02.11.2018

Erinnerung an den Bau der St. Bonifatiuskirche in Leinefelde

„Gott hat uns geholfen“

Robert Wand erinnerte sich an den Bau der St. Bonifatiuskirche in Leinefelde. In der DDR wurde geplant und begonnen. Die Kirchweihe fand vor 25 Jahren statt. Zu dem Vortrag hatte die Urania Bildungsgesellschaft Eichsfeld geladen.

Robert Wand zeigt einen Baustein von denen, die beim Bau des Ensembles Pfarrhaus-Gemeindehaus-Kirche verwendet wurden. Anders als im DDR-Wohnungsbau ging es hier nicht um Plattenmontage.
 

Gut, dass die Urania Bildungsgesellschaft Eichsfeld unter Vorsitz von Dr. Karl-Josef Löffelholz in Absprache mit Pfarrer Gregor Arndt für ihre Abendveranstaltung im Oktober in das Johanneshaus neben der St. Maria Magdalena-Kirche eingeladen hatte. Der Platz in den eigenen Räumlichkeiten hätte gar nicht für alle Interessenten gereicht und ebenso wenig für die Ausstellung, die Dr. Gerd Leukefeld und Wigbert Iseke aus Anlass des Jubiläums gestaltet haben. Vor 25 Jahren, am 9. Oktober 1993, war die Kirchweihe der St. Bonifatiuskirche in der Leinefelder Südstadt im Beisein Bischof Joachim Wankes erfolgt.
 
Über die Grenzen des Eichsfeldes bekannt
„Bau der St. Bonifatiuskirche“ lautete der Vortrag von Robert Wand aus dem Eichsfelddorf Brehme. Der heutige Ruheständler leitete ein Projekt, das weit über die Grenzen des Eichfeldes hinaus bekannt wurde. Mitten in einem Neubaugebiet sollte zu DDR-Zeiten ein Zentrum für katholische Christen errichtet werden, bestehend aus Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus. Die vorbereitenden Arbeiten hierfür begannen 1985; im September 1986 war der erste Bauabschnitt in Angriff genommen worden, das Pfarr- und Gemeindehaus; Richtfest konnte am 22. Oktober 1987 gefeiert werden. Zwischen 1988 und 1993 entstand die Kirche; zur Grundsteinlegung 1988 war ebenfalls Bischof Wanke begrüßt worden.
Alle am Bau Beteiligten standen vor nie zuvor gekannten Anforderungen, ging es doch nicht um die Montage von Plattenbauten für Wohnungen, sondern um akribische und ganz individuelle handwerkliche Leistungen mit den damals vorhandenen Geräten und Ausrüstungen. Wolfgang Lukassek als Leiter des Bischöflichen Bauamtes Erfurt, das den Auftrag erteilt hatte, habe höchste Anforderungen gestellt, erinnerte sich der Referent. Weil zudem auf einem Berg gebaut wurde anstatt in der Ebene waren die gestellten Aufgaben noch komplizierter.
 
Das damalige Modell des Innenraums wird in der Ausstellung gezeigt. | Fotos: Christine Bose

 

Das große Vorhaben seitens der katholischen Kirche machte in der DDR von sich reden. Das Fernsehen kam, um zu berichten. Genossen aus der SED-Kreisleitung Worbis und der SED-Bezirksleitung Erfurt informierten sich höchstpersönlich auf der Baustelle über den Stand der Dinge. „Ich will nicht über politische Themen im Zusammenhang mit dem Kirchenbau sprechen, weil ich dazu weder befugt noch willens bin“, unterstrich Robert Wand und machte sein Anliegen deutlich: Die Dokumentation des Baugeschehens mit einem Bericht und mit vielen Fotos, die meisten in Schwarz-Weiß. Immer wieder war er, ausgerüstet mit dem Fotoapparat, selbst auf den Kran geklettert und hatte von dort aus fotografiert. Der berechtigte Stolz auf das gemeinsam Geschaffene war ihm anzumerken, als er betonte, es habe nie eine Havarie und nie einen Unfall gegeben, auch keinen Rückbau wegen nicht eingehaltener Qualitätsnormen.
Zwei ehemalige Kollegen von Robert Wand, Harald Hunold und Winfried Wilhelm, sprachen zudem als Zeitzeugen von einer riesigen Herausforderung, bezeichneten die in hervorragender Qualität entstandenen Bauten in Leinefelde als Aushängeschild damaliger Baukunst. Innerlich  seien alle Beteiligten mit diesem Bau gewachsen. Noch heute ist Robert Wand davon überzeugt: „Der liebe Gott hat uns geholfen; ohne ihn wäre es nichts geworden.“
 
Von Christine Bose