02.05.2013

Seminar noch zeitgemäß?

Phillip Fuhrmann ist Priesterkandidat und bereitet sich im Priesterseminar Erfurt auf seinen Beruf vor. An dieser Stelle schreibt er gelegentlich darüber:

Ist die Priesterausbildung in der Abgeschiedenheit eines Seminars noch zeitgemäß? Gehen die neuen Priester nicht an der frischen Luft des echten Lebens ein? – Diese Fragen bekam ich per Mail nach meinem letzten Beitrag. Und ich verstehe sie gut. Nicht nur Erfahrungen der Gemeindemitglieder scheinen zu solchen Fragen zu führen. Auch ich frage mich manchmal, ob das hier das Gelbe vom Ei sein soll. Gerade in der vergangenen Prüfungszeit habe ich mich sehr nach der Zeit zurückgesehnt, wo ich FSJler in der Jugendarbeit war. Denn seit dem ich nicht mehr den ständigen Kontakt mit anderen Jugendlichen habe, fühle ich mich manchmal so, als würde ich in einer kleinen Parallelwelt leben. Ich freue mich schon wie verrückt, endlich nach Hause in mein Dorf zu fahren und mit meinen Kumpels einfach nur am Grill zu sitzen (auch bei Schnee), Bier zu trinken und blödes Zeug zu quatschen. Keine Theologie und keine Kirchenpolitik, wie ich es hier jeden Tag habe.
Doch auch, wenn ich froh bin, hier mal „raus“ zu kommen, muss ich für den Kasten, der mir manchmal ganz schön auf die Nerven geht, eine Lanze brechen. Wenn man ins Priesterseminar eintritt, heißt das nicht, dass man bereit ist, morgen geweiht zu werden. Woher weiß ich, dass ich berufen bin? Will ich dieser Berufung wirklich folgen? Kann ich mit dem Zölibat leben? Werde ich nicht unheimlich einsam sein? Bin ich mit allem einverstanden, was die Kirche sagt und kann ich das anderen gegenüber vertreten? – Das sind Fragen, die mir nicht nur andere stellen, sondern doch vor allem ich mir selbst. Nicht umsonst dauert die Vorbereitung auf die Priesterweihe in der Regel acht Jahre. Berufung muss sich vertiefen. Dafür braucht es einen geschützten Raum. Ich war schon manchmal erleichtert, mich in die Abgeschiedenheit des Seminars zurückziehen zu können. Dort, wo ich in der Gemeinschaft bin mit anderen, die den gleichen Weg gehen, wo es Raum zum Beten und Nachdenken gibt, die Anleitung von Regens und Spiritual und den Halt eines festen Tagesplans. Die Antworten auf die vielen Fragen sind meist wenig rational, die kann man nur im Glauben, im Vertrauen auf Gott finden. Dieses Vertrauen ist nicht einfach da. Es muss wachsen. Und auch, wenn ich „Seminargemeinschaft“ manchmal nicht mehr hören kann – bin ich doch letztlich froh, auf meinem Weg nicht allein zu sein.
Phillip Fuhrmann (1991 geboren) wohnt in Gablenz, das zur Pfarrei Weißwasser im Bistum Görlitz gehört. Für dieses Bistum ist er Priesterkandidat.