29.01.2015

Kardinal erinnerte sich nicht mehr

Verschollener Tabernakel wiederentdeckt

Görlitz/Niedersachswerfen. Viele Jahre lang hat der Görlitzer Matthias Wehnert nach einem Tabernakel des Görlitzer Emaille-Künstlers Willy Schmidt gesucht. Nach einem Bericht im Tag des Herrn hat er ihn endlich gefunden.

Matthias Wehnert ist froh, den Tabernakel endlich gefunden zu haben. Er stammt von dem Görlitzer Emaille-Künstler Willy Schmidt. Die Vorderseite zeigt das letzte Abendmahl. Übrigens: Bei dem Tabernakel handelt es sich um einen umgebauten Tresor. Foto: Markus Kremser

Matthias Wehnert lächelt zufrieden. Eines der größten Rätsel seiner Forschungsarbeit der vergangenen Jahre ist gelöst. „Das war nur Dank der Hilfe der Leser vom Tag des Herrn möglich“, sagt Wehnert und zeigt auf den Tabernakel, den er so lange gesucht und jetzt in Niedersachswerfen bei Nordhausen wiedergefunden hat. Von 1978 bis zum Juni 2007 stand er in der kleinen St.-Johannes-Nepomuk-Kapelle im Südharz. Die Vorgeschichte des lange vermisst geglaubten Tabernakels ist jedoch rund 20 Jahre älter.
Wehnert forscht seit vielen Jahren über die Görlitzer Künstler Walter Rhaue und dessen Schwiegersohn Willy Schmidt, die beide 1959 gestorben sind. „Willy Schmidt wurde vom DDR-Regime nicht gerade gefördert. 1957 hat er von der katholischen Kirche den Auftrag bekommen, für die Kapelle im St.-Carolus-Krankenhaus in Görlitz Kreuz und Tabernakel zu entwerfen und herzustellen“, berichtet Wehnert. Beide Arbeiten wurden als Metall-Emaille-Arbeit ausgeführt. Matthias Wehnert erläutert: „ Willy Schmidt gehörte zu den drei bedeutendsten Emaille-künstlern seiner Zeit.“

Ursprünglich in Görlitzer Krankenhaus-Kapelle
Die Kapelle selbst gibt es am ursprünglichen Ort im Krankenhaus nicht mehr. Auch die Ausstattung schien bis vor kurzem vollständig verschwunden zu sein. Nur wenige Fotos zeigten den Tabernakel. Die Borromäerinnen, in deren Trägerschaft das Krankenhaus früher betrieben wurde, haben Matthias Wehnert bei der Suche schon tatkräftig unterstützt. Das Kreuz, das Schmidt 1957 anfertigte, haben sie dem Betreiber des Walther-Rhaue-Archivs sogar geschenkt. „Schwester Seraphina hat sich dann erinnert, dass Bischof Joachim Meisner seinerzeit den Tabernakel an sich nahm um ihn einem neuen Bestimmungsort zuzuführen“, berichtet Matthias Wehnert. Allerdings war unklar, zu welcher Zeit das gewesen sein sollte – irgendwann zwischen 1975 und 1988.
Tatsächlich weihte Joachim Meisner 1975, damals noch Weihbischof in Erfurt, die Kapelle, die in Niedersachsenwerfen in eine ehemalige Sägewerksbaracke eingebaut worden war. Einen richtigen Tabernakel gab es damals angeblich noch nicht und so soll der spätere Kardinal Meisner den Thüringern den Tipp gegeben haben, dass in Görlitz ein Tabernakel übrig sei. Wilhelm Kirchner, der erste Ständige Diakon in der DDR, holte den Tabernakel 1978 aus Görlitz ab. Bis zu Umbauarbeiten im Juni 2007 wurde in dem Tabernakel in der Kapelle das Allerheiligste verwahrt. Danach stand er im Arbeitszimmer von Diakon Edmund Döring, dem Nachfolger von Diakon Kirchner, im Pfarrhaus von Niedersachswerfen.

Tipps nach Bericht in der Kirchenzeitung
Matthias Wehnert ist den Tag des Herrn-Lesern dankbar. Die Kirchenzeitung hatte im Herbst 2013 über Wehnerts Suche berichtet. „Ich habe daraufhin einige Tipps bekommen“, sagt der 45-Jährige. Alle Spuren hatten zuvor ins Leere geführt. Auch Kardinal Joachim Meisner hatte Wehnert angefragt. Ihm hatte er die wenigen Fotografien gezeigt. „Kardinal Meisner konnte sich beim besten Willen nicht an diesen Tabernakel erinnern, erst recht nicht daran, dass er ihn erhalten und dann weiterverschenkt haben soll“, berichtet Matthias Wehnert. Um so glücklicher ist er, dass Tabernakel und Kreuz jetzt wieder beisammen sind. Auch der Tabernakel ist jetzt wieder in Görlitz und Teil der Sammlung des Walter-Rhaue-Archivs.

Weitere Informationen über die Sammlung im Internet unter www.walter-rhaue.de

Von Markus Kremser