Wie sich die Pfarrei Heilig Geist in Thüringen für die Zukunft rüstet

Über den Kirchturm hinaus

Nach einem Sturmschaden strahlen Wetterfahne und  Turmknopf seit 27. Januar wieder in frischem Glanz vom Turm der katholischen Jakobuskirche in Stadtroda. Aber nicht nur äußerlich mühen sich die Katholiken in Stadtroda und Kahla, für die Zukunft „wetterfest“ zu werden.

Stadtroda (dw). Eine groß angelegte Strukturreform wie in den Nachbardiözesen zeichnet sich bisher in Dresden-Meißen noch nicht ab. Aber es gibt auch hier seit Jahren eine Reihe von Pfarrei-Zusammenschlüssen. Und es gibt Gemeinden, die sich darauf einstellen, in naher Zukunft keinen Priester und keine hauptamtlichen Seelsorger mehr vor Ort zu haben. 

In der Stadtrodaer Pfarrei Heilig Geist sind die Herausforderungen kleiner werdender Gläubigen- und Priesterzahlen nicht erst ein Thema, seit der letzte katholische Pfarrer vor gut zwei Jahren fortzog. Auch die Fusion mit der Nachbarpfarrei Kahla vor zehn Jahren war nicht der erste Anstoß, über notwendigen Wandel nachzudenken. 

„Wir haben Glück, dass wir hier schon früh Seelsorger hatten, die uns darin bestärkt haben, selbst Verantwortung für das Gemeindeleben zu übernehmen“, erzählt Pfarrgemeinderatsmitglied Renate Schön. Die Katholiken in Stadtroda treffen sich nicht nur, wenn Pfarradministrator Klaus Schreiter aus Gera zur Sonntagsmesse anreist.

Dass Buß-, Kreuzweg- und Jahresschlussandachten in Eigenregie stattfinden, hat sich eingespielt, wenngleich die Fluktuation der kleinen Gemeinde zu schaffen macht und die Lücken, die jeder Wegzug und jeder Todesfall reißt, schmerzlicher sind als in einer großen Stadtpfarrei. Auch der Bibelkreis, der Seniorenkreis und der monatliche Gemeindeabend hängen nicht von der Initiative des Pfarrers oder der ebenfalls in Gera wohnenden Gemeindereferentin Rosemarie Zein ab. Beim sozialen Engagement setzen Stadtrodaer und Kahlaer Katholiken nicht zuletzt auf die Zusammenarbeit mit den evangelischen Christen, etwa für die „Täglich-Brot-Insel“ zur Lebensmittelversorgung Bedürftiger.

Besonders die Kinder und Jugendlichen profitieren von der wachsenden Vernetzung aller Gemeinden Geras und des Saale-Holzland-Kreises bis nach Hermsdorf und Eisenberg. „Mit unserem Seelsorgeteam ist manches noch möglich, was sonst längst nicht mehr ginge“, ist Dekan Klaus Schreiter überzeugt. Als Beispiel fallen ihm Jugendstunden mit Dekanatsjugendseelsorger Adam Prokop ein, die regelmäßig in Stadtroda stattfinden. Auch Kantor Michael Formella bringt sein musikalisches Talent nicht nur innerhalb von Geras Stadtgrenzen ein. 

Dass die Aussicht, mit mehreren unterschiedlich geprägten Nachbargemeinden zusammenarbeiten zu müssen, bei niemandem Begeisterungsstürme auslöst, wundert den Dekan nicht. „Ich bin froh, wenn kein lautes Murren zu vernehmen ist“, sagt er schmunzelnd. Er spricht von einem „Versuch regionaler pastoraler Arbeit“, der in seinen Augen ein „Zukunftsmodell“ ist. 

Kostenbewusst mit Immobilien umgehen

Wollen Katholiken ihrer Verantwortung für die folgenden Generationen gerecht werden, müssen sie kostenbewusster mit ihren Immobilien umgehen, ist Klaus Schreiter überzeugt. Auch hier ist ihm klar: Das ist leichter gesagt als getan. An wen lässt sich eine spätgotische Kirche aus dem 16. Jahrhundert verkaufen? Die Kahlaer St.-Nikolaus-Kirche ist zum Verkauf ausgeschrieben. Gottesdienste finden nur noch im Sommer in dem Gotteshaus statt. Im Winter nutzt die Gemeinde ausschließlich das 2003 errichtete Gemeindehaus. Bisher gab es einen einzigen Kaufinteressenten. Wohnungen wollte er in der Kirche einbauen, hat sich aber unterdessen wieder zurückgezogen. Eine Dachsanierung lässt sich nicht mehr lange aufschieben. Statt der erhofften Einsparung bringt das den Katholiken in Ostthüringen weitere Kosten.

In Stadtroda bietet ein kürzlich abgeschlossener Zehn-Jahres-Mietvertrag mit armenischen Christen einer freikirchlichen Gemeinde finanzielle Entlastung. Dank der Untermieter bleibt das Gemeindehaus auch den Katholiken weiter zur Verfügung.