13.11.2017

Anfrage

Wer oder was ist ein "wiedergeborener Christ"?

Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich ein wiedergeborener Christ sei und wenn nicht, dann sei ich ein minderwertiger Christ. Mir ist nun die Frage geblieben: Was ist ein wiedergeborener Christ? J. L. per E-Mail


Auf Ihre Frage und Ihr Erlebnis kann man doppelt antworten. Zum einen: Sie sind höchstwahrscheinlich einem Christen begegnet, der in einer Freikirche beheimatet ist. Manche von diesen Kirchen halten die Kindertaufe für nicht wirklich gültig, da man sich nur als mündiger erwachsener Mensch für Gott entscheiden kann. Ein wiedergeborener Christ ist diesem Verständnis zufolge derjenige, der – als Baby getauft oder nicht – als Erwachsener zu einer (Frei-)Kirche findet, sich zu Gott bekehrt und sich dort als Zeichen für die Abkehr von seinem alten Leben taufen lässt.

Die zweite Antwort: Jeder Getaufte ist „neu geboren aus Wasser und Geist“ – denn als solche „neue Geburt“ gilt die Taufe. Deshalb gab es ursprünglich das vollständige Untertauchen im Wasser der Taufe als Symbol für das Sterben des alten, des sündigen Menschen. Erwachsene wendeten sich von ihrem bisherigen Leben ab und ließen sich taufen, um wie neu geboren in Christus zu leben.

Biblisch wird das deutlich im Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus (Johannes 3): „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird aus Wasser und Geist, kann er nicht in das Reich Gottes kommen ... Wundere dich also nicht, dass ich dir sage: Ihr müsst von neuem geboren werden.“

Und auch Paulus spricht im Römerbrief davon, dass wir in der Taufe „begraben“ werden, um „als neue Menschen zu leben“ (Röm 6,4). „Wir wissen doch, unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde ... So sollt auch ihr euch begreifen als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus“ (Röm 6,6.11).

Das „Bad der Wiedergeburt“ als Bildwort für die Taufe ist deshalb durchaus üblich. Bei der Taufwasserweihe heißt es: „Heilige dieses Wasser, damit dieses Kind im Heiligen Geist wiedergeboren wird.“ Denn die großen Kirchen sind überzeugt, dass es für diese Art der Wiedergeburt kein mündiges Bekenntnis braucht. Verstrickt in das Böse – theologisch: Erbsünde – ist jeder von Geburt an.

Von Susanne Haverkamp