02.11.2017

Anstoss 44/2017

Zustimmung macht das Herz weit

Vor einigen Tagen bekam ich von einem Bekannten eine E-Mail mit einem Link, der zu einer Unterstützungsaktion für Papst Franziskus führt.


Hintergrund dieser Aktion ist eine Ende September veröffentlichte „Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien“ durch Papst Franziskus. Konservative Kleriker und Theologen hatten diese verfasst und den Papst darin aufgefordert, sich von vermeintlichen Irrlehren, die er direkt oder indirekt gefördert haben soll, zu distanzieren.
Bei allem Respekt vor der Meinung anderer fand ich dieses Schreiben ärgerlich und traurig und in der Öffentlichkeit ausgetragen auch völlig unpassend.
Ich bin froh und dankbar, dass der Papst einen erkennbar anderen Stil in seinem Pontifikat pflegt, dass er der Barmherzigkeit und der Nähe zu den Armen, Schwachen und Ausgegrenzten den Vorzug gibt. Als ich nun von der Unterstützungsaktion für den Papst las, war ich richtig happy. Die Theologen Paul Zulehner (Wien) und Tomáš Halík (Prag) schreiben in einem offenen Brief an Franziskus, dass sie seinen Traum von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“ teilen und für seine „mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind“. Tausende unterstützen inzwischen diese Aktion online.
Ich sehe, manchmal genügt es nicht, mit etwas einverstanden zu sein, etwas gut zu finden. Man muss es auch sagen. Das haben Zulehner und Halík bezüglich des Papstes initiiert. Danke!
Doch unabhängig von dem Inhalt dieser Aktion gibt sie mir einen wichtigen Anstoß. Mir ist aufgefallen, dass ich viel eher mein Wort erhebe, wenn ich gegen etwas bin. Eigentlich ist das bei den meisten Menschen so. Aber zum Ausdruck bringen, wofür man ist, geschieht viel seltener. Dabei ist die Haltung, für etwas zu sein, viel offener. Man kann viel eher Potentiale erkennen. Mir ist zum Beispiel lieber, zum Ausdruck zu bringen, dass ich das Christkind feiere als gegen den Weihnachtsmann zu sein.
Eine Für-Haltung macht das Herz weit. Wer immer nur vor Augen hat, wogegen er ist, kann schnell zum militanten Griesgram werden. Wer will das schon!

Andrea Wilke, Erfurt