30.10.2019

20. Geburtstag des Bistumskinderchors Dresden-Meißen und Görlitz

Kinder erleben Kirche lebendig

Vor Lebens- und Glaubensfreude sprühende Konzerte haben 80 Kinder und Jugendliche am vorigen Wochenende in Cottbus und Leipzig gegeben. Anlass war der 20. Geburtstag des Bistumskinderchors Dresden-Meißen und Görlitz.

Ein breites Repertoire von Gottesdienstliedern bis hin zum witzigen Song über den gruseligen Graf von Gruselstein präsentierten die Kinder im Leipziger Propsteisaal.    Fotos: Dorothee Wanzek

 

Den Bistumskinderchor hörte Heinrich Timmerevers schon singen, als er sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen noch gar nicht angetreten hatte, vor dreieinhalb Jahren, beim Katholikentag in Leipzig. An seinen ersten Eindruck von damals konnte er sich beim Jubiläumskonzert in Leipzig am 26. Oktober noch gut erinnern: „Was muss das für ein wunderbares Bistum sein, das solch einen Chor hat!“
Dazugelernt hat der Bischof inzwischen, dass der Chor seit 2006 von jungen Sängern aus dem kleinen Nachbarbistum Görlitz verstärkt wird. Seine Begeisterung  über die sangesfreudigen Kinder und Jugendlichen ist unverändert geblieben. „Ihr wisst vielleicht gar nicht, dass die Freude, mit der ihr über den Glauben, die Liebe, die Hoffnung auf Gott singt, auch in unsere Herzen überspringt“, sagte der Bischof den Mitwirkenden am Ende eines rund anderthalbstündigen Auftritts.

Bei fast jedem Lied sangen andere Kinder den Solopart.

Viele der schwungvollen, durchaus anspruchsvollen Lieder, die die Kinder dabei vortrugen, sind Kompositionen von Martin S. Müller, der den Chor 1999 gemeinsam mit Guido Erbrich, damals Referent der Jugendseelsorge, und Wolfram Mager, Referent für Jugendmusik, ins Leben rief. „Nach positiven Erfahrungen mit Jugend-Chorprojekten wie der Sommer- und der Weihnachtssingewoche wollten wir auch mit den Kindern einen Versuch wagen“, erzählt Guido Erbrich. Besonders im Blick hatten die Initiatoren – alle Mitglieder der Bistums-Arbeitsgemeinschaft Junge Musik – Kinder aus kleineren und kleiner werdenden Gemeinden. Sie wollten ihnen die bestärkende Erfahrung ermöglichen, in großer Gemeinschaft zu singen. Die Gemeinden, so war der Gedanke, könnten ihrerseits von dem neuen Liedgut profitieren, das die Teilnehmer der Bistumskinderchor-Treffen mit nach Hause brächten.
Nachdem die dreitägigen Pilotversuche gut ankamen, wurde  der Bistumskinderchor unter der Abkürzung „Biki“ zu einer festen Größe im katholischen Veranstaltungsprogramm für Sachsen und Ostthüringen. Zwei bis dreimal im Jahr treffen sich zwischen vierzig und hundert Jungen und Mädchen ab sechs Jahren für jeweils eine Ferienwoche in wechselnden Bildungshäusern der Region zum Proben, zu Gebet und Gottesdienst. Auch der Freizeitspaß kommt dabei nicht zu kurz. Auch wenn sich die Teilnehmer jeweils immer nur für eine Woche verpflichten, bleiben  viele, die einmal dabei waren, dem Chor für viele Jahre treu.
Ein Team aus Kirchenmusikern, Seelsorge-Profis und ehrenamtlichen Helfern aus den Bistümern Dresden-Meißen und Görlitz sorgt dafür, dass die Bistums-Kinderchorwochen für alle zu einer lebendigen Erfahrung ihrer Kirche werden. Der Dresdner Bistums-Kinderseelsorger Stephan Schubert staunt immer wieder darüber, dass er die Kinder trotz der vielen, anstrengenden Proben fast nie lustlos erlebt. „Die gute Stimmung und die mitreißende Musik machen die Anstrengung offensichtlich wett“, beobachtet er. Den Musikern – neben Martin S. Müller ist das seit sechs Jahren Friedemann Wutzler – gelinge es, den Kindern Lust und Freude an den Liedern und nicht zuletzt auch an den religiösen Inhalten zu vermitteln.
„Die Kinder wachsen mit diesen Herausforderungen“, meint Guido Erbrich. Nach zwei Tagen Proben seien die Skeptiker, die sich um die vermeintlich überforderten Kinder sorgen, in der Regel beruhigt. Etwas Großes gemeinsam geschafft zu haben, stimme die Kinder froh und glücklich.

 

Friedemann Wutzler animiert zum Mittanzen. Mit  Martin S. Müller wechselte er sich am Keyboard und beim Dirigieren ab.

 

Selbst die Kleinsten, die noch gar nicht lesen können, sängen munter mit und seien ihren älteren Chorkollegen im Auswendig-Lernen der Lieder voraus.  
„Danke, dass ihr den Kindern diese unvergesslichen Erfahrungen ermöglicht, die schon wir damals machen durften!“, war vor dem Leipziger Jubiläumskonzert bei einem Festakt von vielen Ehemaligen zu hören, die beim Finale des Konzertes dann begeistert in einen alten Bistumskinderchor-Schlager mit einstimmten. Ihr Dank richtete sich auch an die Jugendlichen und Erwachsenen, die bei den Probewochen ehrenamtlich für das Freizeit-Begleitprogramm und das persönliche Wohl der Kinder sorgen, sich zum Teil sogar dafür Urlaub nehmen. Cornelia Hempel und Bärbel Schulz aus Leipzig-Engelsdorf gehören bereits seit zwanzig Jahren zu diesem Helferteam.
Bei einem Imbiss hatten Ehemalige und Aktive Gelegenheit, sich über ihre Biki-Erinnerungen auszutauschen. Für viele unvergesslich ist zum Beispiel ein Auftritt mit Maite Kelly beim Osnabrücker Katholikentag 2008. Eigentlich hätten die Kinder abwechselnd mit der berühmten Sängerin auftreten sollen. Spontan entschied man jedoch, zusammen zu singen –  zumindest die Refrains hatten alle schnell in petto.

Von Dorothee Wanzek