28.09.2017

Patronatsfest der Pfarrei „Heiliger Wenzel“

Schöne Verheißung auf Zukunft

Beim Patronatsfest der größten Pfarrei im Bistum „Heiliger Wenzel“ inszenierten Kinder und Jugendliche, einstudiert und unter der Leitung von Christine Dinter, das Leben der Bistums-Heiligen Hedwig.


Über 100 Kinder beten das Vaterunser am Altar. Fotos: Raphael Schmidt


„Willst du für Christus Zeuge sein?“ Die Frage wurde am Patronatsfest des heiligen Wenzel am vorigen Sonntag in der Kathedrale St. Jakobus Görlitz vor der Predigt Gottesdienstbesuchern gestellt. „Blutzeuge möchte ich nicht so gern werden, ich hoffe, dass es nicht nötig sein wird“, war eine Antwort. Eine weitere Antwort: „...aber für Jesus Zeugnis abzulegen, weil ich ihn liebe, ihn gut finde und weil er mir wichtig ist, das möchte ich schon, denn: wen ich liebe, für den möchte ich auch gern Zeuge sein.“
Pfarrer Norbert Joklitschke machte in seiner Predigt deutlich, wie ernst es mit dem Zeugnis bis aufs Blut sein kann. So war es bei Wenzel – und bis heute werden Christen ihres Glaubens wegen verfolgt und getötet. Als Wenzels  Vater „im Jahr 921 starb, war der Junge 13 Jahre alt, seine Mutter Drahomira übernahm als Wenzels Vormund die Regierungsgeschäfte. Sie stellte sich aktiv gegen die Verbreitung des Christentums. Wenzel war durch seine Großmutter Ludmilla, die später heilig gesprochen wurde, christlich erzogen worden. Als Wenzels Mutter die Regierungsgeschäfte übernahm, ließ sie Ludmilla, ihre Schwiegermutter, Wenzels Großmutter und Erzieherin, ermorden.

Gemeinde muss Christus bezeugen oder zumachen
Wenige Jahre später wurde Wenzel selbst ermordet, von seinem Bruder Boleslav, unter anderem wegen Wenzels aktiver Verbreitung des Christentums. „In Europa haben wir 2000 Jahre Christentum – 2000 Jahre voller Bemühungen, aber auch voller menschlicher Schwächen. Die Kirche hat die Geschichte im Guten mitgeprägt, aber immer waren Menschen auch berechtigterweise von Christen enttäuscht. Aus diesen, aber auch aus anderen Gründen, haben sich Menschen von der Kirche abgewendet – mittlerweile kennen viele Jesus Christus nicht mehr. Deshalb ist es heutzutage umso wichtiger, ihn zu bezeugen, ihn, der uns liebt, der sich für uns aufopfert, der für uns das Beste will. Eine Gemeinde, die dies nicht tut, hat kein Existenzrecht. Sie könnte ruhig zumachen. Sie ist ein Club geworden, aber nicht die Gemeinde Jesu“, sagte Pfarrer Joklitschke.

Diakon Bernd Schmuck dirigierte den Kanon für Domkantor Seyda.

Von „Zumachen“ war an diesem Tag in der Kathedrale keine Rede. Dompropst Alfred Hoffmann freute sich sehr, dass die Gläubigen der sechs Kirchorte der Pfarrei zum Patronatsfes, zur gemeinsamen Eucharistiefeier mit anschließendem Gemeindefest zusammenkommen waren. „Alle Plätze waren besetzt, einige Menschen standen. Jung und alt, deutsche, polnische, syrische Familien und Gäste feierten gemeinsam den einen Glauben in der einen Kirche. Als etwa 100 Kinder zum Vaterunser um den Altar versammelt waren, dachte ich: was für eine schöne Verheißung auf Zukunft und zugleich Herausforderung zu einer guten religiösen Erziehung dieser Kinder“, sagte der Dompropst.
Auf dem Chor saß Domkantor Thomas Seyda an der Orgel, spielte das Instrument, sang und dirigierte den Jugendchor, der die Feier musikalisch gestaltete. Am Ende der Messe wurde für ihn gesungen, zum Geburtstag: „Viel Glück und Segen auf allen Wegen“. Diakon Bernd Schmuck, ehemaliger Kapellknabe und Chorleiter des Chores avvivando, dirigierte die vier Gruppen.
Am Nachmittag brachten Anne, Maria, Laura, Theresa V., Theresa O., John, Daniel, Abed, Vera-Lena und weitere den Zuschauern das Leben der Hedwig von Andechs, von Schlesien, der Landespatronin von Schlesien und der Bistumspatronin näher. In dem Stück geht es beispielsweise „um die Schwachen in der Gesellschaft und eine Verbesserung ihrer Lage; um einen einfachen Lebensstil in der Nachfolge Jesu; um Recht und Gerechtigkeit im Land und um die Verbreitung des Evangeliums“. Am Ende der Aufführung sparten die Gästen nicht mit Applaus: für die Spieler, die „Kulissen-Männer“, vor allem aber für Christine Dinter, die dieses Stück einstudierte, Regie führte und Hedwigs Leben billant lebendig werden ließ.

Von Raphael Schmidt