20.01.2013

Voller Wochenplan

Phillip Fuhrmann ist Priesterkandidat und bereitet sich im Priesterseminar Erfurt auf seinen Beruf vor.

Mittagessen im Priesterseminar

Jeden Tag Heilige Messe, gemeinsames Mittagsgebet und Mittagessen, Stiller Abend, Bibelkreis, Anbetung, Themenwochenenden, Einkehrtage, Praktika … „Ist es nicht deprimierend, wenn man den ganzen Tages- und Wochenplan vordiktiert bekommt?“, werde ich oft gefragt. Es ist schon richtig, als Priesterkandidat hat man nicht viel freie Zeit, die man sich selber einteilen kann. Wenn ich mit Kumpels ein Bier trinken gehen will, muss ich das mitunter zwei Wochen vorher planen, weil alle Abende belegt sind.
Lustiges Studentenleben habe ich mir damals in der Schule anders vorgestellt. Wir haben ein oder zwei freie Abende in der Woche, drei freie Wochenenden im Semester. Dementsprechend genossen habe ich jetzt meine Ferien. Manchmal zehrt es schon an den Nerven, nicht mal einen Tag blau machen zu können, nicht verfügbar zu sein, einfach mal Zeit für sich zu haben. Doch deprimierend ist daran nichts. Priester sein ist nun mal kein Beruf. Deshalb ist Priesterkandidat sein auch keine normale Ausbildung.
Ich bin kein Student, der das Programm des Seminars ableisten muss. Ich bin ein Seminarist, der studiert. Diese Perspektive ist wichtig. Dann ist nämlich Gebet keine Arbeit und Gemeinschaft keine Pflicht. Auch wenn es mir in schweren Zeiten manchmal schon so vorkam. Das Gebet und die Gemeinschaft unter uns Seminaristen sind die Quellen, aus denen wir unsere Kraft schöpfen. Und überhaupt ist ja unser Programm nicht darauf ausgelegt uns zu ärgern, sondern uns auf das Leben vorzubereiten, das wir selbst gewählt haben. Dinge wie die Praktika und gemeinsamen Ausflüge möchte ich auf keinen Fall missen.
Deshalb kann ich solche Fragen nach meinem ach so sehr von anderen bestimmten Alltag abwinken. Ich weiß, wo ich hin will und was ich dafür tun muss. In den Tag hinein zu leben und nicht zu wissen, was ich mit meinem Leben anfangen soll, würde ich als viel deprimierender empfinden als einen vollen Wochenplan.

Phillip Fuhrmann (1991 geboren) wohnt in Gablenz, das zur Pfarrei Weißwasser im Bistum Görlitz gehört. Für dieses Bistum ist er Priesterkandidat.