09.05.2019

125 Jahre katholische Herz-Jesu-Kirche in Sangerhausen

In die Mitte der Stadt gerückt

Vor 125 Jahren wurde in Sangerhausen die katholische Herz-Jesu-Kirche geweiht. Die Pfarrei feiert dieses Jubiläum mit einem Festjahr. Höhepunkt war das Gemeindefest am vergangenen Sonntag.

Zusammen mit Generalvikar Bernhard Scholz und vielen Gästen feierte die Pfarrei Sangerhausen 125 Jahre Kirchweihe. | Fotos: Matthias Holluba
Zwei Tage nach der Bauerlaubnis Ende September wurde der Grundstein gelegt. Noch vor Weihnachten wurde Richtfest gefeiert und im Mai des folgenden Jahres kam Bischof Hubert Theophil Simar aus Paderborn zur Kirchweihe. Angesichts dieser Rekordbauzeit wird mancher Bauherr von heute neidisch, ebenso wie beim Blick auf die Baukosten: Sie waren am Ende nur zehn Prozent höher als die geschätzten 47 000 Mark. Der Bau liegt freilich schon über ein Jahrhundert zurück. Am vergangenen Wochenende feierte die Gemeinde St. Jutta in Sangerhausen 125 Jahre Weihe ihrer Herz-Jesu-Kirche. Die Fakten zum Kirchbau stammen aus dem neuen Kirchenführer (Verlag Schnell & Steiner). Geschrieben hat ihn Martin Langer, der aus Oschersleben stammt und jetzt in Zürich über den Paderborner Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig forscht. Die katholische Kirche Sangerhausen war eine der 250 von ihm erbauten Kirchen.
Zur Pfarrei Sangerhausen gehören heute die Außenstationen Allstedt, Roßla und Stolberg mit rund 1500 Katholiken. Davon seien etwa 300 aktiv, berichtet Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Ritter. Zur Jubiläumsfeier, die Höhepunkt eines ganzen Festjahres war, habe die Gemeinde viele Gäste eingeladen, darunter auch Priester, die aus Sangerhausen stammen oder hier tätig waren. Einer von ihnen begann hier vor 35 Jahren seinen priesterlichen Dienst als Vikar. Heute ist Bernhard Scholz Generalvikar in Magdeburg und in Verwaltungsaufgaben Stellvertreter von Bischof Gerhard Feige, von dem er Grüße überbrachte. Scholz feierte mit den Sangerhäusern den Festgottesdienst. Dabei wurde vom Chor der Pfarrei und einem kleinen „geliehenen“ Orchester die Missa brevis de Sancti Joannis de Deo von Joseph Haydn aufgeführt.
In der Predigt rief der Generalvikar die Gemeinde auf, das innere Unterwegssein im Glauben nicht aufzugeben. Gebäude verleiteten dazu, sesshaft zu werden, aber Gott sei ein Gott des Weges, der sich nicht einsperren lasse. Menschen bräuchten Gebäude, um sich in Gemeinschaft zusammen zu finden. Kirchen seien Orte der Gastfreundschaft und der Sinnsuche – den Menschen zugewandt. „Dafür soll diese Kirche aus Stein stehen.“
 
Aufführung der ökumenischen Kindergartens St. Martin: Die Kinder spielten dabei die Legende vom heiligen Martin.

 

Dass sie das tut, zeigte das Grußwort von Oberbürgermeister Sven Strauß, das neben Grüßen aus der Ökumene am Ende des Gottesdienstes verlesen wurde. Strauß brachte seine Freude zum Ausdruck, dass die einst am Rande der Stadt errichtete Kirche heute im Herzen Sangerhausens stehe. So sei die Gemeinde auch näher an den Sorgen der Menschen. Er dankte für viele Aktionen, bei denen sich die Pfarrei als zuverlässiger Partner erwiesen habe.
Ein Beispiel dafür sind die Jutta-von-Sangerhausen-Tage, die in Zusammenarbeit mit den Kirchen stattfinden. Jedes Jahr erinnern sie mit Veranstaltungen rund um ihren Festtag am 5. Mai an Jutta. Die Heilige lebte im 13. Jahrhundert und war mit einem Edelmann verheiratet. Nach dessen Tod wandte sie sich den Armen und Aussätzigen zu. Der Kirchweihtag, der diesmal auf den Jutta-Festtag fiel, endete mit dem ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der Jutta-Tage. Auf deren Programm standen unter anderem die Jutta-Tafel, ein kostenloses gemeinsames Mittagessen mitten in der Stadt an der Jacobikirche, und ein Gedenken auf dem Friedhof an die Opfer der Zwangsarbeit.
 
Von Matthias Holluba