02.11.2017

Rothenburger Kirche in neuem Glanz

Weil Menschen Gott wichtig sind

Die Rothenburger Kirche strahlt wieder in hellen Farben. Auch das Kreuz und zwei Skulpturen sind frisch restauriert worden.


Holzbildhauermeister Jens Burkert erklärt seine Arbeit im Gottesdienst in Rothenburg.

 

In alte Teppiche eingewickelt fand Pfarrer Krystian Burczek zwei Skulpturen aus der ehemaligen Rothenburger Pfarrkirche im Keller des Pfarrhauses. Die Kirche, die inzwischen zur Pfarrei Niesky gehört, stand kurz vor der Vollendung der Renovierung. Das Vortragekreuz, das der Künstler Friedrich Schötschel geschaffen hatte, wurde von Gold- und Silberschmied Kai Budich in Görlitz restauriert. Bis zum 29. Oktober würde es wieder, wie neu, in der Kirche sein. An diesem Sonntag sollte die Kirche mit einer Eucharistiefeier wieder ihrer Bestimmung als Gotteshaus übergeben werden. Und der Bischof würde kommen, die heilige Messe mit der Gemeinde feiern. Was aber wird mit den Skulpturen? In dem Zustand, in dem sie waren, konnte und wollte sie der Pfarrer nicht an die frischen Wände hängen. Er hörte sich um, wer sie restaurieren könnte – und wurde fündig, bei Holzbildhauermeister Jens Burkert in Görlitz. Am Morgen des 4. Oktober brachte er die beiden Holz-Skulpturen in die Werkstatt des Meisters. Als dieser die Rosenkranzmadonna umdrehte, entdeckte er die Initialen seines Großvaters Herbert Burkert und ein Leuchten zeigte sich auf seinem Gesicht.

In der Werkstatt von Holzbildhauermeister Jens Burkert.

Zum Gottesdienst am 29. Oktober sind er und seine Frau Anke, die an den Arbeiten beteiligt war, nach Rothenburg gekommen. „Warum verschönert man eine Kirche? Wäre das Geld nicht besser angelegt bei den notleidenden und hungernden Menschen dieser Erde?“, fragte Bischof Wolfgang Ipolt in seiner Predigt. Wirtschaftlich gerechnet brächte es keinen Gewinn, dass diese Kirche renoviert wurde. Die Antwort holt der Bischof aus dem Evangelium, in dem es um das wichtigste Gebot ging. „Menschen haben dieses Gebäude gebaut, weil sie gläubig waren, weil ihnen Gott wichtig ist. Weil wir einen Ort brauchen, um Gott die Ehre zu erweisen“, sagte der Bischof. Er verwies darauf, dass die Horizontale, zwischen Menschen – nur das zweite Gebot ohne das erste, ohne die Vertikale – zu Gott hin – für Christen nicht ausreichend wäre. „Darum schauen und hören gläubige Menschen zuerst auf Gott, lassen sich von ihm bestimmen.“ Aus der Gottesliebe heraus müsse die Nächstenliebe kommen.
Pfarrer Burczek dankte dem Bischof für sein Kommen, dass er mit der vergleichsweise kleinen Gemeinde die Danksagung gefeiert hat. Er bat den Holzbildhauer etwas zu den Skulpturen und seiner Arbeit zu sagen. Aus alten Fotos und Aufzeichnungen geht hervor, dass sie 1953 angefertigt wurden. Gemeinsam mit seiner Frau hat Jens Burkert die Skulpturen gereinigt und den Wurmbefall behandelt. Eine Rose war soweit zerstört, dass der Meister eine neue schnitzen musste. „Die Schwierigkeit bestand darin, die Schnitz-Handschrift meines Großvaters zu treffen. Wie beim Schreiben, so ist es auch beim Schnitzen nicht anders.“ Das Ergebnis ist gelungen, denn man sieht keinen Unterschied.

Bischof Ipolt schenkt der Gemeinde ein neues Messgewand. | Fotos: Raphael Schmidt

Von Raphael Schmidt