02.11.2018

Geschichten aus der Bahnofsmission

Ein unvergessener Reisender

Adelheid Bornholdt hat von 1991 bis 2015 die ökumenische Bahnhofsmission Magdeburg geleitet. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen:


Es ist ein ruhiger Septemberabend. Zwei Mitarbeiter der ökumenischen Bahnhofsmission Magdeburg beginnen ihren Nachtdienst. Während sie mit Vorbereitungen beschäftigt sind, klingelt das Telefon. Ein Bahn-Mitarbeiter berichtet aufgeregt, dass in Kürze ein 25-jähriger Rollstuhlfahrer ohne Arme und ohne Beine mit einem Zug aus Leipzig ankommen wird und Hilfe benötige.
Als der schwerstbehinderte Reisende eintraf, stellte sich beim Gespräch mit den Diensthabenden heraus, dass er aufgrund widriger Umstände obdachlos geworden ist und keine Perspektive für seine Leben sehe. Die Mitarbeiter waren zunächst ratlos. Gemeinsam wurde über mögliche weitere Schritte beraten, mit zahlreichen Telefonaten zu Behinderteneinrichtungen, Krankenhäusern, Pflegeheimen … Im Raum Magdeburg wurde versucht, eine Betreuung für diesen Reisenden zu finden. Alle Telefonate schienen erfolglos, doch dann geschah ein „Wunder“. Eine Ärztin aus einem christlichen Krankenhaus konnte es ermöglichen, dass der schwerstbehinderte  junge Mann eine Übernachtung mit behindertengerechter sozialer Betreuung erhalten sowie die Fahrt dorthin organisiert werden konnte. Während des Aufenthaltes in der Bahnhofsmission erhielt er alle möglichen Hilfen, wie Getränke, Speisen und anderes mehr. Kurz vor Mitternacht war es dann soweit: Der junge Mann konnte in das christliche Krankenhaus aufgenommen werden. Seine Freude und Dankbarkeit waren unbeschreiblich!
Am folgenden Tag nahmen die Mitarbeiter der Bahnhofsmission Kontakt zu dem  Krankenhaus auf und erkundigten sich nach dem Befinden ihres „Patienten“. Es gehe ihm gut, bedürfe aber noch einiger Absprachen mit den zuständigen Stellen, um  die  Lebenssituation ihres „Gastes“ verbessern zu können.
Den weiteren Weg unseres unvergessenen Reisenden, der uns alle sehr nachdenklich gemacht hat, konnten wir leider nicht verfolgen. Möge er durch Gottes Geleit und der vielfältigen fürsorglichen Unterstützungen zahlreicher Menschen einen Weg gefunden haben.