09.06.2017

Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Julius Pflug und die Reformation“ eröffnet

Die Versöhnung fortsetzen

Im Beisein von Ökumene-Kardinal Kurt Koch und Martin Junge vom Lutherischen Weltbund ist in Zeitz die Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Julius Pflug und die Reformation“ eröffnet worden.


Vesper-Gottesdienst im Park von Schloss Moritzburg in Zeitz anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“. | Foto: Eckhard Pohl

 

Es war ein ganz besonderer Höhepunkt im Reformationsgedenkjahr. Am Pfingstsonntagabend wurde in Zeitz mit einem Gottesdienst im Schlosspark die Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ eröffnet. Dazu waren aus Rom der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, und aus Genf der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Pfarrer Martin Junge, an den Residenz- und Begräbnisort des letzten katholischen Bischofs von Naumburg und frühen Ökumenikers Julius Pflug (1499-1564) gekommen. Koch und Junge haben die Schirmherrschaft über die Schau übernommen. Eines der Herzstücke der Ausstellung bildet der Dialograum der Konfessionen, in dessen Zentrum eine Vision von Papst Franziskus zur Einheit der Kirche steht. Die Sonderschau wird von den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz - Kurator ist Stiftsdirektor Holger Kunde - in Kooperation mit den Kirchen präsentiert.

Julius Pflug wollte die Einheit der Kirche wahren
Kardinal Koch würdigte in seiner Predigt Julius Pflug als „weisen Vermittler“, der sich in der Reformationszeit intensiv um Versöhnung und Wahrung der Einheit bemüht habe. „Luther und die Reformatoren wollten die Kirche nicht spalten, sondern im Geist des Evangeliums erneuern, und denselben Gedanken hatte Pflug“, so Koch. Auch  heute müssten Christen als „Botschafter der Versöhnung“ wirken. Ökumene sei „wesentlich Versöhnungsarbeit auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft“.
Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, betonte: „Wir haben es lange versäumt, zu benennen, was uns eint: die gemeinsame Taufe und die Botschaft Jesu Christi.“ Das Reformationsjubiläum müsse genutzt werden, den Blick auf das Gemeinsame zu richten und die Differenzen auf dem gemeinsamen Fundament zu gestalten. „Uns eint mehr, als uns trennt“, so Junge. Koch und Junge würdigten die Ergebnisse des Dialogs zwischen Lutheranern und Katholiken. Die dabei entstandenen Dokumente, so Kardinal Koch, „sind aber nicht der Endpunkt, sondern ein Doppelpunkt:“ weiterzuarbeiten, „dass wir die Einheit wiederfinden“.
Für den Vorsitzenden der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige kann das Engagement Julius Pflugs „dazu anregen, die ökumenischen Beziehungen unserer Tage in ihrem Spannungsverhältnis von Offenheit und eigenem Profil noch schöpferischer zu gestalten.“ Pflug habe mit vorbereitet, dass in Mitteldeutschland Ökumene schon lange kein Fremdwort mehr sei, so der Magdeburger Bischof. Für Landesbischöfin Ilse Junkermann von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland wird in der „sehr gelungenen Ausstellung deutlich, dass die Reformation kein Schwarz-Weiß-Geschehen ist, sondern dass es von Anfang an auch vermittelnde Personen und Positionen gab.“

Blick auf die heutige Situation der Ökumene
Die Sonderschau gewährt Einblicke in Leben und Werk Bischof Pflugs, der auch auf höchster Ebene als reichs- und religionspolitischer Vermittler tätig war. Gezeigt werden 250 Exponate im Museum Schloss Moritzburg, dem katholischen Dom St. Peter und Paul, der Stiftsbibliothek mit Pflugs umfassender Privatbibliothek sowie in der evangelischen Pfarrkirche Sankt Michael. Neben den Verhältnissen der Reformationszeit nimmt die Schau nicht zuletzt die heute erreichten ökumenischen Fortschritte etwa hinsichtlich von Taufe und Rechtfertigungslehre in den Blick.

Mehr Infos: Artikel zum Herzstück; www.reformation-zeitz2017.de; auch: Tag des Herrn-Journal „Gemeinsam“

Von Eckhard Pohl

Meinung: Zutiefst ökumenisch
Es war und ist ein wirklich ökumenisches Ereignis, die Eröffnung der Ausstellung „Dialog der Konfessionen. ...“ in Zeitz. Ökumenisch, weil im Reformationsgedenkjahr mit der Sonderschau zu Julius Pflug auf einen Bischof und Kirchenpolitiker hingewiesen wird, der in der Reformationszeit engagiert versuchte, die Einheit der Kirche zu wahren. Zutiefst ökumenisch aber auch deshalb, weil zwei global agierende Repräsentanten der Katholiken und Lutheraner – Koch und Junge – bekundeten, auf dem Weg hin zur kirchlichen Einheit weiter voranschreiten und die noch vorhandenen Differenzen überwinden zu wollen.