03.11.2017

Deutschland und der Klimawandel

Wie verändert sich die Umwelt?

Tropenstürme, Dürreperioden, Überschwemmungen: Den Klimawandel kennt man aus den Nachrichten. Doch wie wirkt er sich in Deutschland aus?


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Bonn bereitet sich auf die Weltklimakonferenz vom 6. bis 17. November vor. Foto: kna


Extreme Dürren in Afrika, Wirbelstürme auf den Philippinen, Überschwemmungen in Bangladesch - weltweit sind die Auswirkungen des Klimawandels spürbar. Besonders die ärmsten Länder leiden unter den Folgen. Doch auch in Deutschland genügt ein Gang vor die Haustür, um zu erkennen, dass sich Natur und Umwelt verändern.

Auf der bevorstehenden UN-Weltklimakonferenz vom 6. bis 17. November in Bonn berät die Staatengemeinschaft über die Umsetzung des 2015 in Paris beschlossenen Klimaabkommens. Konkret soll es etwa um die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad gehen. Zu dem Treffen werden bis zu 25.000 Delegierte erwartet, dazu mehr als 1.300 Journalisten und 500 Nichtregierungsorganisationen.

Vom Konferenzgelände geht der Blick auf die bewaldeten Hänge des Siebengebirges, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. In den Wäldern mache sich der Klimawandel deutlich bemerkbar, sagt der Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlleben. "Die zunehmenden Hitzeperioden machen den Bäumen schwer zu schaffen. Oft wird das Laub vorzeitig abgeworfen, wie etwa letztes Jahr im August. Da waren viele Bäume schon herbstkahl, was bedeutet, dass sie weniger Reservestoffe für das nächste Frühjahr bilden konnten", berichtet er. Dazu kämen im Winter zunehmend Tiefdrucklagen, die Stürme mit sich führten. Vor allem Nadelbäume stürzten bei Orkanböen leicht um, da ihre Wurzeln im vom Regen aufgeweichten Boden keinen Halt hätten.

 

Landwirtschaft wird zum "Lotteriespiel"

Ein ähnliches Bild zeichnet der Landwirt Eberhard Hartelt, Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbands. Er betreibt einen Ackerbaubetrieb in Göllheim in der Pfalz. "Ich bin kein Klimaforscher, aber aus meiner Sicht nehmen Wetterextreme spürbar zu. Das Wetter ist unbeständiger, lange Trockenphasen und extreme Feuchtigkeitsperioden werden häufiger und machen es immer schwieriger, die Ernte einzubringen", sagt er.

So habe es etwa aufgrund eines extrem feuchten Frühjahrs im vergangenen Jahr große Probleme mit Pilzbefall gegeben, in diesem Jahr hätten späte Nachtfröste vielerorts die Obsternte komplett zerstört, da Bäume und Weinreben aufgrund warmer Temperaturen zu früh ausgetrieben hätten. "Außerdem haben wir mit neuen Schädlingen zu kämpfen, etwa der Kirschessigfliege, die früher nur im Mittelmeerraum vertreten war." Die Landwirtschaft werde immer mehr zum "Lotteriespiel", so Hartelt. "Das macht uns schon große Sorgen, viele Bauern sind in ihrer Existenz bedroht."

Und an deutschen Küsten? "Nord- und Ostsee erwärmen sich, das ist ein ganz klarer Trend", sagt Hermann Bange, Meereschemiker am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Seit 1957 betreiben die Forscher eine Messstation vor der Küste der Eckernförder Bucht in der Ostsee, jeden Monat werden Wasserproben entnommen. "60 Jahre sind in der Meeresforschung eine lange Zeit - dabei sind deutliche Entwicklungen zu erkennen. Die Wassertemperatur steigt, etwa um 0,2 Grad pro Dekade. Außerdem nimmt der Sauerstoffgehalt des Wassers ab. Das sind Entwicklungen, die natürlich Auswirkungen auf Flora und Fauna haben. Und wir gehen davon aus, dass sie indirekt aus dem Klimawandel resultieren."

Darüber hinaus sei ein kontinuierlicher Anstieg von Kohlenstoffdioxid im Wasser zu erkennen. "Das heißt, das Wasser wird saurer und auch darauf reagieren Organismen, das Ökosystem verändert sich." Ein weiterer Aspekt sei das Thema Küstenschutz. "Der Meeresspiegel steigt, es gibt immer heftigere Sturmereignisse - das führt zu verstärkter Küstenerosion." Gerade erst spülte eine Sturmflut in Gefolge von Tief "Herwart" Teile Strandes auf der ostfriesischen Insel Wangerooge weg.

 

Gletscher an der Zugspitze nimmt ab

Am deutlichsten sichtbar sind die Auswirkungen des Klimawandels jedoch rund 2.962 Meter über dem Meeresspiegel. Robert Schardt, Wetterwart auf der Zugspitze, hat den höchstgelegenen Arbeitsplatz Deutschlands. Hier misst und bewertet er seit 35 Jahren die klimatischen Entwicklungen. "Wir sehen ganz deutlich, dass die Temperaturkurve in dieser Zeit steil angestiegen ist. Seit 1900 gibt es hier eine kontinuierliche Wetterbeobachtung, zuerst wurde nur ein moderater Anstieg verzeichnet, aber seit Mitte der 80er Jahre weist die Kurve deutlich nach oben", sagt Schardt.

Das habe zur Folge, dass die Gipfelregion im Sommer früher schneefrei und damit der Sonne ausgesetzt sei. "Die Auswirkungen sind dramatisch. Der Schneeferner, einer der beiden Gletscher in der Zugspitzregion, hat seit meinem ersten Arbeitstag 1982 rund 50 Prozent an Fläche und Masse abgenommen." Die Wetterveränderung wirke sich auch auf die Vegetation aus, die nun in größere Höhen vorankomme.

Ob die internationalen Delegierten über Pilzbefall und Kirschessigfliegen, frühzeitigen Laubabwurf und Meeresversauerung sprechen werden, sei dahingestellt. Sicher auf der Agenda stehen Klima-Großthemen, etwa die Frage nach der Energiepolitik der Zukunft. "Wir müssen darauf hinarbeiten, dass weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Das ist das einzige Mittel der Wahl", sagt Meereschemiker Bange. "Wir können den Klimawandel nicht stoppen, aber wir können ihn verlangsamen."

kna