28.09.2017

Ausstellung zeitgenössischer Künstler zum Hohelied der Liebe

O Liebe, o Wonne

Die Mauritiustage in Halle sind diesmal dem Thema Glaube und Erotik gewidmet. Im Zentrum steht eine Ausstellung zeitgenössischer Künstler zum Hohelied der Liebe der Bibel. Dazu gibt es ein vielfältiges Begleitprogramm.


Vernissage in der Moritzkirche: Werke von Peter Rogge (vorn links: schön bist du, Porzellan 2015) und Helena Rytkönen (rechts: Das Lied der Lieder, Papierarbeit, 2015). | Fotos: Eckhard Pohl

 

Die Mauritiustage 2017 in Halle stehen unter dem Motto „Wie schön bist du und wie reizvoll, o Liebe, o Wonne“ und damit unter einem Wort aus dem biblischen Hohelied der Liebe. Sie wollen dazu einladen, der Beziehung zwischen Glaube und Erotik nachzugehen. Tragendes Band dabei ist eine Ausstellung von Künstlern verschiedener Genres, die sich durch die poetische Kraft des Hoheliedes inspirieren ließen und sich intensiv damit beschäftigt haben. Die entstandenen Werke sind bis 20. Oktober in der Moritzkirche zu sehen.
Gezeigt werden Bilder zeitgenössischer Künstler aus den Bereichen Malerei und Grafik, Keramik und Metall. Entstanden ist die Ausstellung auf Initiative der Weißenfelser Künstlerin Christina Simon, die 2015 die Künstlerkollegen einlud, sich gemeinsam auf das Thema einzulassen. Zu sehen war das Ergebnis dann erstmals am 3. Oktober 2015 zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung in Weißenfels.

Linolschnitte, Malerei, Skulpturen, Grafik
„Wir sehnen uns alle nach Einigung, nur gelingt es nicht immer so ... “, sagte Christina Simon bei der Vernissage am 15. September. „Wir wissen doch (aber) längst, dass es die Liebe ist, die auf manchmal wundersame Weise die größten Gegensätze aufheben kann. In der Vereinigung von Mann und Frau findet sie dabei ihren höchsten symbolischen Ausdruck.“
Die Liebe zwischen Mann und Frau spiegelt sich denn auch in den sehr verschiedenen ausgestellten Werken wider, die sich nach Angaben von Christina Simon gegenseitig ergänzen wollen: die grafisch und linear angelegten Arbeiten Peter Rogges (*1962), die farbigen großformatigen Linolschnitte von Christina Simon (*1963),  Ulrich Barnickels (*1955) Metall-
skulptur „Das große Lied der Liebe“, die keramischen Skulpturen von Liesa Trefzer (*1946) und die Malerein von Helena Rytkönen (*1951).
Bei der Vernissage am 8. September kam auch das Hohelied selbst in einer szenischen Lesung zu Gehör: Die Schauspieler An Kuohn und Thomas Zieler trugen es leicht modernisiert in der Fassung des Barockdichters Martin Opitz von 1624 vor. Zudem wurde das Werk „Molitwa“ („Gebet“) für Flöte, Oboe, Violine und Klavier der Hallenser Klavierpädagogin und Komponistin Maria Leontjewa uraufgeführt.

Christina Simon: Zauberhaft bist du, mit Ketten aus Gold und Korallen (Ausschnitt), Linolschitt 2015.

Nach wie vor gebe es mitunter „tief verwurzelte Vorurteile bei vielen Zeitgenossen, dass sich die Kirchen, allemal die katholische, schwer tun mit einem unverkrampften Umgang mit Liebe und Erotik“, so Akademie-Direktor Reinhard Grütz. Die Veranstalter der Mauritiustage, Bistums-Akademie, Fachbereich Pastoral und der Verein Bürgergesellschaft St. Mauritius zu Halle unterstützt vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt wollen dies mit dem Thema aufgreifen und mit den verschiedenen Möglichkeiten bildender Kunst, Literatur, Musik und Theologie „mitten ins Herz der Debatten zielen“, die in und außerhalb der Kirche um Erotik, Liebe und Partnerschaft stattfinden, und „zur vertieften Auseinandersetzung und Gespräch darüber“ einladen.
Dem diente auch die Midissage am 26. September, bei der es in Vortrag und Diskurs um „Liebe und Partnerschaft. Perspektiven aus Kirche und Theologie“ ging. Ausstellungs-Finissage wird am 20. Oktober ab 19 Uhr sein. Auf dem Programm steht ein „Lob des Eros“ mit erotischen Gedichten und Geschichten, mit Madrigalen und Liebesliedvertonungen als „höchst verschiedenen literarischen Ausdrucksformen erotischen Begehrens“.

Die Ausstellung ist geöffnet: Di-Fr 11-12 Uhr, 15-17 Uhr, Sa/So 13-17 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 03 45/ 2 90 00 88

Von Eckhard Pohl