28.02.2019

Ausstellung „Von Einhörnern und Drachentötern“ in Mühlhausen

Innerlichkeit

„Von Einhörnern und Drachentötern“ heißt eine Ausstellung in der Marienkirche Mühlhausen. Bis Ende 2023 werden hier Kunstwerke des Mittelalters gezeigt, die zum Bestand der Klassik-Stiftung Weimar gehören.

Aus der Werkstatt von Jacob Naumann in Altenburg stammt der heilige Georg. Die Figur des Drachentöters ist nur noch fragmentarisch erhalten. So fehlt der rechte Arm, der auch die Lanze hielt. Die Figur entstand unter Mitwirkung von Franz Geringswalde um 1505. | Fotos: Holger Jakobi

 

Ein Engel treibt das Einhorn – ein Symbol für Jesus Christus – auf Maria zu. Die Darstellung erinnert an die Menschwerdung Gottes. Der heilige Georg – einer der 14 Nothelfer – lächelt. Der Arm mit dem er die Lanze hält, mit der er den Drachen tötet, fehlt. Im Laufe der Jahrhunderte ist er verloren gegangen. Ebenso die Lanze und der Drache. Beide Kunstwerke gehören zur Ausstellung „Von Einhörnern und Drachentötern – Mittelalterliche Kunst aus Thüringen“, die bis Ende 2023 in der St. Marienkirche Mühlhausen zu sehen ist. Die Schau ist ein  Projekt der Museen in Mühlhausen und der Klassik-Stiftung in Weimar, wo die umfangreiche Sammlung von Altären, Skulpturen und Tafelgemälden im Stadtschloss gezeigt wurden. Das Schloss wird momentan saniert, restauriert und für den weiten Museumsbetrieb fit gemacht.
 
Die heilige Apostelin Maria Magdalena. Magdalena schloss sich Christus an und salbte nach dessen Tod seinen Leichnam. Die dargestellte Skulpur stammt vermutlich aus Thüringen und wurde in den Jahren 1340 / 1350 gefertigt. In Mühlhausen gab es in der Brückenstraße ein Kloster der Magdalenerinnen, deren Namen auf die Heilige zurückgeht.

Ausdruck eines starken und tiefen Glaubens
Die vorgestellte Sammlung bietet einen beispielhaften Einblick in die spät-mittelalterliche Kunst Thüringens. Sie entstanden in einer Zeit, die von einem starken und tiefen Glauben geprägt war. Dieser fand in der Ausstattung der Pfarr- und Klosterkirchen seinen lebendigen Ausdruck. „Sie waren der Ort, an dem man im gemeinsamen Gebet und zahlreichen Gottesdiensten um das eigene Seelenheil und das der Verstorbenen Fürbitte hielt“, heißt es in den Begleittexten zur Ausstellung. Weiter: „Dabei wurden auch die Heiligen um ihre Fürsprache bei Gott angerufen. Diese Verehrung spiegelt sich unter anderem in den Namen der Gotteshäuser wider. So gibt es in Mühlhausen eine Marien-, Nicolai-, Jakobi- oder Blasiuskirche. Die großzügig angelegte Architektur und Ausstattung sollte ein Abbild des ,himmlischen Jerusalem‘ sein, in dem die Menschen nach der Apokalypse Frieden und Sicherheit finden.“ Diese Hoffnung ist durch die ausgestellten Werke nachvollziehbar und durchaus inspirierend für das Leben der Betrachter. Bildwerke wie die Skulptur der heiligen Maria Magdalena (Foto unten) strahlen eine Innerlichkeit aus, die den intensiv Schauenden tief berühren kann.

 
Gerötete Wangen und die Haare vergoldet
Die Maria Magdalena gehört zu den ältesten Objekten, sie wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts – einer Epoche, die Mystiker wie Meister Eckhart (1260 bis 1328) prägten – geschaffen. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Darstellung einer unbekannten Heiligen aus Köln (1330/1340). „Die nicht mehr vollständig erhaltene Skulptur hat sowohl ihre Attribute als auch einen Großteil ihrer ursprünglichen Farbigkeit verloren. So war das Kleid ehemals blau, das Gesicht zartrosa und mit geröteten Wangen versehen, die Haare vollständig vergoldet,“
Für die baulichen Maßnahmen in der Marienkirche, die Ausstellungsgestaltung- und Vermittlung wurden Fördermittel des Landes aus dem Kommunalen Investitionsprogramm in Höhe von 250 000  Euro zur Verfügung gestellt. Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Kulturminister und Chef der Staatskanzlei, sieht in der Kooperation der Mühlhäuser Museen mit der Klassik Stiftung Weimar die Chance, Mühlhausen noch stärker als ein Zentrum für mittelalterliche Kunst aus Thüringen zu etablieren. Die museale Präsentation biete eine zusätzliche Gelegenheit für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der mittelalterlichen Kunst aus Thüringen. Die Marienkirche, 1243 vom Deutschen Orden als Hauptpfarrkirche gebaut, war Wirkungsort des Reformators Thomas Müntzer und des Musikers und Komponisten Johann Sebastian Bach.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Karfreitag bis Ostermontag geöffnet.
 
Von Holger Jakobi