Zu jung?

Luise Binder (18) aus Leipzig ist seit September Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Was sie dort erlebt, darüber berichtet sie hier regelmäßig – heute über eine Weiterbildung für tansanische Lehrer.

Weiterbildung für tansanische Lehrer.

Junges Mädchen, 18 Jahre. Vor einem knappen Jahr Abitur gemacht. Keine Ausbildungen oder anderweitige Urkunden. Was kann man da schon großartig in der Welt bewirken? Den Welthunger stoppen bestimmt nicht! Vor meinem Freiwilligendienst war mir vollkommen bewusst, dass ich das Leben der Menschen hier nur unwesentlich verändern werde, sie meines jedoch umso mehr.
Doch jetzt – nach inzwischen sieben Monaten hier in Tansania – finde ich, dass das nicht alles sein kann. Es ist ja schön für meine beiden Klassen, wenn mal jemand mit einer anderen Arbeitseinstellung, anderen Motiven, Ideen und Unterrichtsmethoden unterrichtet, aber wenn ich gehe, was hat die Schule dann davon gehabt? Es ist wahr, ich kann die Welt, Afrika, Tansania oder Iguguno nicht „retten“. Doch ich kann wenigstens erklären, was ich hier mache und andere ermutigen, ähnliches auszuprobieren. So entstand die Idee zu einem Workshop über Unterrichtsmethoden. Ich lud die Lehrer meiner Schule ein, an einem Samstag mit mir neue Lernspiele und Möglichkeiten, Tafelbilder zu gestalten, zu erarbeiten und auszuprobieren. Ich ermutigte sie aus dem müden Unterricht herauszugehen und Bewegung in die Klasse zu bringen, Aufmerksamkeit zu sichern. Die Klassen hier sind riesig und es ist harte Arbeit, die Schüler wach zu halten, ohne gleich den Hampelmann zu spielen.
Ich erzählte den Lehrern von meinen Erfahrungen. Welche Methoden ließen sich in den vergangenen Monaten gut und welche weniger umsetzen. Vor dem Workshop war ich besorgt, sie würden mich nicht ernstnehmen, sich nicht interessieren. Ich bin ja noch so jung! Doch ich wurde eines besseren belehrt: Die Lehrer der Mwandu Primary School zeigten sich begeistert und dankbarer als erwartet. Es wurde viel gelacht und allen gefiel es, abwechselnd in die Rolle von Schülern und Lehrern zu schlüpfen. Als ich sprach, hörten sie aufmerksam zu und nickten zustimmend. Am Ende des Tages wurde ich von allen ermutigt, weiter zu machen, eine Art Weiterbildung hat es hier noch nie gegeben. Nun denke ich, dass all die Werbesprüche von Entwicklungshilfen doch etwas Wahres an sich haben: JEDER kann etwas tun!
Luise Binder
Luise Binder hat auch einen Internet-Blog: www.luise-in-tansania.blogspot.com