18.07.2019

25 Jahre Errichtung von drei ostdeutschen Bistümern

Drei Neue für Deutschland

Die Landschaft der katholischen Kirche hat sich vor 25 Jahren mit der Errichtung von drei Bistümern deutlich geändert. Die damaligen Aufbrüche waren von unterschiedlichen Motivationen geprägt.

Die Bistumskarte der katholischen Kirche in Deutschland wurde vor 25 Jahren um drei Diözesen bereichert. | Foto: katholisch.de

 

 
Die katholische Kirche denkt und handelt auf lange Sicht. So bestehen die Grenzen mancher Bistümer seit Jahrhunderten. Allenfalls politische Umwälzungen wie die Neuordnung Deutschlands durch Napoleon wirkten sich auch auf die Kirchenterritorien aus. Gründung und Ende der DDR waren ebenfalls solche Einschnitte.
Der Eiserne Vorhang zwischen West und Ost hatte zur Folge, dass weite Gebiete im sowjetischen Machtbereich, in denen Katholiken in der Minderheit waren, von ihren Bischöfen abgeschnitten wurden. So gehörten die Katholiken in Mecklenburg zum damaligen Bistum Osnabrück und die in Sachsen-Anhalt zumeist zum Erzbistum Paderborn, für Thüringen waren es die Bistümer Fulda und Würzburg.
Sonderfälle bildeten das Görlitzer Kirchengebiet westlich des neuen Grenzflusses Neiße, das zuvor zum nun polnischen Erzbistum Breslau (Wrocław) gehörte und das Bistum Berlin, das auch West-Berlin umfasste. Einzig das Bistum Meißen, heute Dresden-Meißen, war durch die Nachkriegsgrenzen nicht betroffen.
 
Die Magdeburger Kathedrale St. Sebastian | Foto: kna/Gregor Krumpholz

Gemeindewachstum durch Kriegsende
Die Folgen des Krieges stellten die katholischen Gemeinden in der DDR zugleich vor große pastorale Probleme. Flüchtlinge und Vertriebene ließen sie zeitweise um ein Mehrfaches wachsen. Rom sah sich genötigt, zu reagieren. So erhielten die Kirchenterritorien von Schwerin, Magdeburg, Erfurt-Meiningen und Görlitz, die zunächst von „Bischöflichen Kommissaren“ geleitet wurden, in den 1970er Jahren „Apostolische Administratoren“ im Bischofsrang. Kirchenrechtlich waren es keine Diözesen, wie es die DDR-Oberen gerne gehabt hätten, um der staatlichen Teilung keinen kirchlichen Vorschub zu leisten.
 

Bistumsbewusstsein hat sich entwickelt
Nach der Wiedervereinigung stellte sich die Frage einer Neuordnung auf neue Weise. Eine Rückkehr zu den Vorkriegsstrukturen wäre möglich gewesen, zumal die westdeutschen Mutter-Bistümer ihre DDR-Ableger personell und materiell noch nach der Wende unterstützten. Doch in Erfurt und Magdeburg hatte sich in den 40 Jahren ein eigenes Bistumsbewusstsein entwickelt.
Für ein eigenes Bistum Görlitz sprachen überdies die besonderen schlesischen Traditionen, die dort gepflegt werden. In Berlin war es die wieder gewonnene Hauptstadtrolle, die Papst Johannes Paul II. bewog, das Bistum zum Erzbistum zu erheben. Eine Ausnahme bildete indes das Mecklenburger Kirchengebiet, das am 24. Oktober 1994 dem neu gebildeten Erzbistum Hamburg zugeordnet wurde.
Die Bestrebungen zu den Bistumsneugründungen wurden auch aus der Politik gestützt. Anstelle der Bezirke der DDR-Zeit formierten sich erneut Bundesländer. „Die Phase des inneren Aufbaus unserer Länder ist noch in vollem Gange und dabei mit manchen Brüchen und Umbrüchen verbunden“, erklärte Sachsen-Anhalts damaliger Ministerpräsident Christoph Bergner (CDU): „Die Kirche hat hier eine immens wichtige Aufgabe.“

 

Der St. Mariendom (links) steht gemeinsam mit der Severikirche auf dem Erfurter Domberg. | Foto: kna/Roger Hagmann

 

Großzügigkeit der Mutterdiözesen
Nach den erforderlichen Verhandlungen der Bundesländer mit Rom trat die Neuordnung der Bistumsstrukturen vor 25 Jahren, am 8. Juli 1994, in Kraft. Selbstverständlich war sie nicht. Es sei „ein sehr großmütiger Akt“, dass die Mutterdiözesen angesichts ihrer langen Solidarität der Abtrennung und Verselbstständigung zugestimmt hätten, hob der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz und spätere Kardinal Karl Lehmann hervor.
 
St. Jakobus ist die Bischofskirche der Diözese Görlitz. | Foto: kna/Markus Nowak

Hoffnungen trotz Neustart nicht erfüllt
Verbunden war der kirchliche Neustart auch mit vielen Hoffnungen, die sich nicht erfüllten. Zwar ist der sonntägliche Gottesdienstbesuch überdurchschnittlich hoch, doch die Mitgliederzahlen gingen durch Abwanderung in den Westen und Austritte stetig zurück. Im Bistum Magdeburg sanken sie von 180 000 im Jahr 1994 auf 82 000 im Jahr 2017, im Bistum Erfurt von 212 000 auf 148 000. Das Bistum Görlitz hatte einen Rückgang von 51 000 auf 30 000, weist durch Zuwanderung aus Polen aber wieder eine steigende Tendenz auf. Migration sorgt auch im Erzbistum Berlin dafür, dass die Mitgliederzahlen von 396 000 auf 413 000 gestiegen sind.
Zugleich nutzten die neuen Bistümer Chancen, die ihnen der freiheitliche Staat bot. So wirken sie durch die Gründung Katholischer Akademien und Schulen stärker in die Gesellschaft hinein, als es ihrer Minderheitenlage eigentlich entspräche.

 
Von Gregor Krumpholz