17.02.2022

Jubiläum im Leipziger Hospiz Villa Auguste

Ein Ort zum Leben im Sterben

Das Leipziger Hospiz Villa Auguste begleitet Sterbende auf ihrer letzten Wegstrecke. Anlässlich des Jubiläums haben Künstler und Förderer Werke für die Ausstellung „Ein Stück Himmel“ gespendet. Ihre Versteigerung soll die geplante Erweiterung mitfinanzieren.

Hospizleiterin Schwester Beatrix Lewe feierte mit ihrem Team das 20-jährige Bestehen der Villa Auguste.    Foto: Silvia Funke

Die Klänge des Saxofons steigen über den geöffneten Treppenaufgang scheinbar dem Himmel entgegen und sind gut hörbar in den Zimmern im Hospiz Villa Auguste. Hier gehen Schwerstkranke und Sterbende liebevoll begleitet ihr letztes Stück Lebensweg.
„Ein Stück Himmel“ ist der Titel der Ausstellung in der Villa Auguste anlässlich des 20. Jahrestags seit der Gründung am 1. Februar 2002. Darunter befinden sich Werke von Armin Müller-Stahl, Matthias Klemm oder Uwe Kowski sowie ein von Neo Rauch und weiteren Künstlern signiertes Poster seines Hauptwerks „Das Kollegium“. Zum Auftakt ins Jubiläumsjahr waren Mitarbeiter, Freunde und Ehrenamtliche zu einem kleinen Empfang geladen, musikalisch gestaltet von Sebastian Ude, Violinist im Gewandhausorchester.
Den Hospizgästen ein Stück Himmel auf Erden erfahrbar machen, das ist das Anliegen der Engagierten in der Villa Auguste. „Wir begleiten hier Lebende im Sterben. Auch Angehörige werden mit begleitet“, so Schwester Beatrix Lewe (Schwestern vom Guten Hirten), Geschäftsführerin und Hospizleiterin.

Pionierarbeit am Ende des Lebenswegs
Die Villa Auguste entstand aus der ambulanten und ehrenamtlichen Arbeit des Hospizvereins im Uniklinikum Leipzig. Acht Gesellschafter – neben dem Hospizverein sind das die Diakonie, der Caritasverband der Stadt Leipzig, Bethel, die Ökumenische Sozialstation, die Schwestern vom Guten Hirten, das St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig und die Arbeiterwohlfahrt – leisteten mit der Gründung eines der ersten Hospize in den neuen Bundesländern Pionierarbeit.
Damit kennt sich das Team der Villa Auguste aus: Die erste ostdeutsche Hospizstiftung wurde 2004 ins Leben gerufen. Bereits 2005, lange vor dem Inkrafttreten des Hospiz- und Palliativgesetzes im Jahr 2015, kam die ambulante Versorgung am Ende des Lebensweges hinzu. Schwester Beatrix hat die Planungen von Anfang an begleitet: „Wir haben sofort viele Anfragen bekommen. Deswegen haben wir schon bald von zehn auf zwölf Betten erweitert. Derzeit warten wir auf die Baugenehmigung, um zwei weitere Zimmer bereitzustellen.“ Durch die Hospizstiftung ist es auch in der Pandemie möglich, die Kosten für die Begleitung im Sterben zu decken. „Wir sind unserem großen Freundeskreis sehr dankbar. Es ist ein Grundpfeiler der Hospizbewegung, dass Menschen auch am Ende ihres Lebens durch bürgerschaftliches Engagement Unterstützung erfahren“, so Schwester Beatrix. Dabei nimmt sie einen Wandel im Ehrenamt wahr: „Viele möchten sich nicht mehr langfristig binden. Und es gibt einen Generationenwechsel, denn viele Ältere kommen wegen Corona derzeit nicht.“ Über 3500 Menschen hat das Team der Villa Auguste seit der Gründung stationär begleitet. Weitere etwa 5000 Sterbende wurden ambulant durch das 2009 gegründete Brückenteam versorgt.
Im Dienst an den Sterbenden trägt oft der Glaube. Pfleger Manfred Hoffmann ist Mitarbeiter der ersten Stunde: „In der ständigen Konfrontation mit dem Tod und der eigenen Begrenztheit braucht es einen starken Rückhalt. Dabei gibt mir auch mein Glaube an Jesus Christus Kraft.“ Ihn berührt die liebevolle Hingabe, mit der Familien für ihre Lieben da sind: „Kranke Angehörige über Jahre zu begleiten, das ist eine unglaubliche Leistung, die man gar nicht genug schätzen kann.“

In schwerem Dienst vom Glauben getragen
Frank Eger schöpft Kraft aus der Stille und regelmäßigen Auszeiten im Kloster. Er engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich im Hospiz und kümmert sich auch um die Wechselausstellungen. „Kunst und Kultur geben im Leben Halt, vor allem, wenn es einem schlecht geht“, ist er überzeugt.
Die ausgestellten Werke werden im Rahmen einer Benefizauktion versteigert. Der Erlös fließt in den geplanten Anbau. „Der Bedarf an Begleitung im Sterben wächst, weil die Gesellschaft altert und es generell mehr Ein-Personen-Haushalte gibt. Um dem Bedürfnis des  sterbenskranken Menschen nach Schmerzlinderung und Stärkung, nach Sicherheit und sozialer Einbindung zu entsprechen, träumen wir schon lange von einem Tageshospiz“, so Schwester Beatrix. „Unsere Pläne wurden jetzt vom Bundesfamilienministerium im Rahmen eines Pilotprogramms für Tageshospize als förderungswürdig eingestuft.“ So leistet das Hospiz Villa Auguste auch in Zukunft Pionierarbeit mit dem ersten Tageshospiz in Sachsen.

Von Silvia Funke