Und wieder Katechesen

Die "heißen Eisen" in der Kirche

Von "Tag des Herrn"-Redakteurin Dorothee Wanzek

Die Bischöfe von Würzburg Friedhelm Hofmann und Speyer Karl-Heinz Wiesemann erwarten uns gestern und heute bei den Weltjugendtagskatechesen. Interessant ist dabei nicht zuletzt, wie die Bischöfe, die wir bei den Katechesen erlebt haben, auf die so genannten „heißen Eisen“ in der katholischen Kirche eingehen. In den Fragerunden, in die jede Katechese mündet, machen die Jugendlichen – durch stürmischen Beifall ihrer Altersgenossen unterstützt – keinen Hehl daraus, dass sie sich von ihrer Kirche Reformen und Bewegung erwarten. Ausdrücklich genannt werden dabei die Rolle der Frauen in der Kirche und der obligatorische Zölibat für Priester. Immer wieder wird auch der Wunsch laut, dass Jugendliche in der Kirche ernster genommen werden, dass sie Raum bekommen, ihre Formen des Glaubens zu leben und auf ihrem Glaubensweg intensivere Begleitung und Unterstützung erfahren.

Alle drei Bischöfe brachten zum Ausdruck, dass auch ihnen Reformen und ständige Weiterentwicklung dringlich erscheinen. „Was sich nicht bewegt, ist tot“, sagte etwa der Bischof von Speyer. Große Hoffnung setze er auf die Veränderungskraft, die von Weltjugendtagen ausgehen. Er erlebe hier Jugendliche, die „in die Tiefe gehen“, sich auf das Wesentliche des Glaubens besinnen und von dort aus nach Erneuerung suchen. Wer Veränderung einfordere, ohne zuerst nach Gottes Plänen für das eigene Leben und für die Kirche zu fragen, der laufe Gefahr, Spaltung zu provozieren. Bei Fragen wie Zölibat und Frauenpriestertum habe er selbst manche Unsicherheit, räumte der österreichische Jugendbischof Stephan Turnovszky ein. Wichtig sei es ihm, genau hinzuhören auf die Argumente aller Seiten. Veränderungen auf diesem Gebiet seien von großer weltweiter Tragweite und müssten sehr, sehr genau abgewogen werden. Die Bischöfe bewegen sich mehr, als man denkt, sagte der Würzburger Bischof. Viele Gespräche würden in Deutschland eher im Hintergrund geführt, weil sie sonst häufig gleich wie ein programmatisches Pamphlet oder eine politische Kampfansage aufgefasst würden.

… Heute abend steht auf dem Weltjugendtagsprogramm eine große Kreuzwegandacht in der Madrider Innenstadt, an der wir teilnehmen werden.