Reisegruppe aus Görlitz bei der Seligsprechung von Hildegard Burjan

Noch ganz im Glanz – von Wien

Eine Gruppe von Gläubigen aus dem Bistum Görlitz war bei der Seligsprechung Hildegard Burjans in Wien dabei.

Die Gruppe aus dem Bistum Görlitz, die in Wien an der Seligsprechung von Hildegard Burjan teilnahm.

Von Raphael Schmidt
Wien / Görlitz.
„Es war ein riesengroßes, sehr bewegendes Ereignis. Die vielen Begegnungen und Erlebnisse kann ich gar nicht in ein oder zwei Sätzen schildern“, sagt Theresia Ullmann aus Forst. Sie unternahm ihre erste Reise nach Wien mit dem Bus, der am Vormittag des 28. Januar von Görlitz aus startete. „Als ,Nicht-Görlitzerin‘ kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt Hildegard Burjan fast nicht. Ich habe den Namen mal gehört, hatte aber keine Beziehung dazu. Insofern war ich sehr neugierig.“ In ihrem Gepäck befand sich ihr Fotoapparat. Das, was Frau Ullmann nicht in wenigen Sätzen beschreiben konnte, drücken ihre Fotos umso deutlicher aus. Die Seligsprechung war – und so empfanden es viele Teilnehmer – ein farbenfrohes Fest. Und die Fahrt zur Feier nach Wien war eine erlebnisreiche Reise.
Hildegard Burjan ist die erste Görlitzerin, die aufgrund ihres Lebens, in dem sie eine Fragende, eine Suchende und eine Helfende war, nun zur Ehre der Altäre erhoben wurde. In dem folgenden Satz von ihr kommt ihre Einstellung zum Ausdruck: „Ich musste Gott erst suchen. Wie oft habe ich in die Kissen Tränen geweint und gefleht: O Gott, lass mich dich finden!“
Während der Seligsprechung wurde im Stephansdom ein Bild von Hildegard Burjan entrollt. „Dieser Augenblick und der plötzlich anbrechende Jubel danach – das war für mich das Beeindruckendste, was ich erlebt habe“, erinnert sich die Borromäerin Schwester M. Sonja.
Pfarrer i. R. Bernhard Walter aus Forst sagt: „So viele Gläubige waren geschart um Hildegard Burjan, die selber Frauen um sich geschart hat, um sozialer Not abzuhelfen.“ Bei seiner Erinnerung an die Seligsprechung kommt ihm ein Vergleich mit Jesus in den Sinn: „Von ihm wurde einst gesagt: ,Alle suchen dich!‘. Wenn Menschen wie Hildegard Burjan sich in seiner Nachfolge der Not anderer zuneigen, kann man jenes Wort auch auf sie anwenden: Alle suchen euch! So spüren sie meist unbewusst etwas von Jesus, der gekommen war, um den Armen die Frohbotschaft zu verkünden.“ Auch bei der Seligsprechung war dies zu spüren, meint Pfarrer Walter.  

Die Brücke der christlichen Liebe
„Bei einer Agapefeier im Haus der Gemeinschaft sah ich auch Arme, die ihre Selige suchten“, erinnert sich Pfarrer Walter. Keine Feier nur für geladene Gäste also, sondern so, wie es Hildegard Burjan gewollt hätte. 1913 äußerte sie: „Sozial arbeiten heißt auch vorbeugen, heißt Kluften, die innerhalb der Gesellschaft entstehen, mit christlicher Liebe und mitfühlendem Herzen zu überbrücken suchen.“
Der Agape war eine erste feierliche Eucharistiefeier zu Ehren der neuen Seligen in der Wiener Servitenkirche vorausgegangen. Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl gab dabei in seiner Predigt einen Ausblick auf die Bedeutung Hildegard Burjans für die Kirche gerade in dem Jahr, das zunächst im Zeichen des 50. Jahrestages des Zweiten Vatikanischen Konzils stünde und zudem zum „Jahr des Glaubens“ ausgerufen sei. Hildegard Burjan hätte wichtige Botschaften für die Kirche. Eine davon laute: „Dass der Wille Gottes uns täglich mehr Ausgangspunkt, Richtschnur und Ziel werde.“
Von der Servitenkirche führte nach dem Gottesdienst eine Lichter- und Reliquienprozession zum Haus und der Kapelle in der Pramergasse 9, in dem die von Hildegard Burjan gegründete Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis ihren Hauptsitz hat. Michael Hannich aus Görlitz fand: „Die Lichter-Prozession war beeindruckend, als einige Hundert Menschen durch die Straßen Wiens zogen.“
An der Spitze des Zuges ging die Generalleiterin der Caritas Socialis, Schwester Maria Judith Tappeiner. „In ihren Händen hielt sie eine Glasstele mit Reliquien der Seligen. Die Gläubigen trugen Kerzen in den Händen. Es war ein großes ,Lichtermeer‘“, sagt Theresia Ullmann voller Begeisterung und ergänzt: „Nachdem die Reliquien in der Kapelle standen, beglückwünschten der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, und unser Bischof Wolfgang Ipolt die Schwestern auf der Treppe vor dem Eingang. Unser Bischof überreichte einen wunderschönen Holzleuchter, als Geschenk der Diözese Görlitz. Dieser steht nun neben den Reliquien in der Kapelle. Somit ist dies auch ein äußeres Zeichen der Verbundenheit mit der Heimatstadt von Hildegard Burjan und unserem Bistum“.

Firmlinge sollten Hildegard Burjan als Namen wählen
Theresia Ullmann ist begeistert von all dem, „was ich in Wien erleben und erfahren durfte“. Besonders dankbar ist sie dem Görlitzer Kaplan Markus Kurzweil, der „ein sehr interessantes Programm für uns organisiert hat“. Dazu zählten die Führung im Stephansdom, eine Stadtführung durch Wien, der Besuch einer Veranstaltung in der Volksoper sowie die Führung im Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. „Wir erfuhren in Heiligenkreuz, dass Hildegard Burjan dort gern war und die Kreuzreliquie besonders verehrt hat. So war dieser Ausflug auch mit der neuen Seligen tief verbunden“, sagt Pfarrer Alfred Hoffmann.
Bischof Ipolt sieht die neue Selige für das Diaspora-Bistum Görlitz als „bedeutsam“ an, „weil sie als Erwachsene zum Glauben kam. Sie ist eine Neubekehrte und könnte mit ihrer  Einstellung für manche der Leute gerade hier im Osten als Vorbild dienen und ihnen einen Weg zum Glauben zeigen“. Der Bischof wünscht sich, dass sich „Firmlinge Hildegard Burjan als Firmnamen nehmen“.