Anstoss 52/2011

Ungewöhnliche Geschenke

Eine weihnachtliche Geschichte erzählt von einem Jungen, der mit den Krippenspielkindern an die Krippe der Kirche kommt.

Als dem Jungen einfällt, dass Weihnachten ja der Geburtstag des Jesuskindes ist und er gar kein Geschenk für ihn hat, wird er traurig. Da hört er das Kind in der Krippe zu sich sprechen und es erklärt, dass der Junge durchaus Geschenke für ihn hätte. Überrascht und großzügig bietet der Junge sein neues Spielzeug an, aber das Christkind hat ganz bestimmte Wünsche. Es möchte nämlich die letzte Klassenarbeit, die wo ungenügend darunter stand. Verlegen und staunend zugleich bekommt der Junge die Einladung, alles in seinem Leben, wo ungenügend draufsteht, jederzeit zur Krippe bringen zu dürfen. Als Nächstes wünscht sich das Kind in der Krippe, die Tasse, die der Junge just an diesem Morgen zerbrochen hatte. Es möchte sogar alles, was im Leben des Jungen zerbrochen wurde, heil machen, wenn er es nur zu Jesus bringt. Und als Drittes wünscht sich Jesus, die Antwort des Jungen, als die Mutter nach der Tasse fragte. Jetzt wird es dem Jungen doch äußerst unwohl, denn er hatte gesagt, sie sei herabgefallen, obwohl er sie aus Trotz herabgestoßen hatte. „Bring mir immer all deine Lügen, deinen Trotz, selbst das Böse, was du getan hast“, lädt ihn das Christkind liebevoll ein. „Ich will dich davon frei machen, dir vergeben und werde nie aufhören, dich lieb zu haben. Willst du dir das von mir schenken lassen?“ Der Junge kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: sehr ungewöhnliche Geschenke sind es, die Jesus sich da wünscht!
Ich erzähle die Geschichte gern den Kommunionkindern, um deutlich zu machen, warum Jesus, der Gottessohn, als Menschenkind zur Welt kommt (und worum es im Sakrament der Versöhnung geht). Vor einem kleinen Kind muss niemand Angst haben. In seinem Licht können wir uns trauen, auch unsere Schattenseiten zu sehen, unsere Unzulänglichkeiten, die Grenzen, an denen wir uns reiben, selbst das, was wir mit Absicht Böses tun. Und das sind eben oft genug gar nicht so große Sachen, dafür aber sehr konkrete Kleinigkeiten, mit denen kleine und große Menschen einander das Leben schwer und dunkel machen.
An Weihnachten stellt Gott unser Leben in ein neues Licht und lädt uns ein, unser Leben im Licht seiner Liebe klar und neu zu sehen. Wenn wir in dieses größere Licht treten, das von der Krippe durch die Nacht des Todes bis in den Ostermorgen scheint, dann fallen unsere eigenen großen und kleinen Schatten hinter uns.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen