22.12.2017

Weihnachtsansprache von Papst Franziskus

Papst nordet seine Mitarbeiter ein

Ein wenig Lob und harsche Kritik: Papst Franziskus hat bei seiner Weihnachtsansprache seinen Mitarbeitern den Spiegel vorgehalten.

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Papst Franziskus bei seiner Weihnachtsansprache vor Kardinälen und einigen vatikanischen Mitarbeitern. Foto: kna


Die Weihnachtsansprachen von Papst Franziskusan seine Kurie haben etwas von einem Beichtspiegel. Das ist einerseits eine Erinnerung daran, dass der Advent in der Kirche früher eine vorweihnachtliche Fastenzeit war; andererseits eine starke persönliche Note dieses Papstes. In den vergangenen Jahren hatte er sich über das Innenleben der Kurie ausgelassen: über die inzwischen berühmten 15 "kurialen Krankheiten", dann die Tugenden einer Kurie, 2016 rekapitulierte er bisherige Schritte seiner Kurienreform. In diesem Jahr wollte er seiner obersten Verwaltung die notwendige Blickrichtung nach außen weisen.

Als "Sende- und Empfangsantennen" und "institutionelle Sinnesorgane" seines Petrusdienstes, stets unter dem "Primat des Dienens" - das waren die durchgehenden Bilder, mit denen Franziskus den anwesenden Kardinälen, Bischöfen und anderen leitenden Kurienmitarbeitern - darunter auch einige Frauen - die Spur weisen wollte. In Richtung Weltkirche und "der ganzen Welt". Bevor er diese Perspektiven anhand von Beispielen auszeichnete, wurde er jedoch noch einmal streng.

"In Rom Reformen durchzuführen, ist wie wenn man die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste reinigen will", zitierte Franziskuseingangs mit einem Lächeln noch einen belgischen Kardinal, der unter Pius IX. (1846-1878) seinerzeit den Kirchenstaat reformieren sollte. Dann warnte er: "Eine in sich verschlossene Kurie würde das Ziel ihrer Existenz verraten und in die Selbstbezogenheit fallen und sich so zur Selbstzerstörung verurteilen." Die "missratene Logik von Komplotts sowie kleiner Kreise", trage "- trotz teils guter Absichten - zu dem Krebs der Selbstbezogenheit" bei.

 

Papst kritisiert "Verräter und Nutznießer"

Nach einigen öffentlich diskutierten Entlassungen in diesem Jahr ließ Franziskus es sich nicht nehmen, "Verräter und Nutznießer der kirchlichen Mütterlichkeit" zu kritisieren. Damit meint er "Personen, die sorgfältig ausgewählt werden, um der Reform größere Kraft zu geben, aber die Größe ihrer Verantwortung nicht verstehen". Von "Ehrgeiz und Ruhmessucht korrumpiert" würden sie "sanft entfernt", und erklärten sich dann "fälschlicherweise zu Märtyrern des Systems, des 'schlecht informierten Papstes', einer 'alten Garde', anstatt 'mea culpa' zu sagen".

Direkt im Anschluss bescheinigte Franziskus jedoch der "überwältigenden Mehrheit" der Kurienmitarbeiter "lobenswerten Einsatz"; sie seien "treu, kompetent, hingebungsvoll und oft auch heiligmäßig". Als solche sollten sie als seine Antenne in die gesamte Kirche fungieren - und dabei nicht nur senden, sondern auch hören, was die Gläubigen bewegt.

In dieser Hinsicht kann Franziskus wohl Erfolge seiner auch geistig verstandenen Kurienreform verzeichnen. Viele Bischöfe, die ihn im vergangenen Jahr im Vatikan besuchten, hätten sich positiv darüber geäußert, wie offen und dialogbereit sie in der Kurie empfangen worden seien. "Das freut mich sehr. Und dafür danke ich euch", lobte Franziskus mit sichtbar aufmunterndem Lächeln in die Runde sonst eher unbewegter Gesichter.

Dialog, Vertrauen, gegenseitige Bereicherung und Zusammenarbeit im Dienst des Allgemeinwohls: Das waren die Wegweiser, die der Papst seinen leitenden Mitarbeitern exemplarisch durchbuchstabierte. So müsse die Beziehung der Kurie zu den Bistümern weltweit auf Zusammenarbeit und Vertrauen basieren und frei sein von Überlegenheit oder Abneigungen.

 

"Unumkehrbarer Weg" der Ökumene

Für die Beziehung zu anderen Konfessionen wiederholte Franziskuswie seine Vorgänger den "unumkehrbaren Weg" der Ökumene. Einheit unter den Christen sei nur erreichbar auf dem Weg des gemeinsamen Gebets, des gemeinsamen Dienstes an anderen und der gemeinsamen Verkündigung des Evangeliums.

Für den Dialog der Kurie mit anderen Religionen gelten laut Papst drei grundlegende Orientierungen: Pflicht, zur eigenen Identität zu stehen, Mut, der Andersartigkeit zu begegnen, sowie Ernsthaftigkeit in den eigenen Absichten. Anders sei weder Dialog noch Zusammenarbeit möglich.

Die Vatikanische Diplomatie, für die Franziskus kürzlich erst eine eigene dritte Abteilung im Staatssekretariat einrichtete, diene dem Heiligen Stuhl als Brückenbauer und Moderator zwischen den Nationen. Dafür müsse sie "frei von jeglichen weltlichen oder materiellen Interessen sein".

kna