26.10.2017

Patronatsfest der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale

Hedwigs mystische Begegnung

Beim Patronatsfest der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale predigte Breslaus Erzbischof Józef Piotr Kupny über Hedwigs Gebet, ihre gelebte Barmherzigkeit und über aufrechte Versöhnung.


Dompropst Tobias Przytarski trägt beim Einzug das kostbare Hedwigs-Reliquiar. | Fotos: Alfred Herrmann



Vor 750 Jahren sprach Papst Clemens IV. Hedwig von Schlesien heilig. Aus diesem Grund kam Erzbischof Józef Piotr Kupny aus Breslau (Wrocław) zum diesjährigen Patronatsfest der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale und zelebrierte gemeinsam mit Erzbischof Heiner Koch feierlich die Messe.
Bereits einen Tag zuvor, am 15. Oktober, beteten Erzbischof Koch und Weihbischof Matthias Heinrich in Trebnitz (Trzebnica) am Grab der Heiligen. Dort endete mit Hedwigs Todestag das Gedenkjahr, mit dem das Erzbistum Breslau das Jubiläum der Heiligsprechung feierte.
In seiner Predigt pries Erzbischof Kupny Hedwigs Herz und erinnerte an ihre zentralen Wesenszüge, die auch heute Vorbildcharakter hätten. „Stundenlang, ja Nächtelang widmete sie sich in der Kirche der Verehrung Christi“, sprach Kupny von Hedwigs tiefer Christusbeziehung, „hier erlebte sie eine authentische, fast mystische Begegnung mit Christus.“ Dieses lebendige Christusverhältnis bilde die Quelle für Hedwigs barmherziges Handeln. Denn ähnlich wie ihre Nichte Elisabeth von Thüringen habe sich die schlesische Herzogin den Armen zugewandt und Bedürftigen geholfen. „Sie verstand die Worte des Erlösers: Alles was du dem Geringsten getan hast, hast du für mich getan.“
Als dritten Wesenszug der Heiligen aus dem bayerischen Andechs nannte Breslaus Erzbischof Hedwigs Versöhnungswillen. Dieser habe sie nach dem Zweiten Weltkrieg zur Patronin für die Aussöhnung von Polen und Deutschen werden lassen. Kupny erinnerte mit den Worten seines berühmten Vorgängers Kardinal Bolesław Kominek an die Hedwigstatue an der Breslauer Dombrücke: „Sie steht auf der Brücke, die das östliche und westliche Ufer der Oder verbindet. Jedem, der an ihr vorbeigeht, sagt sie, dass alle Brüder sind, egal wo sie leben. Vereint in dieser Bruderschaft Christi, grüßen wir einander und bitten unsere Patronin, uns und ganz Europa in Frieden und Versöhnung und Brüderlichkeit zu empfangen.“

Erzbischof Kupny erteilt mit dem Hedwigs-Reliquiar den Schlusssegen.

Als Geschenk brachte Erzbischof Kupny einen Kelch und eine Patene mit nach Berlin. „Ein Zeichen der Versöhnung“, freute sich Erzbischof Koch, „über alle Spannungen und Konflikte, über scheinbar unüberbrückbare Gegensätze hinweg, damit wir als Christen, als Menschen das Miteinander nie aufgeben“.

Von Alfred Herrmann