21.03.2022

Nach Ukraine-Reise von Kardinal Czerny

Kardinal warnt vor Menschenhandel

Zwei Mal ist Kurienkardinal Michael Czerny seit Kriegsbeginn in die Ukraine gereist - und hat dort erlebt, wie Menschenhändler die Not ausnutzen.

Foto: kna/Romano Siciliani/Stefano Dal Pozzolo
Im Auftrag des Papstes hat Kardinal Michael Czerny 
die Westukraine und angrenzende Länder besucht. 
Foto: kna/Romano Siciliani/Stefano dal Pozzolo

Nach mehreren Besuchen in der Ukraine hat Kurienkardinal Michael Czerny Berichte über Menschenhändler bestätigt und zu Wachsamkeit aufgerufen. "Das Wichtige ist, dass wir die Augen aufmachen und uns diesem Thema bewusst stellen", fordert Czerny in der aktuellen Ausgabe des Podcasts "Himmelklar". Er war im Auftrag des Papstes zwei Mal in die Westukraine gereist und sagte, oft seien im Kampf gegen Menschenhändler und Sexualstraftäter schon kleine Aktionen erfolgreich. Dies habe er in der Slowakei erlebt.

"Wenn dort Frauen und Kinder in Busse einsteigen wollten, hat man den Fahrer erst nach seinen Ausweispapieren gefragt. In mehreren Fällen sind die Fahrer dann einfach abgehauen", fügte der Kardinal hinzu. Derartige Kontrollen seien außerordentlich wichtig, um Menschenhandel zu verhindern. "Wer in solche Busse einsteigt, würde noch ein weiteres Mal ein Leben verlieren. All das ist den Menschen an den Grenzen bewusst, den normalen Leuten, den Freiwilligen und den Polizisten", so Czerny.

Weiter berichtete er, die meisten Flüchtlinge hätten über ihre Erlebnisse kaum sprechen können: "Man hat es ihnen angesehen, dass sie auf ihrer Flucht alles verloren haben. Sehr getroffen hat mich, dass diese Menschen zwar ihr Leben retten konnten, aber im Prinzip alles verloren haben, was ihr Leben ausgemacht hat." Das sei binnen weniger Tage über sie hereingebrochen, betonte der Kardinal mit Blick auf den russischen Angriffskrieg. "Alles, was zu ihrer normalen Existenz gehört, wurde ihnen genommen."

Czerny sagte, die Anwesenheit von Priestern und Ordensleuten gebe den meisten Menschen großen Halt: "Wenn Flüchtlinge Menschen in religiösen Gewändern sehen, sagt ihnen das: Alles kommt in Ordnung", so der Interimsleiter der vatikanischen Entwicklungsbehörde. Der Geistliche stammt aus Tschechien und hatte seit dem Einmarsch russischer Truppen bei zwei Besuchen im Westen der Ukraine die Solidarität von Papst Franziskus mit den Opfern des Krieges zum Ausdruck gebracht.

kna