25.03.2021

Erzbischof Heiner Koch eröffnet Themenjahr für die Familie

Mit Säge und Hobel

Erzbischof Heiner Koch eröffnete mit einem Familiengottesdienst zum Josefstag in Berlin-Weißensee das Themenjahr für die Familie. In dessen Mittelpunkt soll die „Freude der Liebe“ stehen.

Erzbischof Koch zeigt während der Predigt eine Säge und einen Hobel – Werkzeuge, die der heilige Josef als Zimmermann benötigt hat.    Fotos: Oliver Gierens

 

Wenn der Berliner Erzbischof Heiner Koch die Familiensynode in Rom im Oktober 2015 Revue passieren lässt, dann sind das sehr persönliche Erinnerungen. Denn zusammen mit Bischöfen aus aller Welt war Koch seinerzeit vor Ort dabei. „Wir haben damals in Rom zwar gekämpft, aber wir haben auch versucht, zusammenzuwachsen“, sagte der Ehe- und Familienbischof der Deutschen Bischofskonferenz am 19. März in der Kirche St. Josef in Berlin-Weißensee. Mit einem Gottesdienst zum Hochfest des heiligen Josef eröffnete er das „Jahr der Familie“, das Papst Franziskus zum fünften Jahrestag seines Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“ (dt.: „Die Freude der Liebe“) ausgerufen hat. Am 19. März 2016 hatte der Heilige Vater das Nachsynodale Schreiben unterzeichnet, das die Ergebnisse der Familiensynoden von 2014 und 2015 zusammenfasst.
Damals, nach der Veröffentlichung, so Erzbischof Koch am Freitagabend, sei vor allem über eine Fußnote diskutiert worden – nämlich über die Frage, ob geschiedene und wiederverheiratete Gläubige die heilige Kommunion empfangen dürften. Auch deswegen sei dieses Jahr der Familie eine Gelegenheit, um den eigentlichen Kern der Botschaft des Apostolischen Schreibens stärker hervorzuheben: Wie die „Freude der Liebe“ insbesondere in Ehe und Familie gelingen könne. Das sei auch nach Ansicht des Papstes noch zu wenig diskutiert worden.

Ein Bischofsstab und der heilige Josef
In seiner Predigt demonstrierte der Berliner Erzbischof dies anhand seines Bischofsstabes: Der bestehe nämlich aus drei verschiedenen Hölzern. Zum einen sei er aus Ahornholz gebaut, das vor allem in Berlin und der näheren Umgebung wachse. Der zweite Bestandteil sei Buchenholz, das insbesondere in Brandenburg vorkomme und das dritte Holz – die Eiche – stamme aus Vorpommern. Alle drei Holzarten repräsentieren nicht nur die drei Landesteile des Erzbistums, sondern stünden auch mit dem heiligen Josef in Zusammenhang. Denn um die drei Holzsorten miteinander zu verbinden, brauche es neben den Bäumen, die ein Geschenk Gottes seien, auch einen Schreiner, der damit umgehen könne. Zur Demonstration hielt er eine Säge und einen Hobel in die Höhe: Die Werkzeuge, mit denen der heilige Josef, der nach kirchlicher Überlieferung ein Zimmermann war, gearbeitet hat. Josef habe sich durch „Kraft, Elan und Durchhaltevermögen“ ausgezeichnet, so Erzbischof Koch. Er habe auch in schwierigen Situationen „durchgehalten“ und sei damit ein Vorbild für die christliche Familie. Koch erinnerte besonders an drei entscheidende Worte, die Papst Franziskus für das Familienleben hervorgehoben habe: „Danke“, „Bitte“ und „Entschuldigung“.
Damit diese Worte im Gedächtnis bleiben, erhielten die Besucher des Familiengottesdienstes – insbesondere Kinder der Kita St. Josef, der Theresienschule und des Erstkommunionkurses – eine Tasse, auf der die drei Worte aufgedruckt sind. Außerdem bekamen sie eine Geschenktüte, in der neben einer kleinen Leckerei auch eine kleine Handreichung für die Kindersegnung in der Familie enthalten war.

 

Ein Kinderchor begleitete den Familiengottesdienst zum Josefstag.

 

Familie als Hauskirche neu etablieren
Solche praktischen Hilfen für Zuhause sollen nach Mitteilung des Erzbistums im Jahr der Familie, das bis zum katholischen Weltfamilientreffen in Rom im Juni 2022 dauert, noch häufiger folgen. In ganz Deutschland möchte Erzbischof Koch in das Zentrum des Familien-Jahres einen „liturgischen Begleiter stellen, der die Familien durch das Jahr führt. Denn in Zeiten der Corona-Pandemie ist die Bedeutung der Familie als Hauskirche noch einmal gewachsen“, so Koch. Diese Begleitung soll mit dem Osterfest beginnen und für das gesamte Kirchenjahr hilfreiche Vorlagen geben, die online (www.dbk.de/jahr-der-familie) abrufbar sein sollen. Neben Predigt- oder Andachtsvorschlägen seien unter anderem Stationen für einen Kreuzweg, Familien- und Kinderkatechesen, Meditationen und Gedichte geplant.
Wie Erzbischof Koch ergänzte, sind neben klassischen Familiengottesdiensten unter anderem ein bundesweiter „Tag der Großeltern“ sowie ein großer Kongress zu „Familie und Hauskirche“ geplant. Auf diese Weise soll die Botschaft von „Amoris laetitia“ auf niederschwellige Weise in den katholischen Familien ankommen – und damit die Botschaft der Familiensynode von 2015 weniger akademisch geführt werden, als das bisher zuweilen der Fall war.

Mehr Infos zum „Jahr der Familie“ im Erzbistum Berlin unter: www.erzbistumberlin.de/familie

Von Oliver Gierens