21.02.2020

Anstoß 8/2020

364 Mal im Jahr

In den Supermärkten gibt es zurzeit jede Menge roter Rosen zum Sonderpreis.

Zum Glück steht der Rosenmontag vor der Tür. Allein beim Kölner Karneval werden jedes Jahr rund 300 Tonnen Süßigkeiten und Strüßje in die Menge geworfen. Es würde mich nicht wundern, wenn viele Valentinssträuße als Strüßje eine zweite Chance bekommen und fliegen lernen.
Und wie sieht es mit einer zweiten Chance aus, wenn man den Valentinstag vergessen hat? Ich habe da wenig Erfahrung. Aber ich bin sicher, rote Rosen aus dem Sonderangebot sind keine gute Idee.
Eine gute Idee hatte Lewis Carrol, der Autor von „Alice’s Abenteuer im Wunderland“. In einer Fortsetzung des berühmten Buches erzählt das menschliche Ei Humpty Dumpty von seinem Nichtgeburtstag. Walt Disney’s Zeichner griffen die Idee später für die verrückte Teeparty mit dem Hutmacher auf. Nichtgeburtstag kann man 364 Mal im Jahr feiern.
Das wäre auch für den Valentinstag eine gute Idee? Warum soll man nur an diesem einen Tag nicht vergessen, dem oder der Geliebten ein Zeichen seiner Liebe zu schenken? Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Nichtvalentinstag kann man 364 Mal im Jahr feiern.
Dabei denke ich nicht an edle Rosen, teure Parfums oder ein exklusives Abendessen, sondern an die vielen Kleinigkeiten, auf die es im Zusammenleben ankommt. In ihnen feiert sich die Liebe Tag für Tag.
Für solche Kleinigkeiten aufmerksam zu bleiben, ist eine größere Herausforderung, als an einem Tag im Jahr Rosen zu kaufen. Und ich bin sicher, dem heiligen Valentin würde es gefallen. Die Legende erzählt, dass er am 14. Februar 269 in Rom hingerichtet wurde, weil er trotz eines Verbotes Liebespaare christlich getraut hat. Diese Ehen hätten – so weiß die Legende zu berichten – unter einem guten Stern gestanden.
Jede Legende hat einen wahren Kern. Der wahre Kern dieser Legende ist Jesus Christus. Für alle, die glauben, ist er der Stern, der uns den Weg weist. Seine Botschaft ist einfach und klar: „Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt“ (Johannes 15,17). Paare, die christlich heiraten, versuchen nicht mehr und nicht weniger, als diesem Stern zu folgen. Manchmal reicht dafür schon ein Strüßje vom Rosenmontagsumzug.

Pfarrer Marko Dutschke, Görlitz