23.07.2020

Berliner Landgericht weist Urheberrechtsklagen ab

Kein Grund für einen Baustopp

Das Berliner Landgericht hat Urheberrechtsklagen im Zusammenhang mit der Umgestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale abgewiesen. Das Eigentumsrecht des Erzbistums habe Vorrang vor dem Urheberrecht der Künstler.

Die Umgestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin ist umstritten. Ein aktueller Rechtsstreit ging jetzt zugunsten des Erzbistums aus.    Foto: imago images/Joko
 
Das Landgericht Berlin sieht keinen Grund für einen Baustopp bei der Umgestaltung der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Es wies am 14. Juli mehrere Urheberrechtsklagen gegen das Erzbistum Berlin ab. Sie kamen von Künstlern, die um 1960 an der Ausgestaltung der wiederaufgebauten Kathedrale beteiligt waren, oder deren Rechtsnachfolgern. Die Kläger wollten damit die geplante Umgestaltung des Innenraums verhindern (Aktenzeichen 15 O 389/18).
In dem Urteil erklärte der Richter Claas Schaber, das Eigentumsrecht des Erzbistums habe Vorrang vor dem Urheberrecht der Künstler. Beim Umbau werde die bisherige künstlerische Gestaltung des Innenraums nicht nur verändert, sondern beseitigt, so dass die Künstler keine Urheberrechte mehr geltend machen könnten. Das Gericht ließ die Möglichkeit zur Berufung zu; damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Der Rechtsvertreter der Kläger, Horst Peter, erklärte, es sei noch offen, ob die Kläger in Berufung gehen. Dies entschieden sie in Abstimmung mit dem Verein „Freunde der Sankt Hedwigskathedrale“, der sich ebenfalls gegen das Umbauprojekt stellt. Der Vereins-Vorsitzende und frühere sächsische Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer nannte das Urteil „enttäuschend“ und kündigte an, für den Verein sei „das Thema nicht erledigt“. Auch vor dem Verwaltungsgericht Berlin hatten die Kläger im Januar 2019 bereits keinen Erfolg. Es wies zwei Klagen von ihnen mit der Begründung ab, sie hätten im Bereich des öffentlichen Rechts kein Klagerecht.
Bistumssprecher Stefan Förner erklärte, das Erzbistum nehme die Argumente der Kritiker „ernst“. Die ausgebauten Kunstgegenstände seien „eingelagert und dokumentiert“. Förner gab an, das Erzbistum erwarte in Kürze die staatliche Baugenehmigung, damit die Umgestaltung des Kathedralinneren beginnen könne. Die Kathedrale ist seit September 2018 geschlossen. Derzeit ist sie für die Arbeiten an der Kuppel teilweise außen eingerüstet.
Denkmalpfleger und Kritiker im Erzbistum wenden sich vor allem dagegen, dass die zentrale Bodenöffnung mit einer Treppe zur Unterkirche beseitigt wird. Der Architekt Hans Schwippert (1899–1973) hatte sie beim Wiederaufbau der Kirche nach 1945 unter Mitarbeit von Künstlern aus Ost- und Westdeutschland angelegt. Bei der Umgestaltung wird der Altar ins Zentrum der Rundkirche gerückt, um nach Angaben des Erzbistums Berlin besser nach den gegenwärtigen kirchlichen Vorgaben Gottesdienste feiern zu können.
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hatte das Projekt vor über drei Jahren beschlossen. Zuvor hatte er dazu Experten-Symposien veranstaltet und Voten aller Gremien des Erzbistums eingeholt, die dem Projekt zustimmten. Mit einem Architekten-Wettbewerb eingeleitet hatte das Vorhaben noch Kochs Amtsvorgänger, Kardinal Rainer Maria Woelki, bevor er Erzbischof von Köln wurde.
 
Stichwort: St. Hedwigs-Kathedrale
Die Berliner St. Hedwigs-Kathedrale gehört zu den bedeutenden katholischen Gotteshäusern in Deutschland. Die Bischofskirche des Erzbistums Berlin hatte bis zu ihrer sanierungsbedingten Schließung im September 2018 jährlich mehr als 200 000 Besucher.
Geweiht wurde der Kuppelbau am 1. November 1773. Architektonisches Vorbild war das antike Pantheon in Rom. Zusammen mit Humboldt-Universität, Staatsoper und Königlicher Bibliothek bildet das Gotteshaus am Boulevard Unter den Linden das Ensemble des Forum Fridericianum.
Der Bau entstand auch auf Initiative von Friedrich dem Großen. Anlass war die wachsende Zahl der Katholiken in Preußen durch den Ausbau der Armee und die Eroberung Schlesiens. Die Kirche ist nach der Patronin der neuen Provinz, der heiligen Hedwig von Schlesien (1174–1243), benannt.
Seit der Weihe wurde die Kirche dreimal umgestaltet. Der bislang stärkste Eingriff fand nach dem Zweiten Weltkrieg statt, in dem Bomben die Kathedrale bis auf die Umfassungsmauern zerstörten. Bis 1963 baute der renommierte Düsseldorfer Architekt Hans Schwippert (1899–1973) sie innen in modernen Formen wieder auf. Eine architektonische Besonderheit war seither eine rund acht Meter große Bodenöffnung im Zentrum des Kirchenraums. Über eine Treppe war damit die Unterkirche mit den Grabkapellen der Berliner Bischöfe und des seligen Dompropsts Bernhard Lichtenberg (1875–1943) erreichbar.
 
(kna)