28.01.2015

Schwester Bernadette hilft Opfern von Erbschleicherei

Sister-Act ohne Kamera

Sie spielt Schlagzeug und will mit ihrer Stiftung "My Sister Act" die Welt erobern - Schwester Bernadette Brommer ist voller Tatendrang. Die zierliche Frau ist bekannt, seit sie sich gegen Erbschleicherei einsetzt. Mit ihrer Stiftung ist sie vor zweieinhalb Jahren zu einer Anlaufstelle geworden und kann sich inzwischen kaum retten vor Anfragen. 

 

Ganz ohne große Show und viel Rummel kommt die Stiftung "My Sister Act" von Schwester Bernadette Brommer aus. Foto: kna-bild

"Ich hätte nie gedacht, dass das so ein Riesen-Thema ist", berichtet die Ordensschwester. Bei einer Bekannten erlebte sie einen solchen Fall aus nächster Nähe und schrieb dazu ein Buch. "Das hat mich so mitgenommen, psychisch und emotional, da habe ich gedacht, man muss doch was machen", erzählt sie. Rechtlich kann weder sie noch der Anwalt, der sich in der Stiftung engagiert, viel erreichen, denn "ein Testament ist ein Testament". Es gehe aber vor allem darum, solche Fälle emotional aufzuarbeiten, meint die Seelsorgerin. Und so hört sie stundenlang am Telefon zu, beantwortet E-Mails und Briefe von Betroffenen. 

"200 Fälle habe ich mindestens in meinem Ordner, die Telefonate und Mails zähle ich schon gar nicht mehr", sagt die Schwester vom Guten Hirten. Ihre Arbeit für "My Sister Act" macht sie nebenbei, eigentlich arbeitet sie als Klinik-Seelsorgerin. Zu tun gibt es für die Stiftung mehr als genug, denn Fälle von Erbschleicherei sind nur ein Teil davon. Am Anfang stand eine Begegnung mit Schauspieler Maximilian Krückl. "Wir sind ins Gespräch gekommen und haben schnell gemerkt, dass wir uns gut ergänzen und überlegt, ob wir nicht gemeinsam etwas Gutes tun können."

 

Es fehlen Räume

Schwester Bernadette Brommer
Foto: kna-bild

Krückl hatte mit "goodact" eine soziale Plattform, auf der Dinge und Dienstleistungen getauscht werden, auf die Beine gestellt. Die Nonne und der Schauspieler arbeiten mit einem Anwalt, Andreas Geipel, zusammen. Seelsorge, Beratung, aber auch ganz tatkräftige Unterstützung will die Stiftung leisten. Die Ideen und der Eifer von Schwester Bernadette kennen nur eine Grenze: das Problem mit den Räumlichkeiten. "Wir haben schnell gemerkt, dass das alles ohne einen Ort sehr schwierig ist." Sachspenden können oft nicht angenommen werden, weil es keinen Lagerraum gibt. Psychologen können sich nicht ehrenamtlich engagieren, weil es keinen Ort für die Gespräche gibt. 

Schwester Bernadette ist sichtlich frustriert - Räumlichkeiten fallen in München nicht vom Himmel. Ihre Präsenz in den Medien führe auch nicht zu mehr Unterstützung und Sponsoren, sondern eher zu noch mehr Fällen, die Hilfe brauchen, erzählt sie. Dabei sei ihre Arbeit "eine große Chance der Kirche, da die Menschen zu erreichen, wo die Kirche sonst nicht hin kommt". Ihre direkte und ehrliche Art hilft, Vertrauen in die Kirche zu gewinnen. Denn wenn die Ordensfrau sagt, dass sie helfen wird, dann tut sie das. Und wenn sie sagt, dass sie nicht helfen kann, aber zuhört, ist das oft schon genug Hilfe für diejenigen, die sich an sie wenden. 

Krankenhausseelsorge, "My Sister Act", Bücher schreiben und hin und wieder eine Reise nach Berlin oder Brüssel in die Politik; Schwester Bernadette hat nur wenige ruhige Minuten. Beim Eintritt in den Orden hat sie jedoch zu den drei gewöhnlichen Gelübden Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam noch ein viertes abgelegt. "Früher nannte man das Seeleneifer, sich darum kümmern, dass es den Menschen gut geht und sie mit sich versöhnt sind", erklärt die Nonne. Menschen sollen merken, dass sie nicht alleine sind und dass sie ernst genommen werden. "Das ist mein Antrieb, ich muss das machen, das ist mein Innerstes."

Weitere Infos: www.mysisteract.de/index.html

kna