag waren auch zwei langjährige Mitarbeiter zugegen, die sehr eindrücklich ihren ehrenamtlichen Dienst für die Menschen in Thüringen schilderten. Es gab einen Austausch zu den Themen und Problemfeldern, die am Telefon auftauchen. Diese sind so vielfältig wie das Leben selbst: Probleme in der Partnerschaft, Mobbing in der Schule, Arbeitsplatzverlust, Sucht, Krankheit oder Sinnkrisen. Jeder Mensch, auch wenn er nur Fragen an sich und das Leben hat, kann und darf die Telefonseelsorge nutzen.

 
Anrufer werden einsamer und brauchen Zuhörer
In den letzten Jahren wurde während der Telefonate besonders die Vereinsamung und das damit einhergehende Auftreten psychischer Probleme immer häufiger thematisiert. Es scheint so, dass hier die ehrenamtlichen Mitarbeiter oft die einzigen Ansprechpartner sind, die noch ein offenes Ohr für die Geschichten und Anliegen dieser Menschen haben.
Seit 1992 gibt es die Telefonseelsorge in Erfurt. Sie wird zum größten Teil von den beiden großen christlichen Kirchen finanziert. Gegründet von einzelnen engagierten Christen, ist die Telefonseelsorge seit langem eine feste Größe in der Ehrenamtslandschaft mit mehr als 400 Ehrenamtlichen in den vergangenen Jahren. Die Mitarbeiter müssen nicht zwangsläufig konfessionell gebunden sein, sollten aber das Menschenbild des christlichen Glaubens nach außen vertreten können. Das heißt vor allem, auch bereit zu sein, mit Menschen in innerer Zerrissenheit ihre Not auszuhalten und auf Wunsch auch mit ihnen zu beten. Die Mitarbeiter fangen damit viel an Ängsten und Sorgen auf, die Menschen in unserer heutigen Zeit bewegen.
 
Junge Menschen nutzen lieber das Internet
Ein weiteres Thema war die Zukunft der Telefonseelsorge im Zeitalter der Digitalität. Der Ausbau der Mail- und Chatberatung steht dabei an erster Stelle. Schon heute gibt es einen Link auf der Homepage der Telefonseelsorge Erfurt (www.telefonseelsorge-erfurt.de) zu diesen beiden Angeboten. Vor allem junge Menschen nutzen die Anonymität des Internets, um in Kontakt mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter zu treten.
Bevor die Mitarbeiter ihren Dienst – egal ob am Telefon oder in der Onlineberatung – antreten, absolvieren sie eine 120-stündige Ausbildung, die sich neben den Grundlagen der Gesprächsführung und der Kommunikation auch ganz explizit der Seelsorge, dem Glauben und der Spiritualität widmet.
Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter und der gesamte Vorstand der Telefonseelsorge Erfurt danken Bischof Neymeyr für die Zeit, die er sich für das Gespräch nahm, für sein offenes Ohr und sein interessiertes Nachfragen. Es wäre schön, wenn auch in Zukunft dieser verborgene Dienst gesehen und anerkannt wird, nicht nur von den Verantwortlichen in den Kirchen, sondern auch von Politik und Gesellschaft.

Sie erreichen die Telefonseelsorge bundesweit unter den kostenlosen Nummern 08 00 / 1 11 01 11 und 08 00 / 1 11 02 22.
 
Von Uta Milosevic