13.04.2017

Spielplatz für Kinder aller Nationalitäten und sozialer Schichten

Spielend Schranken überwinden

Einen Drinnen-Spielplatz für Kinder aller Nationalitäten und sozialer Schichten hat die evangelische Andreas-Gemeinde Leipzig eröffnet. Zu den Unterstützern gehört die Katholische Studentengemeinde.


Bevor Dana Claus das Vorlese-Bilderbuch auspackt, spielt sie mit den Kindern Memory. | Fotos: Dorothee Wanzek


Ein „bissiges“ Wort, das Laura ihrem Kindergartenfreund Leo gesagt hat, entfaltet sein Eigenleben. Es bläht sich auf zu einer dicken, grauen Blase, an der die beiden Kinder fast nicht mehr vorbeikommen. Und doch gelingt es den Freunden am Ende, die dicke Blase in ihre Schranken zu verweisen und wieder zueinander zu finden. Zwischen den Hüpf- und Kletterburgen des Leipziger Indoor-Spielplatzes Playtogether hören die Vorschulkinder des Borsdorfer Kindergartens gebannt zu, wie Dana Claus ihnen die Geschichte von Leo und Laura aus einem Bilderbuch vorliest. Ja, solche Worte hat fast jeder von ihnen selbst auch schon einmal gehört oder gesagt. Sie erinnern sich daran, wie schwer es manchmal sein kann, sich dafür zu entschuldigen und wie schön es ist, wenn man es dann doch geschafft hat.

Pädagogische Projekte für Schule und Kindergarten
Dana Claus klappt das Bilderbuch wieder zu und lädt die Kinder ein, eine „Entschuldigung“ zu malen. Die Playtogether-Projektleiterin braucht nicht lange erklären, wie sie das meint. Die Kinder nehmen sich Papier und Stifte und beginnen zu malen: eine Sonne, eine Blume, ein Herz und anderes mehr, was einen gekränkten Freund wieder aufheitern könnte. Aus den Bildern basteln sie kleine Schatullen, in die Dana Claus und ihre Mitarbeiterin Silje Eick ihnen ein süßes Bonbon legen. Vielleicht haben sie es ja noch parat, wenn wieder einmal eine dicke graue Blase ihre Freundschaften zu verdüstern droht … Einige Kinder können es unterdessen kaum noch abwarten, endlich die Spielburgen stürmen zu dürfen. In der nächsten Stunde sehen die beiden Borsdorfer Erzieherinnen, die sie hierher begleitet haben, nur noch wenig von ihren Schützlingen.
Vormittags bietet das Playtogether-Team im neuen Spielhaus pädagogische Projekte für Schul- und Kindergartengruppen an. Neben dem „bissigen Wort“ gibt es noch das Projekt „Irgendwie anders“. Lena Burkhardt aus der Katholischen Studentengemeinde (KSG) hat das Projekt mitentwickelt und Stabpuppen gebaut, mit denen Kinder eine Vorlese-Geschichte mit- und nachspielen können. Sie  erfahren dabei, dass nicht nur Kinder mit augenscheinlichen Behinderungen oder fremdländischen Aussehen „irgendwie anders“ sind, sondern letztlich jeder Mensch.
Nachmittags steht das Gelände Kindern aus der Umgebung zur Verfügung, die mit ihren Eltern hierher kommen, darunter auch die Familien, die montags und dienstags zum „Cafe international“ der Andreasgemeinde kommen. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass sich „Playtogether“ auf Gäste aus vielen Kulturen eingestellt hat. Von der Toilettenbeschilderung bis zur Hausordnung ist hier alles reich bebildert und in mehreren Sprachen zu lesen.

Studentenpfarrer Christian Braunigger SJ (hier bei der Scheck-Übergabe) hatte das Playtogether-Haus bei der Einweihung auch mit gesegnet.

Besucherinteresse größer als erhofft
Das Besucherinteresse ist noch höher als die Initiatoren erhofft hatten. Über 2000 Gäste haben in den ersten zwei Monaten bereits den Weg zum etwas versteckt gelegenen Playtogether gefunden. „Wenn ich in die leuchtenden Augen der Kinder sehe, weiß ich, dass sich der Aufwand gelohnt hat“, sagt die pädagogische Mitarbeiterin Silje Eick. Indoor-Spielplätze stehen als Freizeitvergnügen für Kindergarten- und Grundschulkinder in der Beliebtheit seit Jahren weit oben. Die Eintrittsgelder können sich in der Regel aber nur berufstätige Eltern leisten.
Sponsoren und Spender machten es möglich, ein kostenfreies Angebot zu schaffen, das zur Überwindung sozialer Schranken beiträgt. Die Katholische Studentengemeinde hatte Playtogether als ihr soziales Spendenprojekt im letzten Wintersemester ausgewählt. „Da sehr viele unserer Gemeindemitglieder sich in unterschiedlichster Weise ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, war schnell klar, dass die Wahl auf ein Projekt fallen sollte, das Flüchtlinge unterstützt“, erläuterte Studentenpfarrer Christian Braunigger, als er kürzlich die Spende übergab. 1187 Euro haben die Studierenden gesammelt.
Der Bedarf an finanzieller Unterstützung bleibt groß bei Playtogether. Das Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern will zusätzliche pädagogische und kreative Angebote machen und plant bereits ein Außenspielgelände und einen überdachten Stellplatz für Kinderwagen.

Von Dorothee Wanzek