22.09.2016

700 Geistig Behinderte im Kloster Wechselburg

Wofür brennst du?

Wechselburg. Bewohner, Mitarbeiter und Schüler von Einrichtungen des Christlichen Sozialwerks aus ganz Sachsen und aus dem Kloster St. Marienstern haben sich am 14. September zur Wallfahrt „Feuer und Flamme“ in Wechselburg getroffen.

Während der Predigt von Bischof Reinelt wurden die mitgebrachten Kerzen entzündet, die die Wallfahrer in ihren Einrichtungen gestaltet hatten.


Der Heilige Geist lässt sich nicht behindern. Dass er in Bischöfen und Mönchen ebenso wirken kann wie in Menschen, die in der Regelschule oder auf dem Ersten Arbeitsmarkt keine Chance hätten, war am Fest Kreuzerhöhung in Wechselburg für viele Wallfahrtsteilnehmer spürbar.
Die geistig behinderten Wallfahrer waren im kurzweiligen Gottesdienst, bei den gemeinsamen Mahlzeiten und im Nachmittagsprogramm keinen Augenblick in der Rolle von passiven Zuschauern oder Zuhörern, sondern gestalteten den Tag voller Lebensfreude, Spontaneität, Herzlichkeit und Offenheit mit.
Schon bei den Vorbereitungen hatten sich viele von ihnen eingebracht, hatten Lieder, Tänze und ein Anspiel geübt, Fürbitten formuliert und Fragen aufgeschrieben, die sie während des Gottesdienstes an Altbischof Joachim Reinelt, Benediktiner-Prior Maurus Kraß und an Behinderten-Seelsorger Diakon Stefan Klose stellten. Jede Einrichtung hatte eine Kerze gestaltet, die Bischof Reinelt dann in seine Predigt einbezog.

Zu den Mitgestaltern des Wallfahrtstages gehörten auch die Ministranten aus dem Raum Zwickau.

Im Dialog mit den Wallfahrts-Teilnehmern stellte er die kurz zuvor heilig gesprochene Mutter Teresa als eine Frau vor, die „Feuer und Flamme“ für Gott war. Er sprach darüber, dass Jesus und der Heilige Geist das Feuer der Liebe Gottes zu den Menschen bringen. Auch sie selbst könnten dieses Feuer zu Hause weitergeben, gab er seinen Gesprächspartnern mit auf den Weg.
Der Bischof machte keinen Hehl daraus: In diesem Gottesdienst war er vor allem der Empfangende. Nicht zuletzt die Fragen der Behinderten empfand er als bereichernde Anregung.
Warum er denn eigentlich an Gott glaubt, wird wohl selbst ein Bischof nicht alle Tage gefragt. Was er in seiner Freizeit anzieht, welche Musik er – außer Klassik! – denn gerne hört, ob er schon mal mit dem Papst gesprochen habe und wie der so sei, dürfte sicher auch manchen interessieren, der sich das nicht so offen zu fragen traut. Auch wenn die Antwort auf letztere Frage dann nicht wirklich überraschte: „Das ist ein toller Mann“, findet Joachim Reinelt.

Von Dorothee Wanzek