07.08.2019

Staffellauf zur Fahnensegnung in den Vatikan

Ein Schützenverein auf Pilgerschaft

Ein Staffellauf in den Vatikan: Papst Franziskus soll die Fahne des Schützenvereins Sankt Laurentius aus dem Sauerland segnen.

Foto: kna/Julia Steinbrecht
Das Ziel vor Augen: Bis Mitte Oktober soll die Vereinsflagge im Vatikan ankommen. Foto: kna/Julia Steinbrecht


Kommen Sie von der Bundeswehr? Transportieren Sie da ein Surfbrett? Diese Fragen sind die Wanderer vom Schützenverein Sankt Laurentius im nordrhein-westfälischen Drolshagen-Schreibershof gewohnt. Beides Mal lautet die Antwort Nein: Denn sie sind keine Mitglieder der Bundeswehr. Und in dem auffälligen grünen Rucksack befindet sich kein Surfbrett, sondern die Vereinsflagge. Mit der sind die Vereinsmitglieder in einer Art Pilger-Staffellauf unterwegs von Deutschland über Österreich nach Rom. Papst Franziskus soll die Fahne dort segnen. Und so wandern 125 Personen Abschnitte des rund 1.750 Kilometer langen Weges.

Auf die Idee kamen die Fahnenoffiziere des Vereins bereits vor einigen Jahren. "Aus einer Schnapsidee, die am Anfang belächelt wurde, ist dieses Projekt geworden", berichtet Vereinsmitglied Fabian Heuel. Seit November 2017 plant der Verein diese besondere Aktion zu seinem 120-jährigen Bestehen.

Zunächst wurde die Strecke abgesteckt und in 84 Etappen eingeteilt: Von Schreibershof im sauerländischen Kreis Olpe bis in den Vatikan. Für die einzelnen Wegstrecken konnten sich dann Wanderer-Teams bewerben, um die Fahne - ähnlich einem Staffellauf - bis Rom zu tragen. Und tatsächlich fanden alle Strecken auch Interessenten. Nicht nur aus Schreibershof selbst, sondern auch aus den umliegenden Dörfern kommen die Wanderer. Manche sind sogar eigens hierfür dem Schützenverein beigetreten. Dabei ist die Mitgliedschaft kein notwendiges Kriterium zur Teilnahme, solange es mindestens drei Schützen pro Team gibt.

 

Querfeldein und über die "Via Romea"

Stammtische, Musikvereine, Straßenzüge oder Freundeskreise erklärten sich bereit, die Fahne über mehrere Kilometer zu tragen. "Die kleinsten Teams bestehen aus vier Personen, das geht aber hoch bis zu Gruppen mit zehn oder zwölf Leuten", so Heuel. Jedes Team läuft drei Tage lang, ehe die Ablösung kommt. 20 bis 25 Kilometer pro Tag entsprechen dabei dem Durchschnitt, manchmal querfeldein, ab Würzburg aber dem Pilgerweg "Via Romea" folgend.

Seit Beginn der Wanderung am 21. Juli, eine Woche nach dem Schützenfest, gab es schon viele heiße Tage mit weit über 30 Grad. "Da haben sich die Wanderer mitunter um fünf Uhr morgens auf den Weg gemacht", berichtet Heuel. Mit vier Liter Wasser pro Person gelangten sie dann noch vor der Mittagshitze ans Tagesziel.

Für gewöhnlich gibt es aber keinen Grund zur Eile. Die Schützen liegen gut in der Zeit. Da bleibt genug Spielraum für Gespräche am Wegesrand. Der wetterfeste Flaggen-Rucksack fällt schließlich auf. Und so fragen Passanten immer wieder nach, was es mit der seltsamen Fußtruppe auf sich habe. Die Pilger geben gerne Auskunft. Manchmal spenden die Menschen auch Geld - immerhin läuft neben der Wanderung eine Spendenaktion.

 

"Glaube - Sitte - Blasenpflaster"

Das Geld soll zunächst die Tankkosten für den Autotransfer der Wander-Teams zum jeweiligen Start und vom Ziel abdecken. Alle darüber hinaus eingenommenen Beträge werden dem Verein Strahlemännchen in Finnentrop gespendet, der die Wünsche krebskranker Kinder erfüllt.

Das Interesse an der Aktion unter dem Motto "Glaube - Sitte - Blasenpflaster" - eine Anlehnung an das Schützenmotto "Glaube - Sitte - Heimat" - ist groß: 110 Menschen waren schon bei der Auftaktwanderung dabei. "Das zieht wirklich so ein Dorf zusammen, auch generationsübergreifend", sagt Heuel.

Regelmäßig tauschen sich die Teilnehmer auch untereinander aus: Tipps, Motivation und Fragen werden ausgetauscht und geklärt. Und auch mit anderen Schützenvereinen haben die Wanderer bereits Kontakte geknüpft.

Für den Zieleinlauf wollen zahlreiche Teilnehmer und Dorfeinwohner nach Rom kommen und die letzte Etappe gemeinsam bestreiten. Die Ankunft ist für den 12. Oktober geplant, ein Samstag. Bis zur Generalaudienz mit Papst Franziskus am darauffolgenden Mittwoch also ist genug Zeit, die geschundenen Füße zu kurieren - oder die Ewige Stadt zu erkunden. Der Rückweg wird dann allerdings motorisiert zurückgelegt.

kna