30.07.2020

Zur Instruktion des Vatikans zu Gemeindereformen und Pfarreileitung

Wirklichkeitsfern ohne Lösungsangebot

Zur Instruktion des Vatikans zu Gemeindereformen und Pfarreileitung hat Bischof Gerhard Feige den Gläubigen im Bistum einen Brief geschrieben.

Bischof Gerhard Feige

Eine Woche nach Erscheinen des Vatikan-Papiers zu Gemeindereformen und Fragen der Pfarrei-Leitung (Tag des Herrn berichtete) haben sich Bischof Gerhard Feige und etwa auch der Katholikenrat des Bistums dazu deutlich kritisch positioniert. „Als Lernende nehmen wir Anregungen (der Instruktion) gern an“, schreibt Bischof Feige in einem am 27. Juli veröffentlichten Brief an die Gläubigen des Bistums. „Als Bischof lasse ich mich von deren restriktiven Anordnungen aber nicht lähmen und blockieren, da vieles darin ziemlich wirklichkeitsfern ist – besonders was unsere extreme Diaspora-Situation betrifft, die man sich offenbar gar nicht vorstellen kann – und (da) auch keinerlei positive Lösungsmöglichkeiten angesichts des noch größer werdenden Priestermangels aufgezeigt werden.“
Die am 20. Juli von der Kleruskongregation veröffentliche Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ hebt unter Berufung auf das Kirchenrecht die Rolle des Pfarrers hervor. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich Engagierten anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt.
Bischof Feige erinnert in seinem Brief zunächst an den langjährigen Weg im Bistum, angesichts der massiven Diaspora gangbare Wege zu finden, um weiter Zeugnis vom Evangelium geben zu können. Dabei habe man „bis heute keine perfekten Lösungen gefunden“, aber „konkrete Vorstellungen und berechtigte Hoffungen“. Jede Pfarrei, die vor der Frage steht, wie es weitergeht, könne sich daran orientieren, müsse aber ihren je eigenen Weg finden. „Mit großen Respekt“ dankt Feige allen, die sich dabei engagieren, „für ihre Treue und ihr Glaubenszeugnis“.
„Sicher“, so der Bischof, sei „es nicht die bewusste Absicht der Kleruskongregation, unter den noch gutmütigen Christen ‚das geknickte Rohr zu zerbrechen und den glimmenden Docht auszulöschen‘ (vgl. Jes 42,2), dennoch hinterlässt die Instruktion neben Ratlosigkeit und Verärgerung auch großen Schaden“. Manche werde sie demotivieren, sich für die Kirche überhaupt noch einzusetzen.
Feige ist überzeugt, dass sich die Gestalt von Kirche noch dramatischer verändern wird: „Da hilft es kein bisschen weiter, nur hehre Prinzipien heraufzubeschwören und auf kirchenrechtliche Vorgaben zu verweisen.“ Stattdessen müsse „unter Beachtung der theologischen und personellen, regionalen und ökonomischen Rahmenbedingungen verantwortungsbewusst und einfühlsam sowie kreativ und mutig überlegt, besprochen und entschieden werden, in welcher Form Pfarreien und Gemeinden auch in Zukunft noch bestehen und lebendig von Gott künden können“.
Die Gläubigen ruft Feige auf: „Lassen Sie sich nicht entmutigen. Suchen wir gemeinsam nach verantwortbaren und verkraftbaren Möglichkeiten, damit Kirche in unserem Bistum weiter lebendig bleibt und ihrer missionarischen Sendung gerecht werden kann.
Der Katholikenrat des Bistums verweist in seiner Stellungnahme auf das Schreiben des Papstes zur Amazonassynode „Querida Amazonia“ von 2020, in dem es heißt: „Eine Kirche mit amazonischen Gesichtszügen erfordert die stabile Präsenz reifer und mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteter Laien-Gemeindeleiter.“ (QA Nr. 94) Dies treffe auch auf Gebiete außerhalb Südamerikas zu.

Texte des Bischofs und des Katholikenrats im Wortlaut

Von Eckhard Pohl