20.01.2022

„Admissio“ von Erzbischof Koch für zwei angehende Priester

Unterwegs, Priester zu werden

Der eine ist 25, der andere 55. Beide wollen Priester werden. Mit der „Admissio“ nahm Erzbischof Heiner Koch Jonas Treichel und Tibor Bujdak kürzlich als Weihekandidaten auf.

Jonas Treichel (links) und Tibor Budjak nach dem Admissio-Gottesdienst.    Foto: Jörg Farys

 

„Admissio – was issn dit“, fragt ein Mann, während er sich zum Gottesdienst anmeldet. „Dr. Google“ weiß Bescheid: Im Römischen Reich war die Admissio (lat. für Zulassung oder Zutritt) die Eintrittskarte für eine Audienz zum Beispiel beim Kaiser. In der Römisch-Katholischen Kirche bezeichnet Admissio die An- und Aufnahme eines Bewerbers als Weihekandidat für den Diakonat und das Presbyterat.
Erzbischof Koch erklärte es lebenspraktisch: „Nach einem langen und intensiven Studium mögen Sie nun lernen, Zeugnis zu geben von der Gegenwart Gottes in unserem Leben. Damit die Menschen erfahren, dass der Himmel offen steht.“ Für die Kandidaten Tibor Bujdak und Jonas Treichel begann mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Marien in Berlin-Karlshorst die dreijährige Berufseinführung.
Tibor Bujdak, 1966 in der kleinen Stadt Handlova im Südwesten der Slowakei geboren, studierte Katholische Theologie zunächst in Bratislava, danach an der  Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. 2005 kehrte er in seine Heimat zurück und gründete dort ein Unternehmen. Das anhaltende Spüren einer Berufung ließ ihn nach Deutschland zurückkehren. Das Pastoralpraktikum absolviert er in der Pfarrei St. Hildegard von Bingen Marzahn-Hellersdorf. Gemeindereferentin Susanne Siegert und Pfarrer Martin Benning begleiten ihn.
Jonas Treichel (25) studierte nach dem Abitur an der Katholischen Theresienschule in Berlin sowie einem Vorbereitungsjahr in Bamberg an der Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. Nach einem längeren, ihn prägenden Studienaufenthalt in Paris schloss er 2021 das Studium in Erfurt ab. Das Pastoralpraktikum absolviert er im Pastoralen Raum Charlottenburg-Wilmersdorf. Sein Mentor ist der Pfarradministrator der Gemeinde Heilig Geist in Berlin-Westend, Pater Gerald Tanye SVD (Steyler Missionare).

„Ein Weg mit Gott ist gar nicht langweilig“
Nach der Vorstellung der beiden Bewerber bat der Leiter Aus- und Fortbildung, Ordinariatsrat Matthias Goy, den Erzbischof um deren Aufnahme als Kandidaten für die Diakonen- und Priesterweihe. Der Bischof nahm diesen Entschluss im Namen der Kirche „freudig entgegen“.  
Zwei Kandidaten – zwei Glaubensbiografien. Beide wollen Priester werden. Über ein spektakuläres Berufungserlebnis könne er nicht berichten, sagt Jonas Treichel. Ein „richtiger“ Engel ist ihm also nicht erschienen, aber Engel in Menschengestalt kenne er: „In meiner Jugend bin ich einem Pfarrer und vielen Gläubigen meiner Heimatgemeinde St. Josef in Weißensee begegnet, die mich so, wie sie ihren Glauben leben, sehr beeindruckt und geprägt haben. Sie haben meine Begeisterung für diesen Weg geweckt, an dessen Ziel – wenn Gott will – die Priesterweihe steht.“
Von der Schulbank in den Hörsaal, wenn man von den drei „Coronasemestern“ online im Homeoffice absieht: ganz schön viel Theorie bisher. „Ich muss gestehen, dass die Zeit des Studiums viel schneller vorbeigegangen ist als am Anfang gedacht. Wenn man sich aber so lange theoretisch auf etwas vorbereitet, dann macht die Praxis umso mehr Freude. Die Berufseinführung ist für mich ein neuer, interessanter, spannender, aber sicherlich auch herausfordernder Lebensabschnitt, so wie es auch das Studium war.“
Leicht ist es derzeit nicht, Priester zu sein. Dunkles kam ans Licht, was kaum einer für möglich gehalten hatte. Die Kirche verliert an Glaubwürdigkeit und Relevanz.  Vermutlich war es aber zu keiner Zeit leicht: ehelos leben, keinen „Stammhalter“ zeugen, dem Bischof Gehorsam versprechen. Dass seine Familie ihm den Rücken stärkt, macht ihm Mut: „Meine Eltern sagen immer: ‚Wenn der Junge damit glücklich ist, dann sind wir‘s auch‘. Jonas Treichel freut sich auf das Pastoralpraktikum, man sieht’s ihm an. Als ihn seine Eltern nach dem Gottesdienst in die Arme schließen, strahlt er.
Tibor Bujdak ist 55 Jahre alt. Sein Leben habe Gott so durcheinander gebracht wie der Engel das Leben Mariens: „Ein Weg mit Gott ist ganz und gar nicht langweilig, manchmal sogar gefährlich. Man kann dabei das Leben oder den guten Ruf verlieren. Das ist anstrengend, denn nichts ist mehr sicher. Für einen selbst entstehen und bleiben viele Fragen.“ Eines aber ist seiner Erfahrung nach sicher: „Gott lässt einen nie im Stich. Auch wenn es zunächst so aussieht. Oder Jahre dauert, bis man zu dieser Einsicht kommt.“

„... ich hoffe, dass er mich auf meinen Platz führt“
In seiner Jugend gehörte er der tschechoslowakischen Untergrundkirche an. Nach der Machtübernahme der Kommunisten steuerte das neue Regime einen repressiven Kurs gegen die Katholische Kirche. Ihr Besitz wurde enteignet, katholische Publikationen wurden verboten, katholische Schulen geschlossen. Die Kirche wurde zur „schweigenden“ Kirche. Sich im Untergrund zu engagieren, war gefährlich. „Ja, aber ich bin kein Held. Zu Ostzeiten hatte ich Jesus etwas versprochen. Da hatte ich den Mut dazu. Jetzt  möchte Jesus, dass ich mein Versprechen halte. Der Kommunismus ist gefallen, der Unglaube in Europa nicht.“
„Stallgeruch“ hat Tibor Bujdak nicht. Noch fehlen ihm Erfahrungen mit dem Leben einer Gemeinde, mit Traditionen und Gepflogenheiten. „Aber ich bin hier, um zu tun, was ich tun soll. Ich biete mich Gott an und hoffe, dass er mich dorthin führt, wo mein Platz ist, wozu ich nach Berlin kommen sollte. Gott weiß von mir. Sein Stock und sein Stab geben mir Zuversicht.“

Von Juliane Bittner