20.04.2017

Anstoss 16/2017

Osterleuchten

Ruß abkratzen, nach Farben sortieren, im Wasserbad schmelzen, nochmal durch ein Sieb gießen. Viele Arbeitsschritte, um erst einmal nur das Wachs zu reinigen, waren nötig, als unsere Pfadfinder aus alten Wachsresten neue Kerzen gießen wollten.


Zu den Resten der Kirchenkerzen kamen gesammelte bunte Kerzenstummel aus der ganzen Gemeinde. Ein unansehnliches Sammelsurium, auf den ersten Blick zu nichts mehr zu gebrauchen, nur noch zum Wegwerfen. Umso faszinierender war es, zu beobachten, wie aus diesen gereinigten Resten neue Kerzen entstehen: das Wachs frisch und leuchtend eingefärbt, ein neuer Docht in eine schöne Kerzenform gezogen und dann der neue Guss, abkühlen, ausformen – bis wir die neuen Kerzen in den Händen halten, die uns schon anstrahlen, noch bevor sie entzündet sind.
Ein Bild dafür, was Auferstehung sein kann. Wie oft fragen wir uns im Alltagstrott, ob das nun das Leben ist! Streitigkeiten reiben uns auf, Beziehungen liegen in Scherben, Freundschaften schlafen ein, die Suche nach Arbeit zermürbt oder die Arbeit frisst uns auf. Sicher fallen Ihnen manche Dinge in Ihrem Leben ein, die wie die Kerzenreste sind – abgenutzt, rußig, verstaubt, nichts Leuchtendes mehr. Vielleicht würden wir manches sogar gern vollständig heraus streichen.
Etwas Ähnliches wie mit den Kerzenresten geschieht durch Gottes Wirken mit unserem Leben. Was für uns so aussieht, als wenn es nur noch zum Wegwerfen taugt, soll versöhnt, erlöst, gewandelt werden, damit das „eigentliche“ Leben wieder aufstrahlen kann. Nicht zuletzt die Feier der Sakramente will uns diese Verwandlung hautnah erfahrbar machen – gerade jetzt in der Zeit des Osterfestkreises.
Neues Leben bricht auf, hier und heute schon – das will uns Gott durch Jesu Sterben und Auferstehung schenken. Ein Leben, das einst bis in Gottes Ewigkeit hineinreichen soll. Ich wünsche Ihnen „Osteraugen“, die das Aufleuchten dieses neuen Lebens im alten auch nach Ostern immer von Neuem entdecken und alles, was Sie froh macht, als Spur der Auferstehung erkennen.

Angela Degenhardt, Sangerhausen