13.03.2019

40 Jahre Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt

Ökumene: Tun, was eint

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt besteht seit 40 Jahren. Das war für die Mitgliedskirchen Anlass, vor Gott dankbar innezuhalten und nach Wegen des weiteren Voranschreitens zu schauen.

„Unser gemeinsames Licht heißt Christus“ stand über dem ökumenischen Gottesdienst zum 40-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt in der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg. | Foto: Eckhard Pohl
 
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Sachsen-Anhalt hat Bischof Gerhard Feige die Kirchen dazu ermutigt, noch mehr voneinander zu lernen. „Um zur Fülle des christlichen Zeugnisses zurückzufinden, bedürfen alle Konfessionen heute auch der jeweils anderen Traditionen. Sich von deren Stärken und Schätzen anregen zu lassen, könnte das eigene Glaubensleben wesentlich bereichern“, sagte Feige, der auch Vorsitzender der Ökumene-Kommission der deutschen Bischöfe ist, bei einem ökumenischen Gottesdienst am 2. März in Magdeburg.
Die ACK war am 7. März 1979 unter der Bezeichnung AGCK in den Bezirken Halle und Magdeburg gegründet worden. Die Ursprünge des ökumenischen Miteinanders liegen jedoch weiter zurück. Neben dem Willen, sich im Sinne des Evangeliums anzunähern, spielte
für das Zusammenrücken auch die grundsätzlich kirchenfeindliche Ideologie in der DDR eine Rolle. Heute gehören der ACK in Sachsen-Anhalt 14 Mitgliedskirchen und fünf Gastmitglieder an.
Für den Landesvorsitzenden der ACK in Sachsen-Anhalt, Pfarrer Jürgen Dittrich, ist das 40-jährige Bestehen Anlass, Gott für diese „geschenkte Gemeinschaft“ zu danken, „die nicht nur von großem gegenseitigen Vertrauen geprägt ist“, sondern in den überregionalen und örtlichen ACK „ein unverzichtbares Instrument der Zusammenarbeit erkennt“. Zudem eröffne die ACK-Gemeinschaft Möglichkeiten eines „ökumenischen Lernens“, „die sonst so nicht möglich wären“.
 
Gemeinsam auf das Evangelium hören
Mit dem Jubiläumstag könnten „40 Jahre gemeinsamen Hörens auf das Evangelium und Fragens nach der uns verbindenden oder auch trennenden Wahrheit“ gefeiert werden. Zudem suche man gemeinsam nach der Bedeutung des Evangelium in der heutigen Situation, betonte Dittrich zu Beginn des Festgottesdienstes in der Kathedrale St. Sebastian. Entsprechend war die Feier unter das Thema „Unser gemeinsames Licht heißt Christus“ gestellt. Sichtbar gemacht wurde dies in, als Vertreter der Konfessionen von der Osterkerze her Strahlen aus verschiedenfarbigen Stoffbändern auslegten.
In seiner Predigt ging Bischof Feige der Frage nach, ob das Miteinander von der notwendigen Demut geprägt ist, sich selbst zurückzunehmen, einander zu achten und voneinander zu lernen. Demütig zu sein bedeute aber auch, dem anderen mit den eigenen Gaben zu dienen. Sowohl im Gebet als auch im Handeln sollten wir der Losung: „Tun, was eint.“ folgen, so der Bischof. „Bedenkenswert“ sei, dass „Jesus zwischen der Einheit und Liebe der Glaubenden und einer erfolgreichen Verkündigung des Evangeliums eine tiefe Beziehung sieht“. Dass „die ökumenische Lage“ in Sachsen-Anhalt wie in Deutschland überhaupt „besser als anderswo“ sei, daran habe die ACK „einen großen Anteil“, so der Ökumene-Bischof.
Über „die ACK als impulsgebende Kraft der multilateralen Ökumene im Austausch der Gaben“ sprach der Hildesheimer Weihbischof Nikolaus Schwertfeger im Festvortrag. Schwerdtfeger, der ebenfalls der Ökumenekommission angehört, erinnerte zum Beispiel an die Gabe der orthodoxen Christen, in der Liturgie den Heilswillen Gottes  besonders gut deutlich werden zu lassen, oder an die Gabe der reformatorischen Kirchen, das Leben von der Heiligen Schrift her intenisv zu durchdringen. Die armenische-apostolische Kirche zeige etwa durch die Jahrhunderte hinweg, „dass auch unter Diasporabedingungen ein außerordentlich vielfältiges christliches Leben möglich ist“.
 
Voneinander lernen und einander beschenken
Schließlich waren Vertreter der Kirchenfamilien (zum Beispiel die Familie der Russisch-Orthodoxen und der Koptisch-Orthodoxen Kirche sowie der Armenisch-Apostolischen Kirche) eingeladen, sich darüber auszutauschen, was sie einbringen können, aber auch, was sie in der ACK von anderen Kirchen gelernt haben und was sich dadurch schon verändert hat. Pfarrerin Dorothea Laser-Merker von der Evangelischen Kirche sagte, sie habe zum Beispiel gelernt, dass inhaltliche Positionen „nicht unbedingt entlang der konfessionellen Grenzen verlaufen“, sondern auch kirchenübergreifend. Laser-Merker äußerte den Wunsch, im ländlichen Bereich auch am Sonntag mehr ökumenische Wortgottesdienste zu feiern. Bischof Feige erinnerte an den Pilgerweg der Versöhnung 2015 in Wittenberg, bei dem sich die Kirchen gegenseitig ihre Vergehen aneinander eingestanden hatten. Er machte auf die Vielfalt und Weite innerhalb der Katholischen Kirche und ihre Internationalität aufmerksam.
 
Von Eckhard Pohl