11.12.2017

Anfrage

Warum dreimal "Herr, erbarme dich"?

Zu Anfang der Messliturgie beten wir: Herr, erbarme dich, Christus, erbarme dich, Herr, erbarme dich. Meines Erachtens ist die dreifache Kyriebitte eine Anrufung an Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Stimmt das? P. W., Meerbusch


Wenn wir etwas dreimal singen oder beten, dann denken Christen oft an die Dreifaltigkeit, die Trinität. Deshalb ist Ihre Vermutung auch sehr naheliegend. Drei Huldigungsrufe für drei göttliche Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Allerdings stimmt die Vermutung in diesem Fall nicht. Das Kyrie ist ein alter Huldigungsruf, der sich nur und ausschließlich an Christus richtet.

Das Kyrie ist aus der heidnischen Antike in die christliche Liturgie gewandert. „Wenn der Triumphator über das römische Forum die Via sacra zum Kapitol hinauffuhr, dann erklang ihm von allen Seiten, von Soldaten und aus der Volksmenge, in endlosen Litaneien entgegen: Kyrie eleison“, schreibt der Liturgiewissenschaftler Theodor Schnitzler. Es ist ein Ruf des Jubels, des Lobes, des Siegers.

Paulus hat auf genau diesem Hintergrund formuliert: „Jesus Christus ist der Herr“ (Brief an die Philipper 2,11), auf Griechisch, der „kyrios“. Der wahre Weltenherrscher, so Paulus, ist der, der am Kreuz hängt – früher eher theologischer Gedanke, heute gut zu sehen in jeder katholischen Kirche. Ihm, dem Christkönig, den wir am Kreuz erblicken, wenn wir zum Gottesdienst in eine Kirche kommen, gilt der ursprünglich kaiserliche Huldigungsruf.

Dass der Ruf dreimal gesungen wird „kyrie eleison – christe eleison – kyrie eleison“ hat eher stilistische Gründe. Dreimal, das ist eine Verstärkung, die in Bibel und Liturgie oft vorkommt. So hat Jesus Petrus dreimal gefragt „Liebst du mich?“ Drei Versuchungen hielt der Teufel für Jesus bereit. „Heilig, heilig, heilig“ singen wir im Sanctus. Drei, die Zahl der Fülle und Vollkommenheit.

Zudem wird das Kyrie oft als Litanei gesungen, und eine Litanei hat (sogar sprichwörtlich) das Prinzip, denselben Ruf, dasselbe Gebet mehrmals zu wiederholen. Die klassische Kyrielitanei umfasste deshalb sogar dreimal drei, also neun Rufe, immer abwechselnd „Herr“ und „Christus“. Zwei Anreden für eine göttliche Person.

Von Susanne Haverkamp