23.08.2012

Katholische, evangelische und nichtgetaufte Kinder verbrachten gemeinsame Tage

RKW auf ökumenisch

60 Mädchen und Jungen haben sich in Sangerhausen in der ersten Ferienwoche an der Religiösen Kinderwoche beteiligt. Die RKW findet seit sechs Jahren in ökumenischer Zusammenarbeit statt. Seit vier Jahren leitet Gemeindereferentin Angela Degenhardt die Tage.

Beim Anspiel: Stefan Schönberner (18), Paula Müller (12) als Rut, Luise Jäsche (14) als Orpa und Johanna Lind (15) als Noomi. Foto: Steffi Rohland

Sangerhausen. Schon am Vormittag herrschte stets reges Treiben auf dem Gelände des christlichen Jugendkulturzentrums TheO’door. 60 Mädchen und Jungen hatten sich in diesem Jahr für die Religiöse Kinderwoche (RKW) in Sangerhausen angemeldet und sorgten für Leben in dem evangelischen offenen Jugendzentrum. Wie fast überall stand die RKW diesmal unter dem Motto: „Worauf du dich verlassen kannst – Unterwegs mit Rut“. Die Kinder lernten jeden Tag ein bisschen mehr die biblische Figur der Rut und deren Familie kennen. In den Katechesen und darüber hinaus wurde gesungen, gespielt, gebastelt, nachgedacht und angeregt diskutiert. Zum Programm gehörte aber auch ein Ausflug zum Schloss Mansfeld.

 

Frühere Teilnehmerkinder sind heute gern Betreuer

Die jugendlichen Betreuer, die früher meist selbst gern an der RKW teilnahmen, standen vor der Aufgabe, den Jüngeren die biblische Erzählung und ihre Figuren szenisch anschaulich nahezubringen. Anschließend wurde in den verschiedenen Altersgruppen über die Episoden gesprochen. Den Kindern wurde dabei deutlich, wie mutig Rut ihrer Schwiegermutter Noomi das Versprechen gibt, mit ihr von Moab in deren Heimat Betlehem zurückzugehen und dieses Versprechen auch hält. Darauf aufbauend standen dann Fragen wie: „Hat euch schon mal jemand ein Versprechen gegeben? Welches Verhältnis hat man zu Personen, denen man ein Versprechen gibt?“, im Mittelpunkt. Für Gemeindereferentin Angela Degenhardt bieten die Anspiele eine wichtige katechetische Chance: „Ich finde die Anspiele sehr gut, denn das Lesen ist das eine, aber die Szene bildlich zu erleben, hinterlässt oft einen besseren Eindruck. Und dies um so mehr, als es die Jugendlichen sehr gut machen.“

Überhaupt kamen Spiel und Spaß bei den Tagen nicht zu kurz. Das Gelände des Jugendzentrums TheO’door (= the o(pen) door = die offene Tür) bot dazu viele Möglichkeiten. „Es ist schön zu sehen, wie die größeren Kinder und die Jugendlichen sich um die Kleinen kümmern“, stellte Gemeindepä-dagogin Erna Müller von der evangelischen Gemeinde fest.

Die gute Atmosphäre bei den RKW gibt es schon seit Jahren. Sonst wären wohl auch die heutigen jugendlichen Betreuer wie Jakob Auer (18) nicht dabei gewesen. „Es macht einfach Spaß“, sagt er. Die Achtklässlerin Luise Jäsche war in diesem Jahr erstmals Betreuerin. Mit ihrer Mädchengruppe beschäftigte sie sich zum Beispiel mit Noomi, der Schwiegermutter von Rut. Auch Friederike Wolf (14), die in diesem Jahr konfirmiert wurde, übernahm gern nach zweimaliger eigener Teilnahme Verantwortung als Betreuerin.

Seit sechs Jahren findet die RKW in ökumenischer Gemeinsamkeit statt und wird von der katholischen Pfarrei St. Jutta und den evangelischen Gemeinden St. Jakobi und St. Ulrich gestaltet. So wurden die Kinder während der Tage von Frau Degenhardt, aber auch vom evangelischen Pfarrer Johannes Müller und Gemeindepädagogin Müller begleitet. Und auch das Küchenteam von sechs Erwachsenen war ökumenisch zusammengesetzt.

 

Je zur Hälfte evangelische und katholische Kinder

„Auch ich habe als Kind regelmäßig an der RKW teilgenommen“, sagt Erna Müller. „Später habe ich das Material weiter genutzt.“ Die Zahl der Kinder aus der katholischen und den evangelischen Gemeinden war jetzt nahezu gleich groß. Einige hatten auch Freunde mitgebracht, die nicht getauft sind. Bei der täglichen Mittagsandacht lernten die Kinder die Ulrich-Kirche kennen, in der schon die heilige Jutta gebetet haben dürfte.

„Abwechselnd finden die RKW im TheO’door oder dem Gemeindehaus unserer katholischen Gemeinde statt“, sagt Gemeindereferentin Angela Degenhardt. „Die Kinder lernen dabei auch gleich die Einrichtungen kennen, deren Angebote sie nutzen können.“

Steffi Rohland