07.09.2017

Ordensleute zur Bundestagswahl

„Wähle Menschenwürde!“

Ordensleute aus verschiedenen Teilen Deutschlands haben in Berlin im Vorfeld der Bundestagswahlen ein Zeichen gegen Rechts gesetzt: „Jeder Mensch hat eine Würde“ hieß ihre Botschaft für die Passanten.


„Wähle Menschenwürde“ – eine Aktion von Ordensleuten am Brandenburger Tor in Berlin. | Foto: Matthias Holluba

Sie machen sich Sorgen angesichts des Rechtspopulismus, der sich in Deutschland breit zu machen scheint. Wenn am 24. September der neue Bundestag gewählt wird, könnten rechte Sprücheklopfer durchaus Erfolge feiern. Deshalb hatten Ordensleute aus verschiedenen Teilen Deutschlands am ersten Septembersamstag zu einer Aktion am Brandenburger Tor in Berlin aufgerufen, mit der sie ein Zeichen für eine menschenwürdige Zukunft Deutschlands setzen wollten.
„Der Rechtsruck in unserer Gesellschaft macht uns Sorgen. Deshalb haben wir Ordensleute dazu eingeladen als Christen in aller Öffentlichkeit Position zu beziehen für eine Gesellschaft, in der alle willkommen sind und einen Platz haben“, erklärt Michaela Leifgen, die zu den Steyler Missionsschwestern gehört. Von ihrer Gemeinschaft ging die Idee aus, andere Ordensgemeinschaften wurden angesprochen und eingeladen, aber auch junge Missionare auf Zeit, Schüler, Studenten, Freunde und Bekannte.

Ein Ort mit Symbolik: Das Brandenburger Tor
Etwa 40 Frauen und Männer verschiedenen Alters, einige in Ordenstracht, sind der Einladung gefolgt. Vereinzelt schließen sich Passanten spontan an, zum Beispiel ein junger Christ aus dem Irak. „Wir haben diesen Ort gewählt, weil er von seiner Geschichte her für die Überwindung von Grenzen steht. Einst verlief hier eine Grenze, heute ist das Brandenburger Tor eine offene Tür“, erklärt Schwester Michael Leifgen. Singend ziehen die Teilnehmer nun in einer Prozession durch das Brandenburger Tor. Jeder hat ein Schild umgehängt, auf dem nur ein Wort steht. Immer drei Schilder ergeben einen kleinen Satz: „Du bist wertvoll“ zum Beispiel, oder „You are precious“, was dasselbe heißt, nur auf englisch. Oder: „Du bist wichtig“ und „Du bist willkommen“. Unter den Passanten werden visitenkartengroße Zettelchen verteilt, auf denen ebenfalls diese Sätze stehen verbunden mit der Aufforderung „Wähle Menschenwürde!“

„Wir glauben, dass jeder Mensch wertvoll ist“
„Bewusst halten wir keine großen Reden, die die Leute sowieso nicht verstehen“, sagt Schwester Michaela. „Wir wollen auch keine Politik machen, sondern ein kleines Zeichen unserer christlichen Überzeugung setzen: Wir glauben, dass jeder Mensch wertvoll ist. Wenn ich wertvoll bin, dann bist du es auch. Und wenn das so ist, dann gilt es am 24. September entsprechend zu wählen.“ Dieser Appell ist deutlich genug, auch ohne dass auf die konkreten Positionen einzelner Parteien eingegangen wird.
Inzwischen haben sich die Teilnehmer zu einer Menschenkette vor dem Brandenburger Tor aufgestellt – ein buntes Bild: Frauen und Männer, mit und ohne Ordenstracht, Junge und Alte, Deutsche und Menschen anderen Nationalität. Sie alle vereint in diesem Moment ein Anliegen:  Sie wollen gemeinsam daran erinnern, dass alle Menschen eine Würde haben, und sie wollen dazu ermutigen, sich für die Würde des anderen stark zu machen.
Die Menschenkette löst sich auf. Dann nimmt jeder Teilnehmer eine Kerze in die Hand und die Gruppe verharrt in stillem Gebet, ehe nach knapp zwei Stunden die Aktion zu Ende geht.

Von Matthias Holluba