16.09.2021

Akademieabend zur Umgestaltung der Hedwigs-Kathedrale

Auf das Echo der Kirche hören

Die Umgestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale folgt keinem detailliert im Voraus festgelegten Plan. Sie entwickelt sich stetig weiter. Der Künstler Leo Zogmayer informierte in der Katholischen Akademie über den neusten Stand.

Bei Baustellenführungen (hier mit Dompropst Tobias Przytarski) können Interessierte sich von Zeit zu Zeit über den aktuellen Stand der Planungen und über Baufortschritte informieren.    Foto: Detlef Bluhm

 

Die künftige Innengestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale soll historisch Vorgegebenem gerecht werden und zugleich im Dienst zeitgemäßer Liturgie stehen, machte Leo Zogmayer deutlich, der 2014 gemeinsam mit dem Architektenbüro Sichau & Walter den Architekturwettbewert zur Sanierung und Neugestaltung der Hedwigs-Kathedrale gewonnen hatte. Bei einem Gesprächsabend, zu dem der Förderverein Hedwig21 in die Berliner Katholische Akademie eingeladen hatte, verriet der Wiener Künstler, dass er dafür nicht nur mit unterschiedlichsten Interessenvertretern im Austausch steht, sondern auch mit dem Gotteshaus selbst. „Wir hören auf das Echo des Gebäudes“, sagte er.
Eine Kirche spende Trost, zeige Hoffnung auf, vermittle das Gefühl des Willkommenseins, ermögliche vielfältige Liturgie, „predige“ also gewissermaßen ständig. Es erfordere sorgfältige Planung, dass der Raum stimmig und ansprechend als heiliger und heilender Ort erfahrbar ist. Ein Anliegen sei es zum Beispiel, die Eingangshalle möglichst einladend zu gestalten. Ein auf der Glastür lesbarer Impuls soll neugierig machen: „Gott ist.“ Ähnliches könnte ein Verweis auf die Bibelstelle Exodus 3,5 bewirken: „Leg deine Schuhe ab, du betrittst heiligen Boden.“

„Ziel ist es nicht, den Touristen viel zu bieten“
Der halbkugelförmige Altar sei eine „Antwort“ auf die Halbkugelform der Kuppe. Altarraum und Gemeinderaum bilden gemeinsam den Raum, in dem die Gemeinschaft der Gläubigen erfahrbar ist. Der Ambo steht zwischen Altar und Bischofssitz, dort, wo er von fast allen Sitzplätzen aus seitlich oder von vorn  sichtbar ist. Sowohl der Ambo als auch der Altar werden aus Werkstein gegossen, der aus gemahlenen Steinen aus allen Gemeinden des Erzbistums gemischt wird.
Dass der Bischofsstuhl nicht an einen Thron erinnert und nur kaum wahrnehmbar erhöht steht, begründete Dompropst Tobias Przytarski mit einem Zitat von Augustinus. „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.“ Nur eine höhere Rückenlehne mit dem Bischofswappen und eine andere Farbe lassen auf eine Kathedra schließen. „Auch der Priestersitz hebt sich nur durch eine hellere Farbe von den Stühlen für die Domkapitulare und die Gläubigen ab, erläuterte der Dompropst. „Wir wollen keinen zweiten Kölner Dom, durch den man mit dem Kunstführer in der Hand geht.“ Ziel sei es nicht, Touristen viel zu bieten, sondern sie durch Architektur und Kunst für das Geheimnis Gottes anzusprechen.

 

Im Gespräch über die künftige Gestaltung der Kathedrale: Dompropst Przytarski (links), Claudia Nothelle vom Umbau-Förderverein Hedwig21 und Leo Zogmayer.    Foto: Walter Plümpe


Besonders positiv nahmen die  rund 20 Veranstaltungsgäste Zogmayers Idee des künftigen Kreuzwegs auf: Anstelle bildhafter Darstellungen werden 14 Steinplatten in den Boden eingelassen. Von der dreizehnmal durchtrennten ersten „Station“ wird für jede weitere Station eine Teilung weniger vorgenommen. Schließlich  bleibt zum Schluss nur noch ein Kreuz, dann ein einziger Strich, dann eine leere, ungeteilte als heil wahrnehmbare Platte übrig. So entsteht ein „Prozessionsweg“, der viel Spielraum zum persönlichen Meditieren lässt.
Die Unterkirche könnte nach der Umgestaltung die größte Taufkapelle Deutschlands werden. Hier bilden Altar und Ambo die  Brennpunkte des liturgischen Raumes. In der Mitte ist das als Kreuz geformte Taufbecken zum Untertauchen platziert.
Die bisherige Sakristei wird Sakramentskapelle. Auf der Steinstele in der Mitte soll ein Tabernakel stehen. Damit für diesen Raum, die Oberkirche und die Krypta die Würde bewahrt bleibt, braucht es Personen, die zu den Öffnungszeiten präsent sind, vermitteln und betreuen. Rund um den Altar sind drei Leuchter und ein Vortragskreuz platziert, die zusätzlich als eine Art „mentale Hemmschwelle“ Touristen zu respektvollem Verhalten motivieren sollen.

Von Walter Plümpe
 

Kommentare

Was sagt das über die Strahlkraft der katholischen Theologie des 21. Jahrhunderts aus, wenn auf eine Tür mit der Aufschrift "Gott ist" nur ein leerer Raum folgt?