30.04.2019

Vollversammlung des Berliner Diözesanrats in Stralsund

Mit Methode hinaus aufs Meer

Die Vollversammlung des Diözesanrats hat bei ihrer Tagung am 26. und 27. April in Stralsund die Arbeit am Strategieprozess „Miteinander – 2020“ fortgesetzt. Ziel ist es, eine neue Satzung zu verabschieden und die Teilhabe der Mitglieder an der Arbeit des Laiengremiums zu stärken.

Den Heiligen Geist ins Boot geholt: Morgendliche Andacht in der Stralsunder Nikolaikirche.

 

„Diese Sitzung steht im Zeichen des Nachdenkens über die Zukunft des Diözesanrats.“ Denn in der Fortsetzung des Strategieprozesses „Miteinander 2020“ geht es schlussendlich darum, eine neue Satzung zu erarbeiteten und gleichzeitig mehr Teilhabe zu erreichen. „Das Rathaus von Stralsund ist traditionell ein Ort des Handelns, Handels und Verhandelns“, sagte in seinem Grußwort an die Laienvertreter der Stralsunder Bürgermeister Alexander Badrow. Der Ort der Versammlung umrahmte in besonderer Weise die Inhalte der Sitzung – die altehrwürdigen Räumlichkeiten inmitten des besonderen Flairs der Hansestadt genauso wie die Entfernung nach Berlin und Brandenburg.
 
Haftnotizen für das Zielgruppenprofil, Steinchen für die aktuellen „Baustellen“: Der Diözesanrat arbeitete mit modernen Methoden am Strategieprozess weiter. Dabei gab es auch viel Raum für Diskussionen. | Fotos: Cornelia Klaebe

Arbeitsbereiche wie Segelboote, die sich aufs Meer hinaus wagen
Von Berlin ging die planmäßig gut dreistündige Anreise mit dem Zug mit einer einstündigen Verspätung einher. Nicht nur deshalb gab es einen Dank von Erzbischof Heiner Koch und dem Diözesanratsvorsitzenden Bernd Streich sowie Applaus aus der Versammlung für die Katholiken aus Vorpommern, die vielfach den Weg „in die andere Richtung“ bereitwillig in Kauf nehmen.
Passend zu Stralsund als Stadt am Meer stellte die Steuerungsgruppe des Strategieprozesses anhand von Segelbooten, die sich aufs Meer hinaus wagen, fünf Bereiche vor, die für die Arbeit des Diözesanrats wichtig sind: Zusammensetzung, Attraktivität, Arbeitsweise, Aufgaben und Wirkung. Gemeinsam mit Esther Göbel und Gregor Henke aus der Kirchlichen Organisationsberatung, die auch die Vollversammlung moderierten, hatten seit Februar Arbeitsgruppen Grundlagen und Anregungen für den Austausch der Vollversammlung vorbereitet. Mit Hilfe moderner Methoden diskutierten und vertieften die Mitglieder des Diözesanrats die Themenschwerpunkte.
So sammelten sie auf kleinen Bausteinen die aktuellen „Baustellen“, die angegangen werden müssten. Sie konnten auf einer Stellwand ihre persönlich favorisierte Zusammensetzung eines zukünftigen Diözesanrats nach Ende des Pastoralen Prozesses mit den neuen Pfarreien zusammenstellen und fotografisch dokumentieren. Probleme und Wünsche zur Attraktivität des Diözesanrats konnten genauso an einer Wand gesammelt werden wie an einer benachbarten Ideen und Fragen zur Arbeitsweise. Auch Gedanken zu Aufgaben und Zielen des Gremiums hielten sie auf Plakaten fest.
Kleingruppen machten sich am Nachmittag mittels einer „Business-Model-Canvas“ (Esther Göbel: „Das ist eine Art Fahrplan: Wie komme ich von einer guten Idee zum fertigen Produkt?“) Gedanken dazu, wie die Laienvertretung bestimmte Zielgruppen erreichen kann. Dafür entwickelten sie Profile der Zielgruppe, machten eine Bestandsaufnahme der Angebote des Diözesanrats und verglichen Angebote mit Bedarfen.

 
Zufrieden mit Methoden, Zweifel an Terminsetzung
Zufrieden zeigten sich viele Ratsmitglieder am Ende der Sitzung an der Arbeitsweise mit verschiedenen Methoden. Dadurch könne man besser den ganzen Tag bei der Sache sein als bei langen Diskussionen, äußerten mehrere Mitglieder. „Es ist für mich wichtig gewesen, dass wir uns Gedanken machen, wofür der Diözesanrat da ist und wie er arbeiten soll“, sagte Fabian Schmöker.
Bernd Streich zeigte sich beeindruckt: „Es gibt ein ungeheures Engagement und eine ungeheure Vielfalt unter uns.“ Das solle aber nicht zur Überforderung führen. Maja Petrauschke aus der Steuerungsgruppe des Strategieprozesses sagte in ihrem Fazit: „Das war heute ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es werden viele kleine Schritte sein, aber wir werden am Ende das Ziel erreichen.“
Wann genau dieses Ende ist, war aber noch unklar. Aus dem Plenum wurde dem Vorstand die Aufgabe mitgegeben zu prüfen, wann die angestrebte neue Satzung spätestens verabschiedet werden muss. Ursprünglich geplant war, sie in der Vollversammlung 2019 im kommenden November zur Abstimmung zu bringen. Dieses Ziel hielten sie nicht für realistisch, wenn man nichts übers Knie brechen wolle, äußerten mehrere Diözesanratsmitglieder am Rande der Sitzung.
Nötig wird die neue Satzung unter anderem durch das Fortschreiten des Pastoralen Prozesses und die damit verbundene Errichtung der neuen Pfarreien: Die bisherige Satzung sieht vor, dass die Dekanatsräte jeweils Vertreter entsenden. Diese Zwischenebene wird es aber so nicht mehr geben. Die ersten neuen Pfarreien, St. Elisabeth in Tiergarten-Wedding und St. Franziskus in Reinickendorf-Nord bestehen bereits. Weitere werden bald folgen. Manche neuen Pfarreien werden zum Beginn der nächsten Amtsperiode des Diözesanrats 2020 dementsprechend bereits ihre Pfarrei- und Gemeinderäte gewählt haben. Einig waren sich viele darin, dass es in jedem Fall spannend bleibt.
 
Segelboote standen symbolisch für die Arbeitsbereiche im Strategieprozess. Den nötigen „Wind“ brachten zahlreiche Diskussionen.
 
Pollert folgt auf von Schewick im Verwaltungsrat
In den Diözesanvermögensverwaltungsrat (DVR) wählte das Laiengremium Gabriele Pollert. Sie folgt auf Hans-Jürgen von Schewick, der diese Aufgabe 15 Jahre lang ausübte. Der DVR ist das höchste Finanzgremium im Erzbistum und hat umfassende Beratungs-, Mitwirkungs- und Aufsichtsmöglichkeiten. Er muss dem Haushalt des Erzbistums zustimmen.
 
Von Cornelia Klaebe