20.04.2017

Die Landesbühnen Sachsen erinnern an Heinrich Melchior Mühlenberg

Von Halle in die neue Welt

Im Lutherjahr erinnern die Landesbühnen Sachsen an Heinrich Melchior Mühlenberg, der Gemeinden in Nordamerika betreute. Aufführungen wird es in unter anderem in Radebeul, Meißen, Torgau, Bad Elster und Zeitz geben.


Defa-Chefindianer Gojko Mitic spielt den Delawaren-Häuptling Fliegender Pfeil. Foto: Landesbühnen


„Es ist eigentlich schade, dass wir heute oft nicht mehr wissen, welche spirituelle Kraft in der Bibel und im Gesangbuch stecken. Mühlenberg hatte nichts anders gehabt und dennoch großes erreicht.“ So Eberhard Görner, der Autor des Buches „In Gottes eigenem Land“. Geschildert wird darin das Leben von Heinrich Melchior Mühlenberg, der sich 1742 von Halle aus auf den Weg machte, um die Evangelisch-Lutherischen Gemeinden in Pennsylvania zu ordnen. Damals gehörte das Land zur britischen Krone, heute ist es ein Bundesstaat der USA.
Die Landesbühnen in Sachsen haben sich jetzt des Stoffes angenommen. Heraus kam ein Theaterstück, das am 29. April in Radebeul Premiere hat. Mit dabei Gojko Mitic, der seit den 60er Jahren in zahlreichen Defa-Indianerfilmen die Hauptrolle spielte. In Radebeul hat er die Rolle des Häuptlings der Delawaren Fliegender Pfeil übernommen. Historisch ist überliefert, dass sich Fliegender Pfeil zuerst an die Seite Mühlenbergs stellte, sich dann aber abwandte. Schließlich fanden beide wieder zusammen. Der Grund: Mühlenberg lehnte die Zwangsmission der Indianer ab.

Konflikt mit Zinzendorf um die Kirchenleitung
Vorgestellt wurde das neue Stück, das von Olaf Hörbe geschrieben wurde, bei einem Gemeindeabend der Friedenskirche Radebeul. Pfarrerin Annegret Fischer betonte in ihrer Begrüßung, dass Kirche und Theater eine große Gemeinsamkeit haben. Beide verweisen auf die Grundfragen des Lebens. Dies, so die Dramaturgin der Landesbühnen Sachsen, sei ein Grund gewesen, ein Stück mit religiöser Thematik auf die Bühne zu bringen. Mit Interesse erwarte sie, wie  die Zuschauer in einem weitgehend nichtchristlichem Land das Stück erleben werden. Eine mögliche Frage, die sich aus dem Ringen Mühlenbergs ergibt, könnte die nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft sein. „Welchen Platz suche und finde ich?“ Bin ich bereit die Gesellschaft zu gestalten, sie zu verändern?“
Einige szenische Kostproben gaben die Schauspieler Julia Rani und Matthias Henkel: Tausende von Menschen verlassen im 17. und 18. Jahrhundert Europa. Armut und Hunger, politische und religiöse Verfolgung oder Abenteurertum lassen sie den gefährlichen Schiffsweg nach Amerika wagen. Angekommen, sind sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf sich gestellt, treffen auf unterschiedliche Kulturen, Lebensweisen, Glaubensgemeinschaften.
Heinrich Melchior Mühlenberg handelt zunächst im Auftrag der Franckeschen Stiftungen Halle. Er soll in Pennsylvania die deutschen Gemeinden betreuen und Kirchenstrukturen aufbauen. Dabei muss er auf die Situation achten. Die Bedingungen sind ganz anders. Es kommt zum Konflikt mit Nikolaus von Zinzendorf, der die Leitung der deutschen Lutheraner für sich beansprucht. Und ein gewisser „Prinz“ wiegelt die Siedler gegen die Indianer auf. Was dringend gebraucht wird, sind Strukturen. Dabei gerät Mühlenberg in Konflikt mit Halle. Seine Kirchenordnung wird dort abgelehnt. In Pennsylvania greift sie dennoch. Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, würdigt diese, und stellt ihre Bedeutung auch mit Blick auf das Gemeinwohl heraus. In einem Text der Landesbühnen heißt es: „Überzeugt von der Vision einer toleranten, friedlichen Gesellschaft beteiligt sich Mühlenberg maßgeblich an der Gründung der neuen amerikanischen Demokratie.“
Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms Reformationsjubiläum 2017 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages unterstützt. Aufführungen gibt es in Radebeul, Großenhain, in der Albrechtsburg Meißen, auf Schloss Hartenfels in Torgau, in Eisleben, im Franziskanerkloster Zeitz, auf Burg Storkow und schließlich abschließend in Bad Elster.

Info: www.landesbuehnen-sachsen.de; 03 51 / 8 95 42 14

Von Holger Jakobi