12.05.2022

Anstoß 19/22

Schwerter zu Pflugscharen

Der Prophet Micha und der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King haben eine Vision.


Im Radio läuft „Give peace a chance“ von John Lennon (Gib Frieden eine Chance). Am gleichen Tag laufen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Leider ohne Erfolg, wie der Radiomoderator sagt. Er spricht vom Frieden, den wir jetzt alle brauchen und den das Lied besingt. 1959 hat die damalige Sowjetunion der UNO ein Denkmal geschenkt: Ein Schmied schafft mit großem Hammer und Schwung aus einem Schwert einen Pflug. „Schwerter zu Pflugscharen“, die Verheißung aus dem biblischen Buch Micha. Jewgeni Wutschetitsch, ein ukrainischer Bildhauer hat es geschaffen. In der DDR war es ab 1981 das Zeichen der Friedensbewegung, die aus den Kirchen kam. Über 40 Jahre später ist diese Hoffnungsvision aktueller denn je. Gleichzeitig wirkt sie völlig aus der Zeit gefallen. Das Lied von John Lennon und das Bild des Umschmiedens bewegen uns. Wir wünschen, hoffen, sehnen uns nach Frieden. Wie viel mehr muss das Menschen betreffen, die mittendrin sind. Die in Kellern sitzen oder in Panzern hocken. Egal auf welcher Seite.
Schwerter zu Pflugscharen: Der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King nahm das Bibelzitat als Grundlage einer Predigt zum Vietnamkrieg. Heute, über 50 Jahre später, sind seine Worte leider wieder aktuell: „Vertrauen wir der weltverändernden Kraft der Liebe. Geben wir dies nicht auf. Mit diesem Vertrauen können wir den Tag beschleunigen, an dem wir überall auf der Welt singen: … Dank Gott, dem Allmächtigen, wir sind endlich frei! … Nationen werden nicht gegen Nationen aufstehen, noch werden sie mehr Krieg lernen.“ Der Prophet Micha und der amerikanische Bürgerrechtler haben eine Vision. Sie machen deutlich, was werden könnte, wenn Menschen anders handeln als üblich. Dann hat das Zerstörerische keinen Bestand. Weil es die Liebe nicht kennt. Weil ihm die Empathie, das Mitgefühl, fromm ausgedrückt die Nächstenliebe, fehlen. Die Liebe ist das, was den Menschen zum Menschen macht. Das, was ihn groß und erhaben werden lässt. Das ist eine Größe, die nicht auf tönernen Feldherrenstiefeln steht.

Von Guido Erbrich, Biederitz