Nur Verrückte oder Liebende

Phillip Fuhrmann ist Priesterkandidat und bereitet sich im Priesterseminar Erfurt auf seinen Beruf vor. An dieser Stelle wird er künftig gelegentlich darüber berichten.

Semestereröffnung im Priesterseminar Erfurt.

„In jedem Semester 20 Priesterkandidaten und 100 Laien“, antwortete Altbischof Joachim Wanke auf die Frage, was er der Katholisch-Theologischen Fakultät für die Zukunft wünsche. Lautes Gelächter ging durch die Menge, die der Podiumsdiskussion lauschte, welche aus Anlass der Albertus-Magnus-Feier, dem Patronatsfest der Fakultät stattfand. Es war aber kein zynisches Lachen, was ich durchaus verstanden hätte im Blick auf die realen Zahlen. Die Anzahl der Studierenden, die dieses Semester neu angefangen haben, ist bescheiden und darunter ist nur ein Priesterkandidat, der zu uns ins Seminar zieht. Dort sind wir jetzt 14 Seminaristen aus den (Erz-)Bistümern Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg. Dazu kommen noch vier, die zurzeit im Ausland studieren.
Resignation ist deswegen nicht zu spüren. Klar machen wir uns alle Gedanken, wie in Zukunft immer größere Räume mit immer weniger Priester betreut werden sollen. Wie wir damit umgehen sollen, dass die Kirchen immer leerer werden und der Glaube an einen christlichen Gott in der Gesellschaft immer weiter verschwindet. „Priester wird man heute nicht mehr aufgrund von gesellschaftlichem Ansehen oder anderen Vorzügen“, meinte Regens Christoph Karlson in seiner Semestereröffnungsansprache zu uns Seminaristen, „Priester werden heute nur noch Verrückte oder Liebende.“
Ein Satz der passt, wie ich finde. Wer nur das äußere sieht und über den Rückgang klagt, wird über den Ausspruch des Altbischofs nur müde den Kopf schütteln können. Ich aber konnte herzlich lachen. Ich bin Froh, nach den Ferien wieder zurück im Seminar zu sein, um mein zweites Jahr hier zu verbringen. Wir sind zwar nur ein überschaubarer Haufen, aber wir gehen weiter jeden Tag, so gut wir können, unseren Weg um vielleicht in ein paar Jahren vor Christus und dem Bischof zu sagen: „Hier bin ich!“ - aus Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Dafür muss man wahrscheinlich echt ein bisschen verrückt sein.


Zur Person: Phillip Fuhrmann ist 1991 geboren und wohnt in Gablenz, das zur Pfarrei Weißwasser im Bistum Görlitz gehört. Für dieses Bistum ist er Priesterkanditat. 2009 hat Phillip Fuhrmann Abitur gemacht. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Jugendseelsorge des Bistums in Cottbus hat er in Bamberg das Propädeutikum (Einführung in das Theologiestudium) absolviert und im Wintersemester 2011 in Erfurt begonnen, Theologie zu studieren.